05.12.2005

GESTORBENFranz Schönhuber

Franz Schönhuber , 82. Der frühere Journalist war eine untypische Erscheinung in der Szene deutscher Rechtsradikaler. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den er mit 19 Jahren als Soldat der Waffen-SS geriet, war der Sohn eines Metzgers und NSDAP-Parteigenossen jahrelang für eher linksliberale Ansichten bekannt, bevor er sich dem CSU-Umfeld zuwandte. Sein Weg nach Rechtsaußen begann 1982, als ihn der Bayerische Rundfunk wegen seiner trotzigen Kriegsmemoiren "Ich war dabei" entließ. Ein Jahr später gründete er die Republikaner, die dank seiner Rhetorik regional zur erfolgreichsten Rechtspartei der Nachkriegszeit avancierten. 1995 verließ er die Reps nach heftigen Querelen und bemühte sich als Parteiloser um ein Bundestagsmandat erst für die ultrarechte DVU, zuletzt für die NPD. Mental blieb die rechte Klientel dem polyglotten Egomanen eher fremd. Kaum bekannt war den Kameraden Schönhubers Zuneigung zu Russland, das er noch im hohen Alter besuchte, und etwa sein Respekt für den russischen Nationalbolschewisten Karl Radek. Der beschrieb, im Geburtsjahr Schönhubers, den Freikorps-Kämpfer Albert Leo Schlageter als "Wanderer ins Nichts". Franz Schönhuber starb am 27. November in Rottach-Egern an einer Lungenembolie.

DER SPIEGEL 49/2005
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