22.02.1971

BERUFLICHESKARL HOLZAMER

KARL HOLZAMER, 64, (seit März 1962) Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens, wurde vergangenen Mittwoch in Mainz für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Von 62 anwesenden Fernsehratsmitgliedern votierten in geheimer Wahl· 56 für Holzamer, stimmten zwei mit "Nein" und "Holzamer nein", gaben drei weiße Zettel ab und entschied sich einer für den Konstanzer Politologen Waldemar Besson (der gar nicht kandidiert hatte). Auf dieser "sehr soliden und großartigen Grundlage". will Holzamer, Professor für Philosophie, Psychologie und Pädagogik, dem ZDF in seiner dritten Amtsperiode ein "Führungssystem modernen Typs" verordnen, ein neues Sendezentrum (Kosten: 250 Millionen Mark) auf dem Lerchenberg bei Mainz vollenden und eine "plurale Programmkonzeption" entwickeln. Die Bildschirm-Welt des CDU-Katholiken ("Ritter des Gregoriusordens mit Stern" und "Ritter vom Heiligen Grabe zu Jerusalem") aber bleibt wie sie ist: Auch künftig werde für ihn als "Vater, Großvater und Pädagoge" die "Familie immer Empfangspunkt des Fernsehens sein" und darum wolle er dafür sorgen, daß es "blutrünstige Filme für Kinder in der Nachmittagszeit möglichst überhaupt nicht" gibt.
ERICH MENDE, 54, ehemals FDP-, derzeit CDU-MdB, wirbt erfolgreich für seine neue Partei. Im CDU-Kreisverband Kassel-Land, dem Mende seit seinem Beitritt zum christdemokratischen Ortsverband Heiligenrode im November 1970 angehört, "baten" -- so Kreisverbands-Vorsitzender Ernst Platner -- "schon über 100 Personen um Aufnahme, deren Interesse zum größten Teil auf Mende zurückzuführen ist". Der frühere Wertpapier-Kaufmann -- der seit letztem Herbst für eine Beratertätigkeit bei der Versicherungsgruppe "Deutscher Herold" ein "bescheidenes Honorar" (Rainer Zimmermann, Direktor der Herold-Tochter "Bonnfinanz") erhält, weil er schon 1969 als Deutschland-Manager der IOS eine (unbezahlte) Herold-Beiratsfunktion übernommen hatte -- "macht sich durch seinen unermüdlichen Einsatz verdient" (Platner). Lobte der Kreisverbands-Vorsitzende außerdem:" Selbst die jusos diskutieren vornehm mit ihm."
WALTER HENKELS, 65, Bonner ("FAZ"-) Hofchronist und Jäger, schreibt ein Buch über sein Steckenpferd. Anfang Februar überreichte der Schriftsteller ("111 Bonner Köpfe") dem Econ-Verlagschef Erwin Barth von Wehrenalp in Düsseldorf erste Manuskriptteile seines Waid-Werks (Titel: "Jagd ist Jagd und Schnaps ist Schnaps"). Zum Abschluß des Gesprächs begehrte der Verleger, der bereits sechs von Henkels produzierte Bücher herausgebracht hatte, zu erfahren: "Sagen Sie, schreibt sich's mit J oder Y?" Henkels erklärte die Ahnungslosigkeit des Verlegers später so: "Was Henkels abliefert, wird gedruckt."

DER SPIEGEL 9/1971
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