09.10.1948

Wandlung

Der Sender Leipzig setzte den Partei-Schädlingsbekämpfungs-Apparat der SED-Betriebsgruppe auf das große Symphonieorchester an, um den gestörten Einheitsklang wieder herauszustellen. Einstimmig wurde der bisherige Dirigent Gerhart Wiesenhütter aus der SED ausgeschlossen. Auf einer Sondersitzung verlas der Betriebsrat einen erbeuteten Brief, in dem Wiesenhütter sich "von allem distanziert, was politisch in der Ostzone gewollt und wirtschaftlich geleistet" wird. Der SED-Untersuchungsausschuß stellte außerdem fest, Wiesenhütter habe "jede politische Diskussion innerhalb des Orchesters unterbunden, indem er die für einen Genossen unmögliche Stellung bezog, die Kunst müsse unparteiisch sein." Wiesenhütter reiste nach Berlin.
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Ostdeutschlands Sittenrichter nehmen sich des Paragraphen 175 an, der die Homosexualität unter Strafe stellt. Mit der Forderung, Gesetz und Sittlichkeit in der Sowjetzone müßten den neuen Verhältnissen angepaßt werden, starten Sachsens Zeitungen einen Pressefeldzug zur Aufhebung des umstrittenen Paragraphen. ("Die Anschauungen auf allen Gebieten des Sittenlebens haben sich grundsätzlich gewandelt.") Mit Ausnahme Sachsen-Anhalts gilt der Paragraph 218 in allen Ländern der Ostzone bereits als aufgehoben, soweit die sozialen Verhältnisse eine gesundheitliche Gefährdung für Mutter oder Kind erwarten lassen.

DER SPIEGEL 41/1948
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