09.10.1948

Mische das Beste

Ihr werdet", hatte Trainer Ben Jones gesagt, als er den braunen Fuchshengst Citation für die Saison 1948 fertigmachte, "das beste Rennpferd aller Zeiten sehen." Eddie (Bananen-Nase) Arcaro, Citation-Jockey und mit 2300 Dollars Wochengage der bestbezahlte Rennreiter der Staaten sagt: "Der Bursche ist nicht zu halten. Man muß sich festklammern, sonst fliegt man hinunter."
Das vierte 100000-Dollar-Rennen der USA hat Citation jetzt in Belmont Park gewonnen. Man hatte es so erwartet.
Citation gewann die "Dreifache Krone des Turfs", "Kentucky-Derby", "Preakneß" und "Belmont-Stakes" - und damit 240000 Dollars. In der 47er Saison hatte er dreizehn Starts, zwölf Siege und 218155 Dollars gehabt. Im ganzen galoppierte er bis jetzt 721750 Dollars zusammen, - Citation schläft und schnarcht leidenschaftlich und läuft die 1000 Meter in einer Minute, 2000 Meter in wenig über zwei Minuten. "Ein neuer Man O'War*)", sagen die Amerikaner.
Amerikas älteste Vollblutzüchter, die Vanderbilts, Whitneys, Wideners und Belmonts, wissen ihren Neid kaum zu zügeln: Was sie in jahrzehntelanger, millionenfressender Leidenschaft nur selten erreicht haben, einen Derbysieger heranzuziehen, ist mit Citation dem Züchter Warren D. Wright seit 1941 schon zum drittenmal gelungen.
Warren D. Wright, Inhaber der "Calumet-Backpulver-Gesellschaft", Kentucky, USA, stieg 1932 unternehmungslustig ins aufblühende Rennsportgeschäft. Sein Start war schlecht. Drei Vollblüter hatten 21000 Dollar gekostet. Eingebracht hatten sie nach der ersten Saison nichts, von 900 Dollars Platzgeld abgesehen.
Doch unbeirrt baute Warren D. Wright auf seiner 1038 Acker großen, weißgezäunten Musterfarm bei Lexington (im Pferdeparadies Kentucky) das modernste Vollblutgestüt der Welt, mit luftgekühlten Stallungen und eigener Trainierbahn. 40000 Dollar für eine nützliche Mutterstute und 62500 Dollar für einen Viertel-Anteil an dem aus Frankreich importierten Deckhengst "Blenheim II" brachten 1941 einen Derbysieger, den ersten.
"Whirlaway" wurde Seriensieger und verabschiedete sich zwei Jahre später als das bis dahin gewinnreichste Rennpferd der USA mit 561161 Dollar. Das Geschäft begann.
1947 standen in der Pferdebrutstätte Lexington 66 Mutterstuten, 39 Jährlinge und die Deckhengste "Whirlaway", "Bull Lea", "Pensive", "Sun Again" und "Chance Play", alles zusammen über drei Millionen Dollar wert.
Im Rennstall standen 54 Pferde, Trainer Ben und Jimmy Jones - Vater und Sohn - und 15 Helfer. Sie arbeiteten meistens nachts. Denn Kentucky ist im Sommer heiß und Klassenpferde müssen geschont werden.
Am Ende des Jahres 1947 hatten die Rennpferde der Calumet-Farm 100 Rennen gewonnen, waren 44mal Zweiter und 26mal Dritter geworden. Und Backpulverkönig Warren D. Wright war mit 1402436 Dollar zum fünftenmal seit 1941 erfolgreichster Rennstallbesitzer der Staaten. Sein Wallach "Armed" allein hatte ihm 376325 Dollar verdient.
Als der Siebenjährige vor ein paar Wochen endgültig von der Bahn ging, hatte er 773335 Dollar verdient.
Nur "Stymie" steht mit 911335 Dollar über ihm. Der hatte 1943 als Zweijähriger nach einem Verkaufsrennen seiner Besitzerin Ethel Jacobs ganze 1500 Dollar gekostet. Genau diese Summe verdiente er jüngst mit einem vierten Platz. Das war sein 125. und letzter Start. Jetzt bereitet er sich auf seine Laufbahn als Deckhengst vor.
Citation wird nach menschlicher Voraussicht über "Stymie" stehen, wenn er einmal seinen Vater "Bull Lea" in der Deckstation ablöst. Die Zukunft des wrightschen Hausbeschälers ist ihm sicher. Denn für Warren D. Wright gilt in der Pferdezucht, was sein Backpulver groß gemacht hat: "Mische das Beste mit dem Besten und du bekommst das Beste!"
*) "Man O'War" war das berühmteste Rennpferd der Welt. Es wurde 1917 in Kentucky geboren, startete 21mal und wurde nur einmal, durch die Schuld seines Reiters, geschlagen. Im Gestüt hinterließ der Hengst 383 Nachkommen.

DER SPIEGEL 41/1948
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