15.06.1970

FILM / NEU IN DEUTSCHLANDBrief gesucht

Der Brief an den Kreml (USA, Farbe). Mister Ward (Richard Boone) ist ein Spion von altem Schrot und Korn, der "Zauberer" (George Sanders) ein alter Transvestit. Die schöne B. A. kann den vertracktesten Safe mit ihren Zehen öffnen. Rone von der US Navy tritt als georgischer Strichjunge auf, ein Agent mit dem Decknamen "Hure" tarnt sich als Mädchenhändler aus Prag.
So sieht es aus, das Team, das da nach Moskau reist, um für die Amerikaner jenen wichtigen Brief zu stehlen, der sich in Wirklichkeit in Peking befindet. Auf der Gegenseite agieren: die sowjetischen Geheimdienstier Bresnawitsch (Orson Welles) und Kosnow (Max von Sydow) sowie dessen Frau Erika, eine ehemalige Prostituierte aus Berlin.
Regisseur John Huston hat den kaum durchschaubaren und dennoch perfekt konstruierten Plot mit vielen Unbekannten schon immer geschätzt, so im "Asphaltdschungel", so im "Malteser Falken".
Undurchsichtig und kompliziert ist auch das Spiel, das die melancholischen Figuren auf ihrer Suche nach dem Kreml-Brief miteinander treiben. Sie erpressen und werden erpreßt und wissen nicht, was mit ihnen geschieht. Zuletzt liegen sie als Leichen herum, nur Ward, der
alte Fuchs, triumphiert: Er wird Chef der "Dritten Abteilung" im sowjetischen Geheimdienst.
Dieser Film, sagte Huston von seinem Spionagethriller, sei "amoralisch. indezent und in jeder Hinsicht schmutzig". Eines ist er auf jeden Fall: schlechter als der "Malteser Falke".

DER SPIEGEL 25/1970
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