23.12.2005

UNIVERSITÄTSKLINIKEN„Nur mit Forschung konkurrenzfähig“

Wolfgang Pföhler, 52, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, über die heikle Frage der Forschungszusammenarbeit zwischen dem privatisierten Universitätsklinikum Gießen/Marburg und den in Landeshand verbleibenden medizinischen Fakultäten.
SPIEGEL: Sie werden demnächst dem Land Hessen für 112 Millionen Euro das zuvor fusionierte Universitätsklinikum Gießen/Marburg abkaufen. Warum wollten Sie unbedingt eine Uniklinik haben?
Pföhler: Rhön wäre zwar durchaus in der Lage, sich ein eigenes Forschungszentrum zu leisten. Aber nur mit einer Uniklinik können wir internationale Spitzenforschung machen und so langfristig konkurrenzfähig bleiben.
SPIEGEL: Sie haben den Fakultäten zwar zugesichert, die Freiheit von Forschung und Lehre uneingeschränkt zu achten ...
Pföhler: ... das tun wir auch ...
SPIEGEL: ... doch offenbar haben Sie auch eigene Vorstellungen davon, was in Gießen und Marburg in Zukunft erforscht werden soll.
Pföhler: Natürlich - aber nur mit dem Geld, das wir zusätzlich zur Verfügung stellen. Neben dem Geld, das das Land den Fakultäten weiterhin zur Verfügung stellt, haben wir eine industrienahe Stiftung gegründet und werden auch selbst investieren. Forschung verstehen wir dann aber als eine Dienstleistung. So wollen wir in Marburg eines der deutschlandweit ersten Zentren für Schwerionen- und Protonentherapie, also für eine innovative Form der Krebsbehandlung, bauen. Eine weitere Idee ist ein Zentrum für Pandemieforschung, wo es beispielsweise um die beste Abwehrstrategie gegen die Vogelgrippe geht.
SPIEGEL: Nehmen Sie auf diese Weise nicht indirekt doch massiven Einfluss auf die Forschung der Fakultäten?
Pföhler: Wir haben nur die Rechte, die jeder Drittmittelgeber hat. Bei der Wahl der Professoren, die ja zugleich die Chefärzte der Kliniken sind, haben wir nur ein Mitspracherecht. Doch wir hoffen durchaus, dass ein von uns geführtes Uniklinikum automatisch auch die in unseren Augen richtigen Leute anziehen wird.

DER SPIEGEL 52/2005
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