28.11.2005

KLÜGER WERDEN MITTim van Beveren

Der 44-jährige Autor und Privatpilot über die Sicherheitsrisiken beim Fliegen
SPIEGEL: In Ihrem Buch "Das Risiko fliegt mit" beschreiben Sie die Sicherheitslücken im internationalen Flugverkehr. Wie gefährlich ist Fliegen heute?
Van Beveren: Unfälle passieren in Zyklen. Erst gibt es eine Reihe von Abstürzen, darauf vergeht vielen Leuten die Lust am Fliegen. Mitarbeiter der Kontrollbehörden, Flughäfen und Airlines arbeiten dann sorgfältiger. Nur: Die Anzahl der Unfälle und Abstürze innerhalb dieser Zyklen ist in den letzten Jahren angestiegen. 1995 zum Beispiel gab es statistisch gesehen alle zwei Wochen einen Absturz. 2001 war auch ein schlimmes Jahr, ebenso der vergangene Sommer. Allein zwischen Juli und September gab es weltweit acht Abstürze.
SPIEGEL: Wie kommt es dazu?
Van Beveren: Meistens handelt es sich um eine Verkettung. Während des Flugs treten technische Probleme auf, zum Beispiel weil die Maschine nicht gründlich gewartet wurde. Dann trifft der Pilot eine falsche Entscheidung, weil er zu viele Stunden gearbeitet hat. Die Airlines stehen in einem harten Konkurrenzkampf. Viele sparen letztlich am Personal und auch an der Sicherheit.
SPIEGEL: Und die Billig-Airlines tun ein Übriges, um diesen Preiskampf zu verstärken?
Van Beveren: Ja, die Angebote dieser Fluggesellschaften suggerieren dem Verbraucher, dass die Kosten gesunken seien. Das Gegenteil ist der Fall, die Ölpreise sind gestiegen, dafür wird eben bei den einzuhaltenden Standards gespart. Nehmen Sie das Beispiel USA: Dort haben sich die Airlines mit diesen Strategien gegenseitig kaputtgemacht.
SPIEGEL: Sind die Verbraucher selbst schuld?
Van Beveren: Man kann ihnen nicht vorwerfen, günstige Flugtickets zu ersteigern. Ich sehe vielmehr den Staat und die Airlines in der Pflicht: Wir brauchen dringend strengere Kontrollen.
SPIEGEL: Fliegen Sie noch gern?
Van Beveren: Ja. Aber am liebsten fliege ich selbst, dann habe ich die Kontrolle und die Verantwortung.

DER SPIEGEL 48/2005
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KLÜGER WERDEN MIT:
Tim van Beveren

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