09.10.1948

Bruch

Nachdem sich die großen Vier in Moskau einen offenen Bruch gehoben haben, wird das Bleigewicht Berlin dem UN-Sicherheitsrat auf den zerschundenen Rücken geladen. Rußlands Wyschinski legte formellen Protest ein, als auf der Dienstagsitzung mit neun zu zwei Stimmen beschlossen wurde, die Debatte über Berlin aufzunehmen. Die Sowjetunion werde sich nicht an der "illegalen Verhandlung" beteiligen. Der weißrussische Vertreter Dimitri Manuilski echote den Kehrreim. Wyschinski erklärte, nur der Außenministerrat sei laut UNO-Paragraph 107 für die Berliner Frage zuständig. Die Moskauer Besprechungen seien nur inoffiziell und informell gewesen. Die Westmächte lehnten die Teilnahme an den von Rußland vorgeschlagenen neuen Außenministerverhandlungen ab, so lange die Blockade andauert. In der Mittwochsitzung sprach der amerikanische Vertreter Dr. Philip Jessup 10000 gewichtige Anklageworte (Amerika kapituliert niemals in Berlin!). Brite und Franzose assistierten. Wyschinski, der "als Beobachter" an der Sicherheitsratssitzung teilnahm, las gelangweilt die Pariser Sozialistenzeitung Le Populaire. Draußen vor den Journalisten setzte er wieder "gute Laune" auf. Mittwoch abend vertagte sich der Weltsicherheitsrat bis auf weiteres. Er schien ziemlich ratlos.

DER SPIEGEL 41/1948
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