24.05.1971

DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

Montag, 24. 5.
20.15 Uhr. ARD. Panorama (Farbe) Moderator: Peter Merseburger. Geplant ist ein Interview mit dem Wirtschafts- und Finanzminister (Motto: "Was will Schiller?") und ein Bericht über einen mittleren westfälischen Handwerksbetrieb, in dem Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung beispielhaft realisiert worden sind. Außerdem gibt das Magazin unter dem Titel "Polizeispitzel im Zeugenstand" Anmerkungen zu fragwürdigen Methoden des Staats- und Verfassungsschutzes und weist anschließend auf eine Gesetzeslücke hin, durch die Hausbesitzer beim Verkauf von Altbauwohnungen den Mieterschutz umgehen können. 21.05 Uhr. ZDF. Abschied
In seinem autobiographischen Roman von 1940 erzählt der Schriftsteller und frühere DDR -Kultusminister Johannes R. Becher die Geschichte eines jungen Mannes, der -- von der patriotischen und militant-bürgerlichen Gesinnung seines Vaters angewidert -- 1914 bei Kriegsbeginn sein Elternhaus verläßt. Der Defa-Verfilmung des Romans (Regie: Egon Günther), die 1968 zu Bechers 10. Todestag in Ost-Berlin uraufgeführt wurde, warfen DDR-Kritiker Konzessionen an sogenannte moderne Mittel" und die "Verulkung der Gefahren des Imperialismus" vor.
21.05 Uhr. HR III. Wenn die Eltern nicht miteinander verheiratet sind
Am Beispiel von zwei ledigen Müttern demonstrieren Luc Jochimsen und Georg Arnim, warum das seit Juli letzten Jahres geltende "Gesetz über die rechtliche Stellung der nichtehelichen Kinder" unzulänglich ist. "wenn soziale Maßnahmen ausbleiben".
21.15 Uhr. NDR, RB, SFB III. Die letzten 24 Stunden im Leben des Herrn Lemming (Farbe)
In der Fernsehgroteske -- einer Mischung aus Spielszenen und Dokumentation -- zeigen die NDR-Redakteure Ekkehard Kloehn und Bernd Leptihn, wie sich ein Bundesbürger vergebens müht, die an der Umweltverschmutzung Schuldigen ausfindig zu machen. 21.45 Uhr. ARD. Die Fernseh-Diskussion (Farbe)
Unter dem Stichwort "Das Elend unserer Städte" führen Lauritz Lauritzen, Bundesminister für Städtebau und Wohnungswesen, sein Amtsvorgänger Victor-Emanuel Preusker, der Münchner Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städtetages, Hans-Jochen Vogel, der Großbau- Finanzier Carl Schaetzle sowie der Publizist Jörn Janssen ein Streitgespräch über Städtebau und das Städtebauförderungsgesetz. Leitung: Ernst Maria Lang.
Dienstag, 25. 5.
20.15 Uhr. ZDF. Abschied vom Berliner Modell
Zwei Jahre nach Verabschiedung des Berliner Hochschulgesetzes will Autor Dirk Sager untersuchen, "welchen Weg die Freie Universität seitdem eingeschlagen hat". Ist sie eine "Universität unter Hammer und Sichel" geworden. oder ist sie die "Hochschule des nächsten Jahrzehnts?"
21.50 Uhr. ZDF. Aspekte (Farbe) Moderator: Reinhart Hoffmeister. Das Westfälische Landestheater ("WLT") in Castrop-Rauxel, eine der experimentierfreudigsten westdeutschen Bühnen, hat Lehrlinge der IG Chemie aufgefordert. sich, ihre Familie und ihre Arbeitswelt im Theater darzustellen. Über das Ergebnis, das Stück "Die Anpassung oder Die BRD in drei Bildern", das jetzt auch auf der Frankfurter Experimenta vorgestellt wird, informiert das Kulturmagazin. Außerdem wird der amerikanische Essayist ("Betrachtungen auf einem sinkenden Schiff") und Sexroman-Autor ("Myra Breckinridge") Gore Vidal porträtiert.
22.45 Uhr. ARD. Hanns Lilje (Farbe) Ein Film des NDR-Mitarbeiters Andreas Jacobsen über den 71 jährigen hannoverschen Landesbischof, der sich Ende Mai aus dem aktiven Kirchendienst zurückzieht.
22.50 Uhr. ZDF. Das Schweigen Ingmar Bergmans 1963 gedrehter Film, der vor sieben Jahren in der Bundesrepublik als "Verstoß gegen Scham, Geschmack, künstlerische Zucht" und als Attacke auf "die Würde der Frau" verunglimpft wurde, über 100 Strafanzeigen und eine Bundestagsanfrage provozierte, ist das Schlußstück einer Bergman-Trilogie, deren Teile "Wie in einem Spiegel" und "Licht im Winter" das ZDF in den letzten Wochen ausgestrahlt hat.
Mittwoch, 26. 5.
20.15 Uhr. ARD. Minderheiten (Farbe)
Überall in der Welt kämpfen ethnische Minoritäten, militante Separatisten und nationalistische Sektierer für Freiheit und Selbstbestimmung. Ralph Giordano hat für seinen zweiteiligen Report in sechs europäischen, afrikanischen und asiatischen Ländern nach Motiven für die atavistisch anmutenden Autonomie-Bestrebungen geforscht. Fortsetzung: 27. 5., 21.50 Uhr.
21.00 Uhr. ZDF. Offener Haß gegen Unbekannt
Reinhard Hauff hat sein Proteststück gegen den Strafvollzug nach der Rechtfertigungsschrift eines Gammler- Poeten und Gelegenheitsschauspielers gedreht. der wegen versuchten Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde (siehe Seite 177).
22.45 Uhr. ZDF. Verlassen die Kirchen die Filmselbstkontrolle? Über dieses Thema diskutieren die Filmbeauftragten der Evangelischen und der Katholischen Kirche, Gerd Albrecht und Wilhelm Schätzler. der FSK-Vorsitzende Ernst Krüger und Horst von Hartlieb als Vertreter der Filmwirtschaft. Leitung: Dieter Krusche.
Donnerstag, 27. 5.
20.15 Uhr. ARD. Ein Hauch von Nerz (Farbe)
Den amerikanischen Unterhaltungsfilm mit Doris Day und Cary Grant (1961) hat Delbert Mann nach dem bewährten Muster der Erfolgsfilme "Bettgeflüster" und "Ein Pyjama für zwei" gedreht. 20.15 Uhr. NDR, RB, SFB III. Die Mutter
Bertolt Brechts Drama nach dem Gorki-Roman wird in der vieldiskutierten Kollektiv-Inszenierung der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer gezeigt.
22.00 Uhr. ZDF. Journalisten fragen -- Politiker antworten
Die Parteivorsitzenden Willy Brandt, Kurt Georg Kiesinger, Franz Josef Strauß und Walter Scheel ziehen im Gespräch mit Günter Gaus, Armin Grünewald und Ulrich Frank-Planitz eine Zwischenbilanz nach 19 Monaten SPD/FDP-Regierung. Leitung: Reinhard Appel.
Freitag, 28. 5.
20.15 Uhr. ARD. Ein Schuldiger wird nicht gesucht
In seinem Bericht über die Reform des Scheidungsrechts informiert Eberhard Leube über die wichtigsten Unterschiede zwischen dem alten Gesetz und dem Reformentwurf und läßt Befürworter und Kritiker zu Wort kommen.
21.45 Uhr. SR, SDR, SWF III. Trau keinem unter 20!
61 Prozent der westdeutschen Jugendlichen zwischen 15 und 19 glauben, daß der Nationalsozialismus "auch seine guten Seiten hatte", und mehr als ein Drittel lehnt jeglichen Kontakt zur DDR ab. Ein Großteil der jungen Deutschen, so weist Fernsehreporter Wolf Lindner in der Reportage nach, denkt "konservativ bis faschistoid" (siehe Seite 177).
22.40 Uhr. ZDF. Die Zeitmaschine (Farbe)
Der Science-fiction-Film (1959) des Amerikaners George Pal basiert auf dem 1895 veröffentlichten philosophisch-utopischen Roman von H. G. Wells. Der sozialistisch engagierte Schriftsteller und Essayist beschreibt darin die Geschichte eines Forschers aus dem 19. Jahrhundert, der mit einer selbstkonstruierten Flugmaschine ins Jahr 802 701 reist und dort auf eine Gesellschaftsordnung trifft, in der die Menschheit von tierähnlichen Geschöpfen tyrannisiert wird
Samstag, 29. 5.
20.15 Uhr. NDR, RB, SFB III. Ein Fest für Boris (Farbe)
Das makabre Bühnenstück (1970) des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard wird in einer Aufzeichnung aus dem Hamburger Schauspielhaus gezeigt. Inszenierung: Claus Peymann. 22.10 Uhr. ARD. Der häßliche Amerikaner (Farbe)
Den Spielfilm hat US-Regisseur George Englund 1962 mit Marlon Brando in der Hauptrolle nach dem gleichnamigen Roman von William J. Lederer und Eugene Burdick gedreht. In dem 1958 erschienenen Bestseller hatten die US-Autoren die Engstirnigkeit und Unfähigkeit amerikanischer Diplomaten in Südostasien attackiert.
Sonntag, 30. 5.
16.15 Uhr. ARD. Eine neue Generation: Theaterautoren, Regisseure, Schauspieler (Farbe)
Der Hamburger TV-Autor Thomas Ayck unterhält sich in der Dokumentation mit den Regisseuren Hans Neuenfels, Claus Peymann und Peter Stein sowie mit den Autoren Wolfgang Bauer, Heinrich Henkel und Martin Sperr über neue Produktionsweisen des Theaters. 21.05 Uhr. WDR III. Senso (Farbe) Luchino Viscontis pompös ausgestatteter Spielfilm (1954) über die Romanze zwischen einer italienischen Contessa und einem habsburgischen Leutnant um 1866 in Venedig wird in der Bundesrepublik erstmals in der Originallänge -- fast zwei Stunden -- mit deutschen Untertiteln gezeigt.
22.10 Uhr. ZDF. Herr auf Schloß Brassac
Französischer Spielfilm (1965) mit Jean Gabin, Michèle Mercier und Robert Hossein. Regie: Denys de la Patellière.
Montag, 31. 5.
14.40 Uhr. ZDF. Lilien auf dem Felde In dem Kinofilm (1963) des Amerikaners Ralph Nelson ("Das Wiegenlied vom Totschlag") spielt Sidney Poitier einen ehemaligen GI, der im amerikanischen Südwesten fünf Nonnen beim Aufbau einer Kirche hilft.
19.55 Uhr. ZDF. Bücher, Bücher, Bücher (Farbe)
ZDF-Redakteur Otto Wilfert stellt politische Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt vor.
20.15 Uhr. ARD. Davor (Farbe) Das Stück über den Schüler Scherbaum, der am Berliner Kurfürstendamm seinen Dackel Max anzünden will, damit den "Topfhüten" auf der Kempinsk-Terrasse "der Kuchen aus dem Gesicht fällt" und sie begreifen, wie Napalm wirkt, brachte dem Autor Günter Graß 1969 bei der Berliner Uraufführung nur bescheidenen Erfolg. Das zwei Stunden lange "dünne Bühnenwerk", in dem Kritiker "dialogische Peinlichkeiten" und "penetrante Symbole" entdeckten, hat Peter Schulze-Rohr für den BR als anderthalbstündiges Fernsehspiel eingerichtet.
21.50 Uhr. ARD. Frieden -- nicht um jeden Preis (Farbe)
Mit Bildern aus Israels geheimen Produktionsstätten für Waffen, Panzer und Flugzeuge demonstriert Edmund Gruber "die Bereitschaft der Israelis. den Kampf mit den Arabern erneut aufzunehmen, diesmal zur Arrondierung des jüdischen Staates".
21.55 Uhr. ZDF. Gleiche Rechte -- gleiche Chancen?
Die Journalistinnen Gisela Helwig und Ilse Spittmann vergleichen in der Sendung die Situation der Frau in der DDR und in der Bundesrepublik auf den Ge bieten Familie, Beruf und Politik.

DER SPIEGEL 22/1971
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