22.02.1971

Erdöl„ICH WEISS, WIR WERDEN BETROGEN“

Gemeinsam mit anderen Staaten des Persischen Gottes preßte der Iran den Mineraiölgesellschaften eine rund 42prozentige Preiserhöhung für Rohöl ab. Anschließend klagte der -- in der Organisation der ölexportierenden Länder noch als gemäßigt geltende -- Schah die Ölkonzerne an.
FRAGE: Majestät, wie rechtfertigen Sie die jüngsten Preiserhöhungen?
ANTWORT: Ich würde lieber tausendmal sterben als tatenlos zusehen, wie ich betrogen werde. Ich weiß, wir werden betrogen. Alle ölfördernden Länder wissen, daß sie betrogen werden, sonst hätten sie nicht eine gemeinsame Front gebildet. Wenn die Verantwortlichen in diesen Förderländern nicht etwas unternehmen, werden es die Massen tun.
FRAGE: Welche Rolle spielt in Ihren Überlegungen das große Problem der westlichen Welt, die Inflation?
ANTWORT: Eine sehr große. Wir haben, gemessen an den Preissteigerungen in den Industrieländern, immer weniger Geld für unser Öl bekommen. Das 01 reicht auch nicht ewig -- 20 Jahre, 30 Jahre, 50 Jahre, dann Ist Schluß. In einigen Ländern ist das Erdöl außerdem die einzige Einnahmequelle. Auch für den Iran ist es die Hauptgeldquelle. Mit dem Geld, das
© BBC, London.
wir für unser Öl bekommen, entwickeln wir unser Land, bauen wir einen Staudamm, fördern wir die Landwirtschaft, die Industrie und alles Übrige. Wenn Sie aber glauben, daß billiges Öl es den Industriestaaten ermöglicht hätte, uns ihre Industriegüter billig zu liefern, so irren Sie sich. Von 1957 bis 1971 haben wir das Öl zu sinkenden Preisen verkauft, während die Industriestaaten ihre Preise laufend erhöht haben. Das ist ungerecht.
FRAGE: Könnten die Förderländer dazu übergehen, nicht mehr wie bisher soviel Öl wie möglich zum bestmöglichen Preis zu fördern, sondern Förderquoten und Liefermengen festzulegen?
ANTWORT: Vielleicht. Ich könnte ebensoviel Geld mit dem hundertsten Teil unserer heutigen Ölexporte verdienen, wenn ich nur das übrige Zeug ganz bei uns verarbeiten würde. Ich weiß nicht, wie viele Millionen Aspirin-Tabletten ich zum Beispiel damit fabrizieren könnte. Ich hoffe, Sie haben gar nicht soviel Kopfweh, um soviel Aspirin zu schlucken.
FRAGE: Welche Reform der Ölindustrie wünschen Sie sich -- zum gegenseitigen Vorteil Ihres Volkes und des Verbrauchers?
ANTWORT: Wir müßten allmählich darauf lossteuern, die Mittelsmänner zwischen Produzenten und Verbrauchern soweit wie möglich auszuschalten. Wir bekommen einen Dollar für ein Barrel* Öl. Ihr Verbraucher zahlt 12 Dollar, mit den neuesten Preiserhöhungen rund 14 Dollar. Die Regierungen der Industriestaaten kassieren 5 von diesen 14 Dollar in Form von Steuern. Das ist deren Sache. Aber wenn Sie diese 5 Dollar von den 14 Dollar abziehen, bleiben immer noch 9 Dollar. Wir bekommen einen Dollar, was wird aus dem Rest, den 8 Dollar? Wenn wir die Mittelsmänner ausschalten, werden wir mehr bekommen und Sie weniger zahlen.
* Ein Barrel = 158,8 Liter.

DER SPIEGEL 9/1971
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