22.02.1971

NORWEGEN / QUELLWASSER-EXPORTGeld vor der Tür

Klares Wasser zu Vollmilchpreisen verkauft der Norweger Thomas Stang, 73. Er hat bereits einige Zehntausend Liter "Norwater" -- natürliches Quellwasser ohne besondere Heilkräfte aus Fossing bei Kragere in Norwegen -- zu Geld gemacht.
Das Füllgut kostet den Wassermann keinen Øre. Es sprudelt vor der Haustür seines Sommersitz-Bauernhofs Ølstre Fossing am Oslofjord aus einem Quell am Fuß eines Felsens.
Dort kam dem ehemaligen Gutsbesitzer schon vor Jahren die Idee, der desinfizierten Brühe Konkurrenz zu machen, die aus so vielen städtischen Wasserleitungen fließt. Aber er scheute die Unkosten des Zweiwegflaschen-Systems. Letzten Herbst entschied er sich deshalb für Papp-Packungen.
Beim Norwegischen Wasserforschungs-Institut beschaffte er seiner Quelle das Gütesiegel. Von Norwegens Exportrat ließ er die Marktchancen erkunden: Viele Hotels und Restaurants möchten ihre Mixgetränke mit Norwater aufnorden.
Mit drei Landsleuten und 100 000 Mark Kapital gründete Stang die "Norwegische Wasserquellen AG". Die ersten Zwei-Liter-Kartons (Abgabepreis: 90 Pfennig, Ladenpreis: 1,30 Mark) wurden in Norwegen verkauft, aber zugleich als Werbung nach Schweden, Dänemark und Belgien geschickt. Eine Schweizer Hotel-Kette bestellte 250 Liter Probierwasser.
Schon kann der Handabfüll-Betrieb mit den Aufträgen nicht Schritt halten. Nächsten Monat wird eine vollautomatische Abfüllanlage installiert. Und da die Quelle nur 3000 Liter pro Stunde leistet, bat sich die Wasser-AG im Lande vorsorglich Reservequellen gesichert.
Durch eine Norwater-Reportage des schwedischen Fernsehens wurden vor allem die Schweden quellwassersüchtig, zum Beispiel zehn Städte mit über einer Million Bürger rund um den Väner-See (Südwestschweden). Aus ihren Leitungen fließt nur Seewasser, das durch Ufer-Industrien stark verschmutzt und mithin kräftig gechlort ist. Die Schweden bestellten bei Stang & Co. vorerst zwei Millionen Liter.
Bei anhaltendem Geschäft können die Norwater-Aktionäre bald Millionäre sein. Stangs Ur-Quell am Oslofjord allein produziert 25 Millionen Liter pro anno. Falls ein solcher Jahrgang verkauft wird, bringt er -- brutto -- über elf Millionen Mark ein.

DER SPIEGEL 9/1971
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