15.06.1970

HOHLSPIEGEL

Bei einer Protest-Demonstration von Schillern, Eltern und Lehrern der Realschule in Bornheim (Rheinland) gegen die schleppende Planung eines bereits zugesagten Schulneubaues lehnten sechs Schüler der Abschlußklassen auf Anraten ihrer Eltern eine Teilnahme ab. Grund: Die 16- und 17jährigen, die sich bei der Bornheimer Gemeindeverwaltung um Lehrstellen bemühen, befürchteten durch Mit-Protest Nachteile für ihr berufliches Fortkommen.
Um das "Dirnenunwesen" und die "unerhörte Lärmentwicklung" durch die Autos der Freier einzustimmen, beschloß der Quartierverein des Zürcher Stadtkreises 5 Selbsthilfe-Aktionen. Kunden, die nach der Polizeistunde mehrfach durch die einschlägigen Straßen fahren -- bei einem mitternächtlichen Test zählte die Bürger-Organisation in 30 Minuten 157 Autos -, sollen der Polizei gemeldet, im Wiederholungsfall sogar direkt angeschrieben und um mehr Rücksichtnahme gebeten werden. Falls alle Appelle erfolglos bleiben, müsse man allerdings "schärfere Maßnahmen" (Quartierverein-Präsident Jules Edelmann) In Betracht ziehen. Mitbürger im Stadtkreis 2 wenden diese schärferen Maßnahmen bereits an: Sie spritzen flanierende Gunstgewerblerinnen mit konzentriertem Baldrian arbeitsunfähig.
Dortmunds Bürgermeister Wilhelm Reinke und 30 weitere Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder der Dortmunder Stadtwerke AG reisen am Dienstag dieser Woche auf Kosten der Stadtwerke für zehn Tage durch die Sowjet-Union, um Verkehrsbetriebe, Erdgas- und Wasserwerke zu besichtigen. Reisekosten pro Person: 1575 Mark plus Spesen. Defizit der Stadtwerke im Rechnungsjahr 1968: elf Millionen Mark. Stadtwerke-Direktor Hermann Flieger über den Zweck der Besichtigungstour: "Der Aufsichtsrat wird sich sicher bei diesem Beschluß etwas gedacht haben."

DER SPIEGEL 25/1970
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