10.04.1963

FRIEDRICH AUGUST PINKERNEIL

FRIEDRICH AUGUST PINKERNEIL regiert im laufenden Freimaurerjahr als Großmeister von seinem Taunussitz Königstein aus "Die Vereinigten Großlogen von Deutschland - Bruderschaft der deutschen Freimaurer".
Pinkerneil stammt aus alt-westfälischem Protestantenhaus. Der Großvater saß noch auf dem Familienhof bei Bochum. Der Vater erarbeitete sich eine Position im Ruhrbergbau.
Der 1890 geborene Friedrich August studierte Geschichte, Jurisprudenz und Nationalökonomie. 1916 übernahm er, selbst kriegsversehrt, die Leitung der Kriegsbeschädigten-Fürsorge des Akademischen Hilfsbundes.
Vier Jahre später trat er in die Spitzenorganisation des deutschen Bergbaus ein. 1921 schickte ihn die liberal großbürgerliche "Deutsche Volkspartei" in den preußischen, Landtag - als Fachmann für Bergwirtschaft und Bergrecht.
Während des NS-Zwischenspiels beschränkte sich der Fachmann Pinkerneil auf seine mittlerweile zahlreich gewordenen wirtschaftlichen Funktionen. Er war über 30 Jahre Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrates der deutschen Singer-Gesellschaften. Er sitzt in etlichen Aufsichtsräten und! Grubenvorständen.
Die Marburger Philipps-Universität ernannte ihn zum Ehrensenator. Er wurde Ehrendoktor der Rechte und der Medizin sowie Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik.
Zur Freimaurerei stieß Pinkerneil unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Der Alte Herr der christlichen Verbindung "Wingolf" trat als Lehrling in die Berliner "christliche" Loge "Zum goldenen Pflug" ein und diente sich im Freimaurer-Orden bis zum neunten Grad hoch, dem obersten, den sein ("schwedisches") Ritual kennt; er trägt das "Rote Kreuz", die vornehmste freimaurerische Auszeichnung der "Skandinavier".
Obschon nicht Ordensmeister, ist Pinkerneil heute unangefochtener Sprecher des "christlichen" Zweiges (Freimaurer-Orden, FO) der deutschen Freimaurerei. Sein Ansehen sichert ihm aber auch maßgeblichen Einfluß auf die humanitären Logen (Alte Freie und Angenommene Maurer, AFAM), den anderen Zweig.
Aus seiner Feder stammt die "Magna Charta" vom Jahre 1958, das Dokument des freimaurerischen Zusammenschlusses zu einer nationalen Repräsentanz.
Pinkerneil ist Mitgründer und Vorsitzender der Blinden-Studienanstalt Marburg, deren Leiter der Freimaurer Professor Strehl ist. Die Anstalt beschäftigt heute über 100 Beamte und Angestellte und unterhält die größte wissenschaftliche Blindenbücherei der Welt.
Die Zukunft der Bruderschaft sieht Friedrich August Pinkerneil nicht in der Massenorganisation nach amerikanischem Vorbild, sondern in der Sammlung einer Elite: Der Jesuiten-Orden hat in der ganzen Welt nur etwa. 35 000 Mitglieder, gut halb soviel Brüder hat die Freimaurerei allein in Deutschland."

DER SPIEGEL 15/1963
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DER SPIEGEL 15/1963
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