23.11.1970

BERUFLICHESGÜNTER GRASS

GÜNTER GRASS, 43, Dichter ("Die Plebejer proben den Aufstand"), löste seinen künstlerischen Beratungsvertrag mit den Städtischen Bühnen Frankfurt. Der "großartige Feuerkopf" (Frankfurts Generalintendant Ulrich Erfurth), der seine Mitarbeit Ende vorigen Jahres selbst angeboten hatte, beendete seine Helfer-Tätigkeit, weil "meine Briefe unbeantwortet blieben und der herrische Ton (des Schauspieldirektors Richard Münch) mir keinen Einstieg gestattete". Graß: "Selbst das besonnenste Gemüt kommt daran nicht vorbei." Künftig will sich der Schriftsteller, dem "die Arbeit mit Genossenschaftsvertretern und Personalräten Spaß gemacht" hat, nicht mehr "als Namen benutzen lassen". Intendant Erfurth: "Ein Dichter muß eben frei in der Gegend herumfliegen."
JUAN MANUEL FANGIO, 59, Automobilweltmeister in den Jahren 1951 und 1954 bis 1957, startet erneut auf europäischen Rennstrecken. Der Oldtimer aus Argentinien, der sich 1958 vom aktiven Sport zurückgezogen hatte, aber als Autohändler in Buenos Aires der Branche treu blieb, trat als Selbstdarsteller für den Film "Fangio" (Regisseur: Hugh Hudson) der Londoner Gesellschaft Beachplex Ltd. vor die Kamera. Hinter dem Lenkrad eines alten Lancia dreht Fangio in Monaco schnelle Runden (Photo). Für Mercedes wird der wohlhabende Geschäftsmann anschließend in Le Mans an den (Film-)Start gehen.
RAINER GÜNZLER, 43, Sportberichter und Autotester des Zweiten Deutschen Fernsehens, wird das "Aktuelle Sportstudio" des ZDF nicht mehr moderieren. Nach Wim Thoelke, der vom Sport- zum Showmaster ("Drei mal neun") avancierte, löste nun auch Günzler seinen Vertrag als freier Mitarbeiter aus "privaten, persönlichen und geschäftlichen Gründen". Bereits zum Juli hatte der Industriefilm-Preisträger von 1969 seinen Pauschalvertrag mit dem ZDF als Sportreporter und -kommentator aufgekündigt und Journalisten gegenüber beklagt, daß "diese Redaktion nicht mehr nach journalistischen, sondern nach sportpolitischen Kenntnissen geführt" werde. Über Vorzüge und Nachteile neuer Autotypen will Günzler allerdings auch künftig ZDF-Zuschauer informieren: Die Sendung wird im Auftrag der Mainzer von der Berliner Produktionsfirma "Cinecontact" hergestellt.
STEVE ORESKOVICH, 25, amerikanischer Soldat aus Montana und (bis vorletzte Woche) Disc-Jockey des amerikanischen Soldatensenders U. S. Armed Forces Network (AFN), hat nach Ansicht seines Vorgesetzten die US-Army diffamiert. Grund: Zwei Tage nach der regulären Entlassung des Soldaten war -- wie an jedem Freitagabend -- von allen AFN-Stationen in Europa die zuvor aufgezeichnete und noch von Oreskovich moderierte Beat-Sendung "Underground" ausgestrahlt worden. Zum Abschied hatte der Platten-GI seine Sendung jedoch erstmalig mit Anti-Kriegs-Songs und Aussprüchen des Vizepräsidenten Spiro Agnew, in denen alle Langhaarigen attackiert werden, angereichert. Außerdem hatte er, übertönt vom Geräusch feuernder Maschinengewehre und explodierender Bomben, gefragt: "Ich würde gern wissen, ob die kleinen Kinder in Nordvietnam leiden, wenn sie sterben." Klagte AFN-Direktor Harold Roeder in Frankfurt: "Es war reinste Verleumdung der Streitkräfte und eine ernsthafte Verletzung der Rundfunk-Moral."

DER SPIEGEL 48/1970
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