21.02.1948

Hohlspiegel

ALTE JUNGFERN wurden wegen lärmenden Verhaltens aus den Wandelgängen des englischen Unterhauses vertrieben und an die frische Luft gesetzt. Anschließend demonstrierten sie vor dem Unterhaus. Sie wollen durchsetzen, daß alle alten Jungfern über 55 Jahre eine feste Staatspension erhalten.
EINE MILLION gesunde und kräftige Katzen will die amerikanische Vereinigung der Katzenfreunde nach Europa schicken. Sie sollen Ratten, die große Mengen Getreide und Lebensmittel verzehren, den Garaus machen. Der amerikanische Tierschutzverein äußerte Bedenken. Nach Ansicht seines Vizepräsidenten ist es sehr grausam, Katzen in Länder zu verschicken, in denen Tierfreunde ihren Lieblingen nicht genügend Futter geben können. Die Katzenfreunde bestehen weiter auf ihrem Plan und bemühen sich um ein Gutachten von Außenminister Marshall.
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OHNE BIER KEINE MILCH! Mit dieser Feststellung forderte der bayrische Bauernverband die Aufhebung des bisherigen Biersudverbotes. "Wenn der Landwirtschaft mit Beginn des Frühjahrs kein Biergetränk zur Verfügung steht, muß automatisch die Milchablieferung zurückgehen, was wiederum eine ungenügende Fettration für alle bedeutet."
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EINE AMERIKANISCHE PARFÜMFABRIK charterte ein Flugzeug, um 50 kg Trockeneis mit Parfüm-Aroma über den Wolken der amerikanischen Stadt Bridgeport abwerfen zu lassen. Durch das Trockeneis sollte ein Schneefall hervorgerufen werden. Außerdem sollte die ganze Stadt nach dem neuen Parfüm duften. Vergeblich schnupperten die Einwohner durch die geöffneten Fenster gen Himmel. Es fiel kein Schnee, und zur allgemeinen Enttäuschung duftete es auch nirgends. "Das einzige, was sicher heruntergefallen ist," sagte nach der Landung der Pilot, "ist meine gute Armbanduhr."
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FIN ITALIENISCHER DORFARZT bat um Ausstellung eines Waffenscheines. Wegen des Banditenunwesens fühlte er sich ohne Waffe nicht mehr sicher. Die Polizei schrieb ihm einen Schein aus mit folgendem Inhalt: Dem Arzt sei das Tragen einer Pistole gestattet, da er diese für die Behandlung seiner Patienten bei Nacht benötige.
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FREIES FRÜHSTÜCK spendierte das Roxy-Kino in New York allen Besuchern, die sich bereits um 7 Uhr morgens nach Karten für den als amoralisch verdächtigten Film "Forever Amber" angestellt hatten.
AUF SCHEIDUNG klagte ein Mann namens Gilbert Johnson aus Chikago mit der Begründung, daß seine Frau ihm nicht nur verbiete, irgendein Magazin zu lesen, das Frauenbilder enthält, sondern sie verbiete ihm auch, in Zeitungen über Frauen zu lesen. Jedesmal wenn aus dem Radio eine Frauenstimme ertöne, stelle sie aus Eifersucht das Radio ab. Außerdem habe sie ihn gelegentlich geprügelt.
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EINE REHBOCKS-ATTRAPPE, die von der Lüneburger Bühne für Hauptmanns "Biberpelz" benötigt wurde, mußte sich beim Transport zum Präparator eine mehrmalige polizeiliche Prüfung gefallen lassen. In Stelle bei Harburg verlangte die Bahnpolizei einen Transportschein für Wild. Da der Requisiteur den Schein nicht vorweisen konnte, entzog er sich samt Rehbock weiteren Ermittlungen durch die Flucht. Später überprüfte eine Straßenstreife den im Gepäckraum eines Autos untergekommenen Bock und sein Inneres auf "Markenfreiheit". Die Biberpelzpremiere fand trotzdem statt.
BEI EINER VORFÜHRUNG der amerikanischen Armee in Miami, Florida, landete ein Armeeflieger auf dem nicht sehr großen Dach eines Autos.
SCHOTTLAND sei heute das einzige Land in Europa, das mehr Männer als Frauen im heiratsfähigen Alter aufweise, hatte der oberste schottische Standesbeamte in einer Rede erklärt. Zwei Münchnerinnen Margareta Weinziel und Elisabeth Kramer, schrieben daraufhin an die "Edinburgh-Evening-News". Die Schotten brauchten sich keine Sorgen um den Männerüberschuß zu machen. Sie, die Münchnerinnen, seien gern bereit, Schotten zu heiraten. Sie wüßten schon viel über Schotten und Engländer, und zwar durch "gute und nette" Kriegsgefangene, die sie in Deutschland kennengelernt hätten.
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WEIL IHR MANN sich weigerte, das Ende einer Kinovorstellung abzuwarten, warf sich eine Frau in Rio de Janeiro vor die Räder eines Lastwagens. Die Frau kam mit dem Leben davon und erzählte später, ihr Mann habe als Grund angegeben, er müsse früh aufstehen und könne deshalb nicht bis zum Schluß der Vorstellung im Kino bleiben.
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SELTEN war es so lustig gewesen wie bet einer Beerdigung in Novuzela, Portugal. Vor dem Leichenwagen schritt eine fröhlich blasende Mundharmonika-Kapelle, und hinter dem Sarge fuhr ein Ochsenwagen mit einem riesigen Faß Wein. Es war das Begräbnis der Witwe Pauline de Covas deren Testament folgende Bestimmung enthielt: "Ich wünsche mir für meinen Leichenzug ein Mundharmonika-Orchester und ein Ochsengespann, das ein großes Faß Wein zum Friedhof mitnimmt. Das ganze Trauergefolge soll sich daran satttrinken. Außerdem wünsche ich, daß alle, die an meinem Begräbnis teilnehmen, Hühnerbraten serviert bekommen."
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DAS PFLASTER einer 3 km langen Straße bei Gimbi, Abessinien, sei 18000 Pfund Sterling wert, errechnete ein Schweizer Ingenieur. Das dafür verwandte Gestein enthält 5 g reines Gold auf einen Quadratmeter.
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ALS VERSUCHSKANINCHEN soll ein neu eingerichteter S-Bahn-Zug der Reichsbahndirektion Berlin dienen. Die Direktion will ermitteln, wieviel von der Wagenausstattung von den Reisenden innerhalb von vier Wochen entwendet wird, und in welchem Zustand der Zug nach dieser Probezeit ist. Um zu vermeiden, daß Reichsbahn-Angestellte in Diebstahls-Verdacht kommen, wird der Zug während der Abstellzeit von der Bahnpolizei überwacht. 2800 Arbeitsstunden und 35000 Mark waren zur Instandsetzung erforderlich.

DER SPIEGEL 8/1948
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