Theater „Das Ensemble ist mißvergnügt“

Mit einer nahezu siebenstündigen, auf zwei Abende verteilten Neuinszenierung des „Peer Gynt“ von Ibsen ist dem Regisseur Peter Stein, 33, an der West-Berliner „Schaubühne am Halleschen Ufer“ ein „Höhepunkt deutschen Theaters“ ("Die Zeit") gelungen. Die Kritik, einmutig wie selten zuvor, pries das „Schauspiel aus dem 19. Jahrhundert“ (Untertitel) als „stupende Produktion“ ("Die Welt") und die Mitwirkenden als „bestes Ensemble, über das ein deutsches Theater verfügt“ ("Frankfurter Rundschau"). Die Elogen bedeuten auch ein Politikum: Allen Angriffen zum Trotz hat sich die kollektiv geleitete, zunächst bis 1972 subventionierte linke Experimentier-Bühne mit dem „Peer Gynt“ als der zeit vitalstes und wichtigstes deutsches Theater profiliert.

DER SPIEGEL 22/1971

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