08.03.1971

BERUFLICHESROBERT BOSCH jr.

ROBERT BOSCH jr., 43, Sohn des Konzernbauers Robert Bosch des Älteren und (seit 1954) Geschäftsführer in der Stuttgarter Robert Bosch GmbH, will in Zürich Sozialpsychiatrie studieren und sein Geld künftig "für gemeinnützige Zwecke ausgeben", weil das besser sei, "als Geld zu verdienen, das man schon hat". Gemeinsam mit seiner Schwester Eva Madelung plant Bosch die Gründung einer Stiftung, die aus privaten Mitteln der beiden mit einem Vermögen von 50 Millionen Mark ausgestattet werden soll. Zweck: die Rehabilitierung körperlich und geistig behinderter Menschen, die Suche nach neuen Formen der Schul- und die Förderung der Berufs-Ausbildung. Seine Studienpläne begründete der Industrielle, der in den Aufsichtsrat der Robert Bosch GmbH überwechselt, mit der Mutmaßung, die Stiftung könne ihren Zweck nur dann erfüllen, wenn er sich selbst intensiv darum kümmere. Urteilte Bosch-Ehefrau Irmgard: "Die Schwaben werden eben erst mit vierzig gescheit."
ORAN K. HENDERSON, 50, Kommandeur der 11. US-Infanterie-Brigade während des Massakers von My Lai 4 am 16. März 1968, muß sich nun doch vor einem "General Court-Martial" (etwa: Militär-Schwurgericht) der Vereinigten Staaten verantworten. Der Colonel war wiederholt -- zuerst von seinem Divisionskommandeur, zuletzt von einem Staatssekretär im Pentagon -- beauftragt worden, zu ermitteln, ob die zur 11. Infanterie-Brigade gehörende "Charlie Company" (unter Captain Medina und mit dem Zugführer First Lieutenant Calley) unbewaffnete, südvietnamesische Zivilisten ermordet habe. Henderson kam immer wieder zu dem gleichen Ergebnis: Es seien höchstens 20 Zivilisten von vorbereitendem Artilleriefeuer und Kreuzfeuer zwischen US-Einheiten getötet worden. Heute weiß man von mindestens 400. Außerdem behauptet Henderson weiterhin, mindestens 40 Angehörige von "Charlie Company" befragt zu haben, obwohl diese von einer solchen Befragung nichts wissen. Sergeant Cowen beispielsweise erinnerte sich lediglich, es sei irgendein Colonel gekommen und habe im Vorübergehen gefragt, ob während des Einsatzes in My Lai 4 etwas "Ungewöhnliches" vorgefallen sei, und er habe darauf mit "No comment" geantwortet.
DAN GEORGE, 71 (r.), Ehrenhäuptling der Squamisch- und Suschwap-Indianerstämme in Kanadas Provinz British Columbia, ging zum Film, "weil die (Rassen-)Integration mein größtes Ziel ist". Der ehemalige Hafenarbeiter, der als Anwärter auf den "Oscar" für die beste Nebenrolle in dem US-Wildwest-Streifen "Little Big Man" gilt, war durch seinen Sohn Robert ins Geschäft gekommen. George jr. hatte der Fernsehgesellschaft CBS für den Part eines Indianer-Chiefs in der TV-Serie "Caribou Country" einen "echten Häuptling" angedient -- und auf die Frage, wo man solch einen Mann schnell engagieren könne, erklärt: "Ich habe zufällig einen zu Hause." Dan George, inzwischen zu Ruhm und Geld gekommen, sieht in seiner Filmarbeit eine Mission: "Ich will vor allem Ausbildung für meine Leute. Es muß zur Gleichheit kommen." Eine ähnliche Indianer-Kampagne -- ebenfalls in Hollywood -- startete die Apachin SANDY EGO, 21. Die Schauspielerin, die in TV-Serien Rollen spielte, wie "die Weißen sich die Indianer vorstellen", forderte, Angehörige ihres Volks künftig gerechter darzustellen. Sandy Egos Wunsch: Rollen, die beweisen, daß "ein Indianer denken kann".

DER SPIEGEL 11/1971
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BERUFLICHES:
ROBERT BOSCH jr.

  • Der brustschwimmende Weißkopfseeadler: Warum fliegt er nicht?
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