22.02.1971

Datum: 22. Februar 1971 Betr.: Horkheimer, Braun

Drei der sieben Jury-Mitglieder, die in diesem Jahr den Lessing-Preis der Hansestadt Hamburg verteilten, gehören zum SPIEGEL: Rolf Becker, in der Redaktion für Literatur zuständig, Joachim Fest (SPIEGEL-Essay) und Fritz J. Raddatz (SPIEGEL-Institut). Folgerichtig daher, dass der SPIEGEL dem Preisträger Professor Dr. Max Horkheimer, dem Mitbegründer der als "Frankfurter Schule" global installierten kritischen Theorie, am Tag der Preisverleihung sein Haus zur Verfügung stellte. Beim Empfang begründete Horkheimer ebenso geduldig wie fest, auf welche Art seine im Ursprung marxistische Denkweise sich zu einer Philosophie entwickeln konnte, die einen geschärften Blick auch fürs Transzendentale, ja Theologische gewonnen habe. Mit anderen Worten: Horkheimer argumentierte, mit Anspielung auf den Hamburger Dramaturgen Lessing, für eine Vernunft, die nicht bei der Datenverarbeitung, und für eine Toleranz, die nicht in Gleichgültigkeit einfrieren sollte.
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Das SPIEGEL-Gespräch mit dem Raketenfachmann Wernher von Braun (7/1971) hat vor allem in den Vereinigten Staaten kräftige Nachfrage provoziert. Nachdem ein findiger Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Associated Press einige Kernsätze an seine Zentrale gegeben hatte, hat nun der New York Times News Service, zweifellos einer der zuverlässigsten Nachrichtendienste der Welt, eine englische Fassung des Gesprächs hergestellt. Für das Gespräch, während des Count-down für Apollo 14 (mit Johannes K. Engel, einem der beiden SPIEGEL-Chefredakteure, und SPIEGEL-Reporter Hermann Schreiber) im Sperrgürtel neben
der startbereiten Rakete geführt, hatte sich Braun von der Tribüne beurlaubt, wo Vize-Präsident Agnew und einige für die Finanzierung weiterer Programme wichtige Senatoren auf ihn warteten. Beendet war das Gespräch nach anderthalb Stunden, als Brauns zehnjähriger Sohn Peter ins Zimmer kam und sagte, er habe Hunger.

DER SPIEGEL 9/1971
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Datum: 22. Februar 1971 Betr.: Horkheimer, Braun