21.02.1948

DIE MEMOIREN MIKOLAJCZYKS18. Kapitel

Im Hinblick auf die späteren Ereignisse in Polen gewinnen die Versuche, die ich 1944 in Moskau unternahm, um unser Land und unsere Souveränität zu retten, die durch die Geheimabmachungen von Teheran gefährdet wurden, beträchtliche Bedeutung.
Churchill und Roosevelt hatten den Forderungen, die Stalin auf der Teheraner Konferenz in bezug auf Polen gestellt hatte, völlig nachgegeben. Sie hatten eingewilligt, Polen durch die Curzon-Linie teilen zu lassen.
Als ich mich im Oktober 1944 in Moskau weigerte, mich an diesem Geschäft zu beteiligen, wurde Churchill sehr böse auf mich. In einer Reihe von Konferenzen zur Lösung dieser Frage forderte er, ich solle der neuen Ostgrenze zwischen Rußland und Polen zustimmen, ein mündliches Versprechen zukünftiger Gebietsgewinne auf Kosten Deutschlands und ein gleiches Versprechen über die zukünftige politische Unabhängigkeit Restpolen akzeptieren.
Er gab mir die Schuld, weil ich Anfang 1944, als sich andeutete, daß die großen Drei die Teilung unseres Landes beschlossen hatten, den Russen nicht entgegengekommen sei, und sagte, ich hätte mit meiner damaligen hartnäckigen Ablehnung Stalin herausgefordert, das Lubliner Komitee der polnischen Kommunisten zu bilden.
"Wie nahe waren wir unserem Ziel Anfang des Jahres!", rief Churchill aufgeregt. "Hätten Sie sich damals mit den Russen geeinigt, dann hätten Sie heute nicht diese Lublinleute. Mit denen werden wir noch viel Aerger haben. Die Lubinpolen werden eine Gegenregierung errichten und schrittweise die Macht in Polen übernehmen."
Ich erinnerte ihn an die Atlantik-Charta und an die anderen Punkte und Versprechen, die Ländern wie Polen gegeben worden waren.
"Ich werde dem Parlament sagen, daß ich mich mit Stalin geeinigt habe", erklärte Churchill dann trocken. "Unsere Beziehungen mit Rußland sind weit besser denn je. Ich sprach kürzlich mit Ihrem General Anders, und er scheint sich der Hoffnung hinzugeben, daß nach der Niederlage der Deutschen die Russen geschlagen werden. Das ist verrückt. Sie können die Russen nicht besiegen! Ich bitte Sie, die Grenzfrage auf sich beruhen zu lassen. Und wenn Sie schon die Unterstützung einiger Polen verlieren - bedenken Sie die Vorteile, die Sie dafür einhandeln. Der britische Botschafter wird bei Ihnen sein. Die Amerikaner - die größte Militärmacht der Welt - werden einen Botschafter schicken."
Ich schüttelte den Kopf, worauf Churchill ärgerlich wurde.
Fortsetzung in der nächsten Ausgabe Nachdruck verboten

DER SPIEGEL 8/1948
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DIE MEMOIREN MIKOLAJCZYKS:
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