07.12.1970

„DREI KÖPFE ROLLTEN AUF MEIN BETT“

„Leichen, ich will mehr Leichen“, forderte General William Westmoreland, von 1964 bis 1968 Amerikas Oberbefehlshaber in Vietnam, von seinen Soldaten. Das behauptete am vorigen Dienstag der ehemalige US-Oberleutnant Larry Rottmann -- in einem Hearing aus Anlaß des Prozesses gegen Oberleutnant Calley, der des Mordes an 102 Vietnamesen in My Lai angeklagt ist. Für eine bestimmte Anzahl Leichen habe es oft einen Kasten Bier oder Sonderurlaub gegeben; deshalb hätten sich die Soldaten zuweilen um die Opfer geprügelt. My Lai, so behauptete Amerikas Regierung bislang, sei ein Einzelfall gewesen. In Wirklichkeit aber gab es zahllose My Lais in Vietnam, ebenso wie ihre asiatischen Verbündeten aus Südvietnam und Südkorea trieben amerikanische Soldaten vietnamesischen Zivilisten Bambussplitter unter die Fingernägel, schlossen ihren Gefangenen Stromkabel an Ohren und Hoden, vergewaltigten Krankenschwestern, mordeten Greise, Frauen und Kinder. Sie taten es nicht nur unter psychischem Druck an der Front, sie hatten es schon während ihrer Ausbildung in den USA gelernt. Was sie lernten, wie sie das Gelernte später beherzigten, gestanden ehemalige Vietnam-Kämpfer dem amerikanischen Rechtsanwalt Mark Lane. In Schweden, wohin viele von ihnen desertierten, aber auch in den USA, wo sie inzwischen wieder als ehrbare Bürger leben, sprachen 32 Ex-Soldaten auf Tonband, welche Greuel sie in Vietnam erlebten und an welchen sie selbst beteiligt waren. Lane, Autor auch einer vielbeachteten Untersuchung über die Fehler bei der Aufklärung des Mordes an John F. Kennedy, veröffentlichte seine „Gespräche mit Amerikanern“ als Buch, das in diesen Tagen im New Yorker Verlag Simon and Schuster erschien und aus dem der SPIEGEL einen Auszug druckt.
Chuck Onan aus Nebraska
FRAGE: Wurden Sie jemals für Verhöre feindlicher Gefangener ausgebildet?
ONAN: Ja.
FRAGE: Wo?
ONAN: Auf allen Stützpunkten. Aber im letzten Monat vor der Verschiffung nach Vietnam wurde der Unterricht verstärkt. In der Marines-Basis Beaufort (South Carolina) wurden wir auf das Überleben im Dschungel vorbereitet, Und man brachte uns bei, wie man Gefangene foltert.
FRAGE: Wer gab Ihnen diese Instruktionen?
ONAN: Meistens die Feldwebel, aber auch einige Offiziere, Leutnante und manchmal der Hauptmann.
FRAGE: Was brachte man Ihnen bei?
ONAN: Wie man Gefangene foltert ...
FRAGE: Zum Beispiel?
ONAN: Daß man jemandem die Schuhe auszieht und ihn auf die Fußsohlen schlägt. Im Vergleich mit anderen Methoden war das noch recht mild.
FRAGE: Welche anderen Methoden wurden gelehrt? Können Sie mir noch ein Beispiel nennen?
ONAN: Man sagte uns, wir sollten die Nachrichtengeräte benutzen. Wir sollten die Elektroden an den Genitalien befestigen.
FRAGE: Wurde Ihnen diese Technik demonstriert, oder wurde nur darüber gesprochen?
ONAN: Es waren Zeichnungen an der Wandtafel, aus denen genau hervorging, wie man die Elektroden an den Hoden eines Mannes oder an dem Körper einer Frau befestigen muß.
FRAGE: Hatte einer der Offiziere diese Zeichnungen an die Wandtafel gemalt?
ONAN: Nein. Es waren gedruckte Vorlagen, die an der Wandtafel befestigt waren
Copyright © by Mark Lane, Deutsche Rechte Linder AG, Zürich.
FRAGE: Was wurde Ihnen noch beigebracht?
ONAN: Wie man Fingernägel abreißt.
FRAGE: Welches Instrument wird dafür vorgeschrieben?
ONAN: Drahtzangen, wie sie die Rundfunkmechaniker benutzen.
FRAGE: Wer erklärte Ihnen diese Methode?
ONAN: Ein Feldwebel.
FRAGE: Welche Methoden wurden außerdem noch gelehrt?
ONAN: Verschiedene Dinge, die man mit Bambusstöcken machen kann.
FRAGE: Zum Beispiel?
ONAN: Sie unter die Fingernägel oder In die Ohren stecken.
FRAGE: Wurde Ihnen eine dieser Techniken auch einmal vorgeführt?
ONAN: Ja. Einmal schlugen sie einem Burschen auf die Fußsohlen; sie befahlen ihm, sich hinzulegen, und schlugen ihn mit einem Gewehr ...
FRAGE: Haben Sie auch besondere Anweisung erhalten, wie man Frauen verhört?
ONAN: Ja.
FRAGE: Was besagten sie?
ONAN: Sie waren ziemlich sadistisch. Ich möchte darüber nicht sprechen. Was bringt es schon, wenn man darüber spricht? Ich versuche zu vergessen, davon loszukommen.
FRAGE: Ich bemühe mich, über das, was Sie mir sagen, so umfassend wie möglich zu berichten. Sie haben gehört, daß Nixon gesagt hat, My Lai sei nur ein Einzelfall gewesen, die amerikanischen Soldaten seien großzügig und menschenfreundlich. Wenn nun Marines darauf trainiert werden, in Vietnam zu foltern, meinen Sie dann nicht, daß das bekannt werden sollte?
ONAN: Natürlich, wir werden zum Foltern ausgebildet, aber die Leute wollen nichts davon wissen, oder sie wollen es nicht glauben. Aber wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, daß es hilft, dann will ich erzählen.
FRAGE: Was hat man Ihnen für die Folterung weiblicher Gefangener beigebracht?
ONAN: Wir sollten sie ausziehen, ihre Beine spreizen und spitze Stöcke oder Bajonette in die Scheide stecken. Man sagte uns auch, wir könnten die Mädchen so viel vergewaltigen, wie wir wollten.
FRAGE: Was noch?
ONAN: Man zeigte uns, wie man Phosphorbomben ohne Detonation öffnen und dann den Phosphor an Körperpartien placieren kann, wo er wirklich Schmerzen verursacht.
FRAGE: Welche Stellen wurden empfohlen?
ONAN: Die Augen -- auch die Scheide.
FRAGE: Wurden auch andere Chemikalien empfohlen?
ONAN: Ja, Cäsium.
FRAGE: Wie verwenden Sie das? Ist es ein Pulver?
ONAN: Bis zur Detonation ist es ein Pulver. Man zeigte uns, wie man den Behälter öffnet und Cäsium als Gift verwendet. Die Gefangenen sollten es essen.
FRAGE: Brachte man Ihnen auch bei, wie Hubschrauber eingesetzt werden?
ONAN: Ja ... Sie machen sich einen Spaß daraus, zu erzählen, daß sie einmal in Vietnam die Arme und Beine eines Gefangenen an zwei verschiedenen Hubschraubern festbanden. Dann starteten sie und rissen ihn auseinander.
FRAGE: Wer hat Ihnen davon erzählt?
ONAN: Einer meiner Ausbilder, ein Feldwebel.
FRAGE: Hatte er das tatsächlich mit eigenen Augen gesehen?
ONAN: Er sagte, er habe es getan.
FRAGE: Wurden Sie für den Einsatz von Hubschraubern gründlich ausgebildet?
ONAN: Wir wurden von vielen Hubschrauber-Experten unterrichtet. Und man brachte uns eine ganze Reihe von Foltermethoden mit Hubschraubern bei. Da gibt es zum Beispiel außen am Hubschrauber ein Seil, das automatisch auf- und niedergelassen werden kann. Damit werden zum Beispiel Leute aus dem Wasser gezogen. Dafür ist es gedacht. Man zeigte uns nun, daß man einen Gefangenen an dieses Seil hängen und an seinem Hals noch ein kleines Seil für einen Notfall befestigen kann. Wenn man ihn hinunterläßt, dann sieht er, daß das Seil, um seinen Hals sich immer enger schließt -- bis es ihn umbringt. Das ist eine Möglichkeit, mit einem Hubschrauber Folterungen durchzuführen. Man kann auch Gefangene unten am Hubschrauber festbinden, sie dort baumeln lassen und dann über die Baumspitzen hinwegfliegen, dabei werden sie ganz schön zugerichtet ...
FRAGE: Wie lange dauerte Ihre Ausbildung im Verhören und Foltern?
ONAN: Mehr als sechs Monate, im Durchschnitt mindestens fünf Stunden pro Woche.
FRAGE: Das ist ja noch konzentrierter, als wenn Sie ein halbes Jahr lang an einem College in Ihrem Hauptfach studiert hätten. Die juristische Fakultät, an der ich studierte, bot im Strafrecht, meinem Hauptfach, nur zwei Vorlesungen an, das bedeutete also fünf Monate lang nur zwei Wochenstunden.
ONAN: Nun ja, wir wurden gründlich auf das Foltern vorbereitet. Und das war nur der offizielle Teil. In Wirklichkeit ging es weiter. Unsere Ausbilder, die Feldwebel, wohnten mit uns zusammen, wir aßen zusammen und schliefen in demselben Raum, und sie sprachen immer über ihre Erfahrungen in Vietnam.
FRAGE: Worüber sprachen sie?
ONAN: Töten und Foltern von Gefangenen, Vergewaltigung von Mädchen. Sie hatten auch Photos von den scheußlichen Dingen, die sie getan hatten.
FRAGE: Wie reagierten die Rekruten auf dieses Training?
ONAN: Positiv. Es gefiel ihnen. Die Mannes waren grundsätzlich Freiwillige. Sie freuten sich schon auf Vietnam, um alle diese neuen Fertigkeiten anzuwenden ...
Ed Treratola* aus New York
FRAGE: Wie sah Ihre Ausbildung aus?
TRERATOLA: ... Wir mußten herumlaufen und singen über das Umbringen von Gooks** und Vietcong-Soldaten. Wenn wir zum Essen gingen, mußten wir, bevor wir essen durften, dreimal aus Leibeskräften "kill" brüllen ...
FRAGE: Welches Lied mußten Sie singen?
TRERATOLA: Es war so ein Lied, das von selbst entsteht. Wir rannten herum und riefen: "VC, VC, kill, kill, kill. Gotta kill, gotta kill, 'cause it's fun, 'cause it's fun." (Vietcong, Vietcong, töten, töten, töten. Ich muß töten, ich muß töten, weil es Spaß macht, weil es Spaß macht.)
FRAGE: Weil es Spaß macht?
TRERATOLA: Ja, das mußten wir sagen.
FRAGE: Mußten Sie noch andere Dinge dieser Art sagen?
TRERATOLA: An der Wand hing ein Gebet, es hängt in allen Marines-Kasernen von Parris Island. Es ist ein Gebet um Krieg. Jeden Abend um neun mußten wir vor dem Zubettgehen dafür beten, daß es einen Krieg gibt ...
Das Gebet der Mannes
Ich wandle durch das Tal
im Schatten des Todes.
Doch ich fürchte nichts Böses
denn ich bin der größte,
bin der schlimmste Mother-Fucker im Tal.
Ich lege mich nieder zum Schlaf
und bete zu Gott, der Krieg möge andauern,
damit die Marines als Retter kommen können
und damit ich meinen verdammten Sold verdienen kann.
Gott segne die Vereinigten Staaten,
Gott segne die Schleifer,
Gott segne das Marinekorps.
Richard Dow aus Idaho
FRAGE: Haben Sie einen Einsatz miterlebt, bei dem unschuldige Personen getötet wurden?
DOW: Ja. Da war ein Dorf nördlich unserer Stellung. Wir erhielten Nach-
* Lane: "In einer Reihe von Fällen habe ich den Namen des befragten Soldaten durch ein Pseudonym ersetzt. Außerdem habe ich die Namen einiger Personen, von denen in den Interviews die Rede ist, geändert."
** Verächtlicher Ausdruck der GIs für die Vietnamesen.
richt, es befänden sich Vietcong-Soldaten in dem Gebiet, wir sollten in das Dorf gehen, um zu erkunden. Wir gingen hin und befragten den Dorfältesten. Der sympathisierte mit den Vietcong und befahl uns, das Dorf zu verlassen. Wir setzten uns ab, kamen aber mit Verstärkung wieder und machten das ganze Dorf dem Erdboden gleich.
FRAGE: Wie?
DOW: Napalm, Mörserangriffe, schwere Artillerie, Sturmangriffe, Panzerfahrzeuge -- ein Total-Angriff auf ein kleines Dorf.
FRAGE: Wie viele Menschen lebten dort vor dem Angriff?
DOW: Ungefähr 400.
FRAGE: Wie viele überlebten den Angriff?
DOW: Einer.
FRAGE: Wer wurde getötet?
DOW: Jeder. Frauen, Kinder, Büffel, Hühner, Ziegen, alles.
FRAGE: War das eine ungewöhnliche Aktion?
DOW: Nein. Wir hatten bereits ähnliche Aktionen mitgemacht, bei denen man uns befohlen hatte, ein Dorf vollständig niederzubrennen, aber nicht alles zu töten. Und es gibt weitere Fälle, in denen wir Leute getötet haben.
FRAGE: Wie hieß das Dorf?
DOW: Bau Tri.
FRAGE: Wo ist das -- wo war das?
DOW: Ungefähr 240 Kilometer nordöstlich von Saigon.
FRAGE: Haben Sie jemals den Befehl erhalten, keine Gefangenen zu machen?
DOW: Ja.
FRAGE: Von wem?
DOW: Von dem Leutnant, dem Zugführer.
FRAGE: Mehr als einmal?
DOW: Ja.
FRAGE: Und was geschah dann?
DOW: Wir machten keine Gefangenen.
FRAGE: Was heißt das?
DOW: Wir töteten jeden, den wir fingen.
FRAGE: Verwundete?
DOW: Auch Verwundete.
FRAGE: Verwundete wurden getötet?
DOW: Ja.
FRAGE: Wie wurden sie getötet?
DOW: Mit Revolvern, Gewehren, Maschinengewehren, Bajonetten.
FRAGE: Verwundete, die am Erdboden lagen?
DOW: Ja, die nicht mehr in der Lage waren, sich zu verteidigen. Sie waren aktionsunfähig. Sie konnten nicht mehr.
FRAGE: Haben Sie das selbst miterlebt?
DOW: Ich habe mitgemacht.
FRAGE: Warum?
DOW: Nach einer gewissen Zeit wird man zum Tier -- man tut das einfach instinktiv, man nimmt das alles nicht mehr wahr.
FRAGE: Wie viele Gefangene oder Verwundete haben Sie getötet? Können Sie das schätzen?
DOW: Ich würde sagen, vielleicht 250.
FRAGE: Sie persönlich?
DOW: Ja.
FRAGE: Und wie viele solcher Fälle haben Sie mit eigenen Augen gesehen, schätzungsweise?
DOW: Vielleicht 2000, 3000.
FRAGE: Verwundete, die getötet wurden?
DOW: O ja, Verwundete und Zivilisten, die ohne jeden Grund getötet wurden. Männer, Frauen, Kinder, alles.
FRAGE: Waren Sie Zeuge bei Verhören?
DOW: Ja, bei einigen mit Gefangenen, die ich selbst gemacht und mitgebracht hatte. Ich war Augenzeuge bei vielleicht 25 bis 35 Verhören.
FRAGE: Könnten Sie einige beschreiben?
DOW: Well, ich fing einen Jungen -- vielleicht 17 Jahre alt. Ich schoß ihn ins Bein. Er fiel zu Boden. Er war bewaffnet. Ich entwaffnete ihn, leistete Erste Hilfe, rief einen Hubschrauber herbei und brachte den Jungen zum Gefechtsstand unserer Kompanie. Er wurde medizinisch versorgt, und dann verhörten wir ihn.
FRAGE: Haben Sie das Verhör selbst miterlebt?
DOW: Ja, ich war dabei. Der vietnamesische Verhörspezialist begann. Der Junge hatte eine Oberschenkelverletzung, er war genäht worden und hatte Blutplasma erhalten. Während des Verhörs sah ich, wie der Vietnamese den Verband vom Bein des Jungen riß und mit dem Gewehrschaft gegen das Bein schlug, so daß es wieder blutete. Der Junge verlor eine Menge Blut. Man sagte ihm, der Verband werde wieder angelegt, falls er spreche. Der Junge schwieg. Daraufhin zog der Vietnamese sein Bajonett und riß die Wunde noch weiter auf. Aber das reichte nicht; sie machten weiter und töteten ihn.
FRAGE: Wie?
DOW: Durch Foltern.
FRAGE: Wie folterten sie ihn?
DOW: Sie schnitten ihm die Finger ab -- ein Glied nach dem anderen. Sie stachen ihn mit einem Messer, gerade so tief, daß er anfing zu bluten.
FRAGE: Wie lange dauerte das?
DOW: Ungefähr drei Stunden. Schließlich verlor der Junge das Bewußtsein. Sie konnten ihn nicht wieder wachkriegen. Der Vietnamese zog die Pistole und verpaßte Ihm einen Kopfschuß. Als er tot war, schnitten sie ihm den Hodensack ab -- sie kastrierten ihn -- und nähten ihn an seinen Mund. Dann stellten sie den Jungen mitten im Dorf aus, zur Warnung -- wer ihn anrührte, dem würde die gleiche Behandlung widerfahren. Niemand berührte ihn. Mit Frauen verfuhren sie in der gleichen Weise.
FRAGE: Haben Sie das auch miterlebt?
DOW: Ja. Wir waren auf ein Bier nach Saigon gegangen. Einer von unseren Jungen war in dem Zimmer über der Bar bei einer Prostituierten. Wir hörten ihn schreien. Das Mädchen hatte ihn mit einer Rasierklinge angegriffen. Wir holten einen Militärpolizisten, der ihn ins Krankenhaus brachte. Das Mädchen brachten wir zu der nächsten Militärunterkunft. Sie wurde angebunden und von der Scheide bis zur Kehle gespalten. Sie war auf der Stelle tot.
FRAGE: Haben Sie das gesehen?
DOW: Ja.
FRAGE: Haben Sie noch andere Mißhandlungen an Frauen gesehen?
DOW: Ich habe eine gefangene junge Vietnamesin gesehen. Man sagte, sie sympathisiere mit dem Vietcong. Sie wurde von den Koreanern gefangengenommen. Während des Verhörs wollte sie nicht sprechen. Sie zogen ihr alle Kleider aus und banden sie fest. Dann wurde sie von jedem Soldaten der Einheit vergewaltigt. Schließlich sagte sie, sie könne nicht mehr, sie würde sprechen. Dann nähten sie ihre Scheide mit gewöhnlichem Draht zu. Sie stießen ihr einen Messingstab durch den Kopf und hängten sie auf. Der Führer der Einheit, ein Leutnant, trennte mit einem langen Säbel ihren Kopf vom Körper, Ich habe auch gesehen, wie eine mit einem heißen Bajonett gefoltert wurde, das man ihr in die Scheide steckte.
FRAGE: Wer tat so etwas?
DOW: Wir.
FRAGE: Amerikanische Soldaten?
DOW: Ja.
FRAGE: Wie viele amerikanische Soldaten beteiligten sich daran?
DOW: Sieben.
FRAGE: Wer war des Mädchen?
DOW: Die Tochter eines vietnamesischen Dorfältesten -- er sympathisierte mit dem Vietcong. Wir zogen sie aus, banden sie fest und erhitzten ein Bajonett über einem Feuer. Wir zogen es ihr über die Brust und stießen es in die Scheide.
FRAGE: Starb sie?
DOW: Nicht sofort. Wir hatten einen Mann bei uns, der zog ein Lederschnürband aus seinem Stiefel. Er machte es naß, band es um ihren Hals und ließ sie in der Sonne hängen. Und Leder schrumpft, wenn es trocknet. So erstickte sie langsam ...
FRAGE: Haben Sie irgendwelche Ehrungen und Orden für Ihren Einsatz in Vietnam erhalten?
DOW: Den "Bronze Star" ..., die Auszeichnungsspange der Armee, die Medaille für Großmut von der vietnamesischen Regierung, eine lobende Erwähnung durch den Präsidenten, die meiner ganzen Einheit ausgesprochen wurde, mehrere vietnamesische Spangen, Kampfspangen und ein paar "Purple Hearts".
Jimmy Roberson aus Washington, D. C.
ROBERSON: Mitchell war ein großer Bursche, über 1,83, ein guter Soldat, ... aber er war völlig übergeschnappt. Er trug ein Beil bei sich, das er wie eine Rasierklinge geschärft hatte, und mit dem schlich er sich an die Leute heran, die durch den Busch kamen. Statt sie lebend zurückzubringen, schlug er ihnen die Köpfe ab, legte sie In eine Tasche und brachte sie mit. Er gehörte zur 1. Division. Wenn man dort eine bestimmte Anzahl Feinde tötete, gab es drei Tage Urlaub -- man mußte aber ihre Ohren mitbringen. Er brachte ihre Köpfe mit ...
FRAGE: Haben Sie ihn tatsächlich mit einer Tasche voller Köpfe gesehen?
ROBERSON: Ich war in meinem Zelt, im Lager. Er war gerade reingekommen. Er lachte immer so seltsam und sagte Dinge wie: "Ich habe mir wieder einen geschnappt. Ich habe mir wieder ein kleines Schlitzauge geschnappt." Er hatte eine Tasche aus Sackleinen, setzte sich neben mich auf mein Bett und öffnete die Tasche: Drei oder vier Köpfe rollten auf mein Bett -- sie waren am Hals abgetrennt. Ich begann zu schreien, aber er lachte, während er die Köpfe auf dem Bett sortierte ...
FRAGE: Haben Sie ... jemals gesehen, wie ein Dorf niedergebrannt wurde?
ROBERSON: Ja. Manchmal, vor allem wenn einige unserer Jungs verwundet oder getötet worden waren, sagten die Feldwebel: "Wir kümmern uns nicht darum, was ihr tut. Macht, was Ihr wollt, wir kümmern uns nicht darum. Ihr könnt die Frauen vergewaltigen oder tun, was ihr wollt."
FRAGE: Wurden die Frauen vergewaltigt?
ROBERSON: Manchmal, wenn wir auf Patrouille und lange Zeit ohne Frauen waren. Manche wurden dann richtig scharf, und wenn wir in ein Dorf kamen, wo es ein paar junge Mädchen gab, sagten wir: "Wir möchten ein paar Bienen sehen. Wir sind nett, aber wenn's nicht anders geht, können wir auch gemein sein." Sagte ein Dorfältester nein, traten wir ein paar Leute mit den Füßen zusammen und räumten ein bißchen auf. Dann sagte er: "Okay, Sie können jedes Mädchen haben, das Sie wollen." Dann nahmen wir uns ein paar Mädchen. Die waren gewöhnlich in den Hütten, und wir postierten draußen Wachen. Dann gingen ein paar Burschen rein und vernaschten die Mädchen. Ungefähr eine Gruppe oder zwei. Vielleicht 15 Mann. Die Mädchen waren 15, 16, 17 oder 18 Jahre alt. Wenn wir ein Mädchen sahen, das jung wirkte, sagten wir einfach: "Du jetzt! Sonst ..."
FRAGE: Wurden die Mädchen auch getötet?
ROBERSON: Da war ein Dorf, zu dem war uns der Zutritt verboten. Aber einer ging trotzdem hin, weil er einfach zu scharf war. Er kam nie wieder, später wurde er mit durchschnittener Kehle gefunden. Daraufhin statteten einige dem Dorf auf eigene Faust einen Besuch ab. Sie fanden die Kleine, von der sie annahmen, sie habe die Tat begangen. Sie töteten sie. Ein an: dermal nahmen sie eine Leuchtpistole, steckten sie in das Mädchen und feuerten. Das Mädchen wurde zerrissen. Es passierten so viele verrückte Dinge ... Ein paar Mann nahmen ein Mädchen gefangen, von dem sie annahmen, einer von Ihnen habe sich bei ihr eine Geschlechtskrankheit geholt. Um ihr eine Lektion zu erteilen, gossen sie ihr Terpentin In die Scheide ...
Alan Camden aus Indiana
FRAGE: Was haben Sie gesehen?
CAMDEN: Ich habe erlebt, wie Offiziere und Feldwebel den Soldaten befahlen, die Leichen des Feindes zu verstümmeln. Man sagte uns, wir sollten sie zerhacken.
FRAGE: Wie wurden die Leichen verstümmelt?
CAMDEN: Viele sammelten Ohren von Vietnamesen. Sie schnitten auch andere Körperteile ab und warfen damit in der Gegend rum. Sie stachen auch Augen aus. Ich sah, wie amerikanische Soldaten einen Vietnamesen zu Tode folterten. Sie schlugen ihn, traten Ihn, und dann stachen sie ihm die Augen aus. Dabei starb er.
FRAGE: Wie alt war er?
CAMDEN: Ungefähr 16 Jahre ...
FRAGE: Wer waren die Leute, die ihn folterten?
CAMDEN: Es waren Angehörige meines Zuges, meistens einfache Soldaten. Ein Leutnant war aber auch dabei. Er fing damit an ... In meiner Einheit war es so eine Art Modeerscheinung, die Ohren des Feindes in einem Glas aufzuheben. Man ging mit einem Messer zu dein toten Feind, schnitt die Ohren ab, legte sie in Alkoholbüchsen und hob sie in den Unterkünften auf. Wer die meisten Ohren hatte, wurde am höchsten geschätzt. In meiner Hütte waren 20 Soldaten, und von diesen 20 hatten 15 Gefäße, in denen sie Ohren aufbewahrten. Auch das Sammeln von Fingern ist sehr beliebt ...
Ed Treratola aus New York
TRERATOLA: In der Gegend von Quang Tri warfen wir Kisten mit Eisernen Rationen auf die alten Frauen auf der Straße. Das warf sie um. Wahrscheinlich wurden auch einige getötet. Falls man uns gefragt hätte --
aber das passierte nie --, hätten wir geantwortet: Wir verteilen gerade Lebensmittel. Für die kleinen Kinder hatten wir diese blauen Tabletten, mit denen man die Eisernen Rationen erhitzt. Sie sehen wie Süßigkeiten aus. Aber wenn man sie anzündet, dann brennen sie nicht etwa, sie werden nur furchtbar heiß. Wir haben sie angezündet und den kleinen Kindern zugeworfen. Wenn sie sie mit den Händen aufhoben, dann verbrannten sie sich daran die Hände.
FRAGE: Taten das viele?
TRERATOLA: Das taten wir alle, denn als wir aus (dem elf Wochen lang belagerten) Khe Sanh zurückkamen, waren so viele unserer Freunde tot. Es war eben so -- ich konnte die Vietnamesen nicht mehr ausstehen.
FRAGE: Sie sagen, Sie hätten Eiserne Rationen auf die Leute geworfen. Was heißt das? Das sind Dosen, oder?
TRERATOLA: Nein, wir warfen die ganze Kiste "runter.
FRAGE: Die ganze Kiste?
TRERATOLA: Ja ...
FRAGE: Und wenn Jemand getroffen wurde, dann ging er zu Boden?
TRERATOLA: Ja, sie waren schon so alt, daß wir sie damit töten konnten. Aber wir sausten mit Tempo 50 oder 70 durchs Dorf und hielten nie an, um zurückzugucken. Das klatschte nur so auf die Straße, und wir saßen da und lachten, denn wir durften ja die Eisernen Rationen den Vietnamesen zuwerfen, weil wir dort waren, um den Frieden herzustellen und den Leuten im Dorf zu helfen.
FRAGE: Wußten Ihre Offiziere davon?
TRERATOLA: Natürlich, alle Offiziere wußten, was los war. Leutnant Foster zum Beispiel erklärte uns: "Es hat überhaupt keinen Sinn, Gefangene zu machen. Das ist lächerlich, denn wir brauchen sie nicht. Und im übrigen machen Marines keine Gefangenen."
FRAGE: Er war in Ihrer Einheit?
TRERATOLA: Er war mein Leutnant.
FRAGE: Ihr Zugführer?
TRERATOLA: Ja, der Zugführer, das stimmt. Er bekam seine Befehle von Oberst Eimer Rogers ...
FRAGE: Haben Sie auch gesehen, wie Gefangene getötet wurden?
TRERATOLA: Ja, das kommt laufend vor. Wir haben einfach nicht die Zeit, Verwundete mitzunehmen, und wenn wir einen Hubschrauber anfordern, so gefährden wir das Leben des Piloten. Deshalb töten wir sie ...
FRAGE: Wie wurde das gemacht?
TRERATOLA: M-16. Man nimmt ein M-16, geht herum, guckt nach ihnen, sieht sich die Verwundeten an, und man erschießt sie. Nach einer gewissen Zeit ist es geradezu ein Spiel. Wir erschossen sie alle mit dem M-16, und dann stapelten wir die Leichen auf und nahmen eine Panzerfaust ... und dann -- rumms!
FRAGE: Sie feuerten auf die Leichen?
TRERATOLA: Ja, auf die Leichen. Es lösten sich dann eine oder zwei auf dem Stapel und flogen durch die Gegend...
FRAGE: Haben Sie auch Mißhandlungen von Frauen miterlebt?
TRERATOLA: Wenn wir mal auf einer langen Streife waren und lange Zeit kein Mädchen gesehen hatten, dann gingen vielleicht vier oder fünf von uns in ein Dorf und holten sich ein Mädchen und brachten es in den Dschungel.
FRAGE: Haben Sie das auch selbst gesehen?
TRERATOLA: O ja, oft.
FRAGE: Was geschah?
TRERATOLA: Nun, wir nahmen das Mädchen, und gewöhnlich hielten wir ihr den Mund zu. Zwei Mann gingen dann los und brachten sie in den Busch. Sie hielten ihr ein Gewehr an den Kopf und erklärten ihr, sie solle auf dem Boden liegenbleiben und nicht schreien, sonst würde sie sofort getötet. Und dann macht jeder mit ihr, was er gerade will -- egal, wieviel Leute gerade da sind. Wenn die Männer in guter Stimmung sind, lassen sie das Mädchen laufen. Wenn nicht, dann töten sie sie ...
FRAGE: Das war normalerweise so üblich?
TRERATOLA: Ja. Immer wenn es den Jungen danach war, manchmal jede Nacht. Und die Dorfbewohner beschwerten sich oft genug. Manchmal sagten die hohen Tiere: "Nun nehmt euch doch ein bißchen zusammen oder macht es wenigstens in größeren Zeitabständen." Aber es hat uns nie jemand davon abgehalten.
FRAGE: Es hat Ihnen niemand gesagt, Sie dürften das nicht tun?
TRERATOLA: Nein.
FRAGE: Und es befürchtete auch niemand, wegen Notzucht angezeigt oder bestraft zu werden?
TRERATOLA: Nein. Man sagte uns lediglich: "Take it easy, wenn ihr aber besonders nett sein wollt, seid etwas taktvoller." Einmal wurde eine französische Krankenschwester von einer ganzen Gruppe vergewaltigt.
FRAGE: Wer tat das? Wo und wann?
TRERATOLA: In Khe Sanh während der Belagerung, eigentlich schon gegen Ende der Belagerung. Es kursierten Gerüchte über sie. Leute von der Bravo-Kompanie waren am Vortag auf Streife gegangen und hatten Feindberührung gehabt. 30 Männer waren draußen, und 28 von ihnen bekamen den "Bronze-Star", der Hauptmann den "Silver Star".
FRAGE: Was taten sie?
TRERATOLA: Sie stießen auf die nordvietnamesischen Truppen, die sich außerhalb von Khe Sanh eingegraben hatten. Sie kämpften Mann gegen Mann und hatten das Glück, eine Krankenschwester gefangenzunehmen, keine Vietnamesin, eine Französin. Sie legte den "Gooks" Verbände an. Die Soldaten nahmen sie mit ...
FRAGE: Nach Khe Sanh?
TRERATOLA: Ja. Zunächst machten sich die Offiziere über sie her und vergewaltigten sie. Dann gaben sie die Krankenschwester an die Feldwebel weiter. Die vergewaltigten sie ebenfalls. Dann hatten die einfachen Soldaten ihr Vergnügen. Und schließlich wurde sie einfach beseitigt, denn sie wurde ja nicht mehr gebraucht.
FRAGE: Wie wurde sie getötet, wissen Sie das?
TRERATOLA: Ja. Durch Kopfschuß. Mit einem 45er Revolver.
Harry Plimpton aus Texas
FRAGE: Haben Sie miterlebt, wie Gefangene verhört wurden?
PLIMPTON: Ja.
FRAGE: Wie ging das vor sich?
PLIMPTON: Wir nahmen einmal fünf Mann in einem Hubschrauber mit. Wir begannen mit einem zu sprechen, er wollte nicht reden. Wir warfen ihn aus dem Hubschrauber.
FRAGE: Welchen Rang bekleideten Sie damals?
PLIMPTON: Ich war Feldwebel, ich war einer der Bewacher der Gefangenen.
FRAGE: Wer traf die Entscheidung, den Mann aus dem Hubschrauber zu werfen?
PLIMPTON: Der Nachrichtenoffizier, ein Leutnant.
FRAGE: Wurde nur einer hinausgeworfen?
PLIMPTON: Nein. Wir hatten fünf Gefangene, vier wurden aus dem Hubschrauber geworfen.
FRAGE: Was geschah mit dem fünften?
PLIMPTON: Der redete. Dann wurde er In ein Kriegsgefangenenlager geschickt.
FRAGE: In welcher Höhe flog der Hubschrauber, als die Männer hinausgeworfen wurden?
PLIMPTON: Ungefähr in 900 Meter Höhe.
FRAGE: Waren die fünf Männer Soldaten?
PLIMPTON: Es waren Vietcong.
FRAGE: Waren es Soldaten?
PLIMPTON: Es waren Partisanen.
FRAGE: Haben Sie auch andere Mißhandlungen von Gefangenen miterlebt?
PLIMPTON: Ein junges Mädchen wurde von den vietnamesischen Rangers gefoltert. Sie wurde sehr langsam gefoltert, es dauerte nahezu drei Tage, bis sie tot war.
FRAGE: Wie wurde sie gefoltert?
PLIMPTON: Sie zogen ihr die Kleider aus und steckten ihr hinten in der Knöchelgegend Haken in die Beine. Sie spreizten sie auseinander und hängten sie an einen Baum, wie ein Schwein, das geschlachtet werden soll ... Dann nahmen sie einen ungefähr einen Meter langen Bambusstock von der Dicke eines Handgelenks und stießen ihn in ihre Scheide. Dann stießen sie Bambussplitter durch ihre Brüste und in alle weichen Stellen des Körpers. In die Achselhöhlen, in den Bauch. Es dauerte drei Tage, bis sie tot war.
FRAGE: Waren Sie dabei?
PLIMPTON: Die Amerikaner mußten sich umdrehen. Wir durften nicht hinsehen, so daß wir sagen konnten, wir hätten es nicht gesehen. Aber wir haben die Frau tatsächlich gesehen und was mit ihr gemacht wurde ...
Mark Worrell aus Kalifornien
WORRELL: Eines Tages brachte eine Streife einen Gefangenen zurück. Er war verwundet. Sie warfen ihn au! den Boden, und die Soldaten standen um ihn herum. Der Feldwebel brüllte: "He, will jemand einen Gook töten?" Der Gefangene verstand kein Wort Englisch, er konnte nur die Worte "Geneva Convention" sagen. Er wiederholte sie immerzu. Er war noch sehr jung. Er könnte ein Vietcong gewesen sein. Sie begannen, auf ihn zu schießen. Zunächst schossen sie knapp daneben. Und dann trafen die ersten Kugeln seine Beine. Ungefähr 50 Marines standen herum, die sich jedesmal freuten, wenn ihn eine Kugel traf. Keiner wollte ihn endgültig fertigmachen, aber schließlich tat es doch jemand. Dem Toten wurden die Ohren abgeschnitten, seine Leiche wurde weggebracht und den Vietnamesen im Dorf zur Beerdigung gegeben. Die Männer trugen die Ohren an Bändern. In den Unterkünften hingen sie an der Decke. Sie waren sehr stolz auf die Zahl der Ohren, die sie auffädelten. Auch manche Offiziere besaßen Ohrensammlungen. Ein paar Leute waren zwar dagegen. Sie schossen mit während der Feuergefechte, aber sie versuchten niemals, jemanden zu treffen. Sie wußten jedoch: Falls sie gegen das Ohrensammeln protestierten, würde man ihnen bei nächster Gelegenheit während einer Streife in den Rücken schießen. So gab es also keine Beschwerden.
FRAGE: Wissen Sie etwas über Angriffe auf Dörfer, die nicht von der Artillerie durchgeführt wurden?
WORRELL: Ja, eine Einheit der Marines war oben im Norden im Einsatz, in der Gegend von Quang Tri. Sie fanden ein unterirdisches Militärlazarett. Sie fanden über 50 schwerverwundete Vietnamesen. Sie erschossen sie in ihren Betten. Jeder wurde getötet. Das war im Oktober 1967.
FRAGE: Haben Sie miterlebt, wie Gefangene verhört wurden?
WORRELL: Ich habe gesehen, wie verwundete Vietnamesen gefesselt und von einem Feldwebel und Soldaten geschlagen wurden. Ich habe die Wasserfolterung gesehen, wobei man den Mund des Gefangenen mit einer nassen Socke zustopft und Wasser durch die Nase gießt. Ich habe gesehen, wie ein Gefangener ausgezogen wurde, wie seine Hände hinter ihm zusammengebunden wurden und wie man ein Feldtelephon an ihm probierte. So ein Telephon hat zwei Drähte. Mit dem einen Draht wurde die Zunge des Gefangenen durchbohrt, der andere Draht wurde in seinen Penis gesteckt. Dann betätigten sie das Feldtelephon, und er schrie, und alle Herumstehenden jubelten. Sie stellten ihm eine Frage. Er sagte, er wisse nichts, und dann kurbelten sie immer schneller. Auch. ein Stabsfeldwebel der Mannes stellte Fragen. Es ging immer weiter. Seine Zunge blutete, er schrie, sein Penis schwoll auf die doppelte Größe an und blutete ebenfalls. Als ich protestierte, sprachen sie davon, wie ihre Kameraden getötet worden seien, und fragten mich: "Liebst du diesen Gook?"
Peter Norman Martinsen aus Kalifornien
MARTINSEN: Das Verhör findet in einem geschlossenen Zelt statt, damit die anderen nicht ständig hereinplatzen und stören. Es ist ganz einfach eine praktische Oberlegung. Wenn man also nicht den Kopf hineinsteckt, sieht man nicht, was vor sich geht. Aber man hört das Geräusch von Fäusten, die auf Fleisch schlagen. Dieser Gefangene gab immerhin zu, Hauptmann zu sein. Er gestand auch, daß er für dieses spezielle Gebiet als Militärhistoriker arbeitete. Er weigerte sich aber, mir irgend etwas zu sagen ..., und so wurden Oberfeldwebel Martin Pearce, der für diese Verhöre zuständige Unteroffizier, und Charles Crocker, ein anderer Vernehmungsoffizier, angesetzt ...
FRAGE: Welchen Rang bekleideten Sie damals?
MARTINSEN: Ich war Feldwebel. Oberfeldwebel Pearce stand einen Rang höher. Sie begannen also, ihn zu verhören. Ich ging essen. Als ich zurückkam, trieb Leutnant Crocker dem Mann Bambussplitter unter die Fingernägel.
FRAGE: Wo war der Mann?
MARTINSEN: Der Mann saß im Zelt, an einen Stuhl gebunden. Wir haben diese Metallklappstühle, sie gehören zu unserer Verhör-Ausrüstung. Er selbst war also an einen Stuhl gebunden, seine eine Hand an den Tisch -- mit einem Feldtelephondraht. Von diesem Draht haben wir ungeheure Mengen, er wird für alles mögliche gebraucht. Sie hatten seine Hand flach auf den Tisch gebunden und jagten ihm Bambussplitter unter die Fingernägel. Gleichzeitig ließ Oberfeldwebel Pearce die Ohren des Mannes mit Telephondrähten umwickeln und folterte ihn auf diese Weise ... Kurz darauf wurde Leutnant Crocker vom Kommandochef gerügt, daß er dem Gefangenen Bambussplitter unter die Fingernägel getrieben hatte, weil dadurch Wunden zurückblieben, die bluteten und offensichtlich anschwollen. Leutnant Crocker wurde nicht kritisiert, weil er dem Mann elektrische Telephondrähte an die Ohren gelegt hatte. Am nächsten Tag war er dabei, als ein 16jähriges Mädchen gefoltert wurde, dem ebenfalls elektrische Telephondrähte um die Ohren gewickelt wurden.
FRAGE: Haben Sie das selbst gesehen?
MARTINSEN: Ja, ich habe es gesehen. Es ist eine endlose Schinderei ... Man kann praktisch machen, was man will. Man darf nur keine Spuren hinterlassen. Und dann kann man natürlich immer behaupten, der Gefangene habe einen Fluchtversuch gemacht. Wir führten ungefähr 50 bis 60 formale Verhöre durch. In fast jedem wurde Gewalt angewendet, sogar bei Frauen.
FRAGE: 50 bis 60 Verhöre -- in welcher Zeit?
MARTINSEN: In etwa acht oder neun Tagen ...
Joseph Grant aus Illinois
FRAGE: Wie bringt man einen Gefangenen zum Sprechen?
GRANT: Sie machen es mit Bambussplittern oder binden Ihn fest und erhitzen einen Dong, eine Münze etwa in der Größe eines amerikanischen Fünf-Cent-Stücks, die ihm dann in die Fingerspitzen gedrückt wird.
FRAGE: Welche anderen Methoden haben Sie beobachtet?
GRANT: Sie fesseln den Gefangenen und biegen seinen Kopf auf die Füße und wieder zurück und bearbeiten ihn unentwegt mit dem Messer.
FRAGE: Sie schneiden den Gefangenen damit?
GRANT: Sie stechen ihn.
FRAGE: Tief?
GRANT: Ungefähr zweieinhalb Zentimeter.
FRAGE: Haben Sie noch andere Methoden beobachten können?
GRANT: Einmal sah ich einen Vietnamesen. Ich weiß nicht, ob er ver-
* SPIEGEL 49/1969.
dächtig war oder was mit ihm los war. Er war mit einer Kette gefesselt und hing aus einem Hubschrauber heraus.
FRAGE: Um welchen Körperteil war die Kette befestigt?
GRANT: Um seinen Fuß ...
FRAGE: Und wie hoch flog der Hubschrauber?
GRANT: 300 Meter.
FRAGE: Und wie tief hing der Mann von dem Hubschrauber herunter?
GRANT: Ich würde sagen, etwa drei oder vier Meter. Vom Boden wenigstens sah es so aus ...
FRAGE: Haben Sie je so etwas wie das Massaker von My Lai gesehen?
GRANT: Nicht in diesem Ausmaß. Ich habe ein kleineres in Vu Dop erlebt. Jeder, der wie ein Vietnamese aussah, wurde erschossen. Das 1. Kavallerie-Regiment stand auf der anderen Seite, etwa 15 Minuten von uns entfernt. Sie rückten in das Dorf ein. Wir blieben am Dorfrand.
FRAGE: Womit rückten sie ein? Mit welchen Waffen?
GRANT: Sie landeten mit Hubschraubern, ja, mit Hubschraubern.
FRAGE: Von welcher Seite kamen sie?
GRANT: Von Süden. Sie beschossen das Dorf von Süden her. Die Bewohner flohen dann nach Osten -- mit erhobenen Händen.
FRAGE: Sie liefen mit erhobenen Händen auf Sie zu?
GRANT: Ja
FRAGE: Wie viele rannten in Ihre Einheit hinein?
GRANT: Ungefähr 75.
FRAGE: Was waren das für Leute?
GRANT: Vietnamesische Zivilisten.
FRAGE: Und was geschah mit ihnen?
GRANT: Sie wurden erschossen, getötet.
FRAGE: Männer, Frauen und Kinder?
GRANT: Ja. Meistens Frauen; etwa 15 Männer und ungefähr 50 oder 70 Frauen.
FRAGE: Wann war das?
GRANT: Gerade vor Weihnachten (1967), wenn ich mich nicht irre.
FRAGE: Und was geschah mit dem Dorf?
GRANT: Es wurde niedergebrannt.
FRAGE: Womit?
GRANT: Mit Benzin, Feuerzeugen, mit allem möglichen, mit Streichhölzern.
FRAGE: Was geschah mit den Leichen?
GRANT: Sie hoben eine Grube aus und warfen die Leichen hinein. Dann schütteten sie Kalk in die Grube, für die Knochen, glaube ich. Anschließend übergossen sie das Ganze mit Benzin und verbrannten die Leichen.
FRAGE: Wie wurde eine solche Grube ausgehoben?
GRANT: Das 1. Pionierbataillon teilte mit uns den Stützpunkt. Sie wurden herbeigerufen. Sie brachten einen Bulldozer mit und hoben damit die Grube für die Leichen aus.
FRAGE: Wie konnten sie einen Bulldozer vom Lager aus durch den Dschungel befördern?
GRANT: Mit einem Hubschrauber, einem Chinook. Damit kann man Bulldozer befördern.
FRAGE: Und wer schickte den Bulldozer? Ich meine, wer gab die entsprechenden Befehle?
GRANT: Dafür war der amtierende Bataillonskommandeur oder ein höherer Offizier zuständig.
FRAGE: Der Bulldozer wurde also speziell eingeflogen, um die Grube auszuheben?
GRANT: Ja
FRAGE: In wie vielen Dörfern haben Sie ähnliches beobachtet?
GRANT: In zwei anderen ...
FRAGE: Wurde etwas getan, um die vietnamesischen Kinder vor dem Krieg zu bewahren?
GRANT: Das ist unmöglich. Sie gehören zum Krieg. In der ersten Woche, in der man im Lande ist, wird man geschult -- sieben Tage lang. Wir hatten acht oder neun Lehrer. Sie unterwiesen uns in allem. In diesem Unterricht wurde uns auch beigebracht, daß Kinder Sprengkörper oder Waffen bei sich versteckt haben könnten, daß sie versuchen könnten, uns nahe zu kommen und uns zu töten. Sie könnten wandelnde Sprengladungen sein.
FRAGE: Und was sollten Sie dagegen tun?
GRANT: Nun, nach Ende der Ausbildung war man gegen Kinder, die auf einen zukamen, ziemlich mißtrauisch. Wir sollten sie verscheuchen; kamen sie dennoch näher, sollten wir schießen. Mitunter haben die Männer sie ganz einfach niedergeknallt.
FRAGE: Haben Sie das selbst gesehen?
GRANT: Ja.
FRAGE: Mehr als einmal?
GRANT: Mindestens viermal.
FRAGE: Hatten diese vier Kinder Munition oder Waffen bei sich?
GRANT: Nein, diese vier nicht ...
FRAGE: Wurden Sie ehrenhaft aus der Armee entlassen?
GRANT: Ja.
FRAGE: Wurden Sie in den Jahren, in denen Sie dienten, je vor ein Kriegsgericht gestellt?
GRANT: Nein, nie. Ich habe ein tadelloses Führungszeugnis.
FRAGE: Erhielten Sie Orden oder schriftliche Anerkennungen?
GRANT: Ich bekam fünf Orden. Unsere Einheit erhielt sogar eine schriftliche Anerkennung vom Präsidenten.
Robert Gordon aus Kalifornien
FRAGE: Haben Sie je gesehen, wie weibliche Häftlinge verhört wurden?
GORDON: Einmal. Und dieses Verhör ist mir noch in recht guter Erinnerung. Damals schob ich Bunkerwache auf dem Stützpunkt Cu Chi in der Kriegszone C, dem Stützpunkt der 23. Infanterie-Division. Es ist, glaube ich, eines der größten Lager in Vietnam. Wir standen unmittelbar vor einer unserer Bunkerlinien. Sie verhörten eine Gruppe verdächtiger Vietnamesen. Das geschah im Freien. Sie waren von einem Kreis südvietnamesischer Soldaten umstellt. Einige Soldaten banden sie an einen Pfahl und schlugen ein wenig auf sie ein. Als sie dann eine Frau verhörten, rissen sie ihr die Bluse vom Leib ... Sie bildeten einen Kreis um sie und jagten sie von einer Seite zur anderen. Sie machte nicht gerade einen glücklichen Eindruck, sie hatte Angst. Mir wurde buchstäblich übel beim Anblick einer Art Gürtel, an dem Drähte befestigt waren. Er wurde um die Brüste der Frau geschnallt und wie ein Büstenhalter auf dem Rücken geschlossen. Der Gürtel war nicht gerade weit, aber er ging knapp herum -- über die Brustwarzen. An diesem Gürtel hatten sie einen Draht angeschlossen. Es schien sehr weh zu tun, als sie die Drähte an die Pole einer Autobatterie anschlossen.
FRAGE: Schrie sie?
GORDON: Ja. Nach einer Weile wurde sie ohnmächtig -- vor Schmerz, glaube ich. Als sie das Ding wieder abnahmen, war rund um Brust und Rücken ein geschlossener eingebrannter Streifen zu sehen. Er war vom Strom eingebrannt ... Dieses Verfahren wandten sie bei mehreren Frauen an. Einer Frau befahlen sie, die Hose auszuziehen. Sie stießen ihr einen Draht zwischen die Beine -- in die Scheide. Dann schlossen sie die Enden des Drahtes an die Batterie an. Die Frau hätte überhaupt nichts mehr sagen können, solche Schmerzen hatte sie. Ich glaube nicht, daß den Vernehmungsoffizieren wirklich daran gelegen war, etwas aus den Frauen herauszubekommen. Sie schienen mit ihnen Ihr Spiel zu treiben.
FRAGE: Wie viele Frauen wurden auf diese Weise gefoltert?
GORDON: Drei Frauen wurden mit diesem Gürtel über der Brust behandelt, eine bekam den Draht in die Scheide.
FRAGE: Haben sich daran auch amerikanische Soldaten beteiligt?
GORDON: Nein, in dem Fall nicht. Es waren ein paar unserer Feldwebel dabei, sie hatten aber direkt mit dem Verhör nichts zu tun. Sie sollten an der Bunkerlinie Wache schieben und machten von dort ein paar Vorschläge. Sie schienen Spaß daran zu haben. Sie lachten mit den südvietnamesischen Soldaten, die das Verhör durchführten. Es geschah draußen, im offenen Lager, nicht etwa in einem Gebäude oder dergleichen. Die meisten, die zusahen, waren südvietnamesische Soldaten.
Billy Conway aus Pennsylvania
FRAGE: Haben Sie je beobachtet, daß Gefangene oder feindliche Verwundete mißhandelt wurden?
CONWAY: Ende Oktober (1968), kurz bevor ich verwundet wurde, waren wir in Don Tang, einem Dorf, etwa 220 oder 230 Kilometer von der kambodschanischen Grenze entfernt. Meine Einheit wurde in einen Tunnel, etwa 30 Kilometer außerhalb dieses kleinen Dorfes geschickt. Wir waren neun Mann. Acht von uns wurden in den Tunnel geschickt. Dort fanden wir neun verwundete Soldaten der nordvietnamesischen Armee und drei Krankenschwestern. Die anderen sieben rissen die Gefangenen aus ihren Streckverbänden, holten die Gefangenen, die in Gipsverbänden lagen, aus ihren Betten und schleuderten sie in eine Ecke. Dann packten sie die drei Krankenschwestern, die etwa zwischen 18 und 26 waren. Sie fingen an, sie zu schlagen, und rissen Ihnen die Kleider vom Leibe. Wenn die Mädchen hinfielen, ergriffen sie sie an den Brüsten und zogen sie hoch, schlugen sie und warfen sie wieder hin. Zunächst nahmen sie sich ein Mädchen vor. Zwei Männer richteten ihre Waffen auf die beiden anderen Mädchen, so daß die sich nicht rühren konnten. Die anderen fünf nahmen das Mädchen und warfen es auf eine Matte. Zwei bogen Ihre Arme nach hinten, zwei spreizten Ihre Beine. Dann wurde sie von dem fünften vergewaltigt. Anschließend löste ihn ein anderer ab. Anschließend wiederholte sich das Ganze mit den anderen Mädchen. Jedes Mädchen wurde mehrfach vergewaltigt. Sie schrien und weinten die ganze Zeit. Als die Vergewaltigung dann zu Ende war, nahmen drei der Soldaten Leuchtbomben und stießen sie in die Scheiden der Mädchen, die schon bewußtlos waren. Man brauchte sie nicht mehr länger festzuhalten. Die Mädchen bluteten aus Mund, Nase, Gesicht und Scheide. Dann zündeten die Männer die Bomben, so daß sie in den Mädchen explodierten. Ihre Leiber blähten sich auf, dann platzten sie, und die Eingeweide quollen heraus.
FRAGE: Und was geschah dann?
CONWAY: Sie schickten eine andere Einheit in den Tunnel, um die gefangenen Männer herauszuholen. Die Leichen der Mädchen blieben zurück. Der Tunnel wurde denn in die Luft gesprengt.
FRAGE: Wer war der ranghöchste Unteroffizier im Tunnel, als die Mädchen vergewaltigt wurden?
CONWAY: Ein Feldwebel.
FRAGE: Wurde der Vorfall je gemeldet?
CONWAY: Ich versuchte, es meinem Zugführer zu erzählen, aber er wollte nichts davon hören.
Robert H. Bower aus Pennsylvania
FRAGE: Sie waren für den Krieg, als Sie nach Vietnam kamen?
BOWER: Ja, ich war Falke.
FRAGE: Und jetzt sind Sie kein Falke mehr?
BOWER: Nein, jetzt bin ich kein Falke, aber auch keine Taube. Ich habe in Vietnam viele Veränderungen durchgemacht. Ich habe zahlreiche Vorfälle erlebt, die mich entsetzt haben. Einer dieser Vorfälle ereignete sich, als ich zum erstenmal in einen Kampf geriet. Das war am 21. Juli 1967. Unser Konvoi wurde auf der Straße Nr. 20 in Vietnam aus dem Hinterhalt von dem 273. und 272. Vietcong-Regiment angegriffen. Nach dreistündigem Kampf war die gesamte Vorhut unserer Einheit bis auf zwei Schützenpanzerwagen vernichtet. Auf dem einen Wagen war ich. Nachdem der Kampf vorüber, das Feuergefecht also zu Ende war, setzten wir Bulldozer ein, die etwa 115 tote Vietcong auf einen Haufen zusammenwalzten. Etwa eine Stunde nachdem sie damit begonnen hatten, eine Grube auszuheben, um die Leichen darin zu verscharren, trafen einige Nachhut-Einheiten ein, Pioniere und Soldaten, die weit hinten im Konvoi auf Lastwagen fuhren. Sie begannen, diese gefallenen Vietnamesen, die schon etwa zwei oder drei Stunden tot waren, noch einmal zu erdolchen und ihnen die Finger und Ohren abzuschneiden. Ich habe gesehen, wie zahlreiche Pioniere des 919. Pionierbataillons, das dem 11. Kavallerieregiment zugewiesen war, ihre Bajonette ergriffen und sie ihnen in die Brust stießen, wie sie mit ihnen ihr Spiel trieben, sie in die Beine stachen und dergleichen, wie es im Krieg vielleicht geschieht ...
FRAGE: Ist es möglich, daß ein GI, der ein Jahr an der Front in Vietnam gedient hat, nichts von den Greueltaten weiß?
BOWER: Ich glaube nicht. Es ist praktisch unmöglich. Ich wüßte nicht, wie jemand, der einen Monat in einer Gefechtskompanie in Vietnam gedient hat, von den Greueltaten nicht zumindest gehört hätte. Denn in Vietnam ist es so: Wenn ein Neuer in eine Kompanie kommt, ein Ersatzmann, so erzählen ihm alle in den ersten drei oder vier Tagen von ihren großen Abenteuern und von den Taten ihrer Einheit. Es wird also praktisch die ganze Geschichte der Einheit, des Zugs oder des Trupps vor einem ausgebreitet. Und dann legt man selbst los und prahlt damit, wie man diesen oder jenen getötet hat. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, daß selbst Stabsoffiziere ein Jahr in Vietnam sein und nichts davon erfahren können.
FRAGE: Sie wissen, daß viele Amerikaner nicht an solche Greueltaten glauben?
BOWER: Es erscheint mir schwer vorstellbar, daß die Leute nicht im Bilde sind, vor allem bei unserem Rotationssystem. Unsere Soldaten rotieren ständig. Sie verbringen ein Jahr in Vietnam und kommen dann zurück. Das ist eine sehr große Zahl. Ich bin davon überzeugt, daß 75 Prozent dieser Soldaten Dinge zu erzählen haben, die wahrscheinlich sehr viel tragischer sind als die, über die ich Ihnen berichtet habe. Sie wollen nicht darüber sprechen ... Die meisten Soldaten, die zurückgekommen sind, haben etwas in dieser Art erlebt. Es ist so, wie einer der Soldaten, der in die My-Lai-Affäre verwickelt ist, neulich gesagt hat. Er hat nicht darüber gesprochen, weil er in dem Glauben war, alle Welt wüßte es, jeder sei im Bilde ... Ich habe geglaubt, jeder wüßte Bescheid.

DER SPIEGEL 50/1970
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„DREI KÖPFE ROLLTEN AUF MEIN BETT“

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