12.06.1963

VOM WINDJAMMER ZUM STURM AUFS PRESSEHAUS

Am 25. Juni 1940 legte Theo Saevecke, damals Chef einer Mordkommission in Posen, heute Regierungskriminalrat im Bundeskriminalamt, seine Lebensdaten nieder. Bald darauf wurde der 29jahrige ehemalige Windjammer-Matrose in die SS übernommen; schon 1941 war er Kriminalkommissar und SS-Obersturmführer, nach einem weiteren Jahr Kriminalrat und SS-Hauptsturmführer. Er bewährte sich 1942 und 1943 in Tunis bei der Rekrutierung jüdischer Zwangsarbeiter und machte sich anschließend in der Mailänder Gestapo -Filiale verdient. Saevecke überstand sowohl den Zusammenbruch des Dritten Reiches als auch die Überprüfung durch die Bonner Regierung. Obwohl die Daten seines Lebenslaufs den Bonner Behörden bekannt waren, machte der einstige SS-Führer in der Bundeshauptstadt erneut Karriere und wurde Leiter des Referats "Hoch- und Landesverrat" bei der Sicherungsgruppe Bonn. Wegen dienstlicher Fähigkeiten vom Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Reinhard Dullien, sehr geschätzt, durfte Theo Saevecke die Aktion gegen den SPIEGEL leiten. Durch den Sturm aufs Hamburger Pressehaus erfuhr die Öffentlichkeit von Saeveckes Vergangenheit.
Am 22.3.1911 wurde ich, Theo
Emil Saevecke, als Sohn des damaligen etatsmäßigen Feldwebels Karl Saevecke und seiner Ehefrau Maria, geborene Sattelberg, zu Hamburg geboren.
Ich besuchte die Realschule in Eutin, das Realgymnasium in Parchim und Ludwigslust sowie das Katharineum in Lübeck. Im Februar 1930 verließ ich als Unterprimaner die unter jüdischer und marxistischer Leitung stehende Schule. Ich erwählte den Seemannsberuf und arbeitete zunächst 3 Monate auf der Neptunwerft in Rostok als Volontär und besuchte dann in einem dreimonatigen Kursus die Deutsche Seemannsschule in Finkenwärder. Am 19.12.1930 kam ich auf die Hamburger Viermastbark "Padua" als Offiziersanwärter der Handelsmarine und machte zwei Reisen bis zum 20.6.1932 nach der Westküste Südamerikas. Sodann nahm ich auf der Viermastbark "Priwall" an der "Weizenregatta" nach Australien teil. Mit dem Dampfer "Hanna Cords" machte ich Reisen nach England, Irland, Frankreich, Afrika, Rußland, Dänemark und Holland. Am 27.3. 1934 schied ich freiwillig aus der Seefahrt aus.
Am 1. Oktober 1934 trat ich bei der Kriminalpolizei in Lübeck als Kriminal-Kommissaranwärter ein und besuchte im Jahre 1937 die Führerschule der Sicherheitspolizei. Nach bestandener Prüfung wurde ich an die KPLSt Berlin versetzt und war Leiter des Brand- und Katastrophendezernats sowie aktiver Mordbearbeiter. Im September 1939 kam ich zum Einsatz nach Posen und bin hier Leiter des Morddezernats.
Politisch betätige ich mich seit 1926. Ich trat am 29. Juni 1926 in Parchim in die Schilljugend der Organisation Roßbach ein und führte die dortige Gruppe. Am 15. Dezember 1928 trat ich als 17jähriger Sekundaner zur Lübecker SA über und gehörte dieser bis zum Jahre 1938 aktiv an. Zur Zeit gehöre ich noch als SA-Sturmführer dem z.V. Führerkorps der Standarte I./H. E. Maikowski, Berlin, an. Meine Übernahme zur SS schwebt bei der SD Dienststelle in Posen. Meine Aufnahme in die Partei erfolgte am 1. Februar 1929.
Im Jahre 1934 besuchte ich die SA -Sportschule in Bad Kleinen und errang dort das SA-Wehrabzeichen. Im Jahre 1937 erwarb ich das Reichssportabzeichen und 1938 den Grundschein für Lebensrettung. Vom 15.10. 1936 bis 11.12.1936 leistete ich eine freiwillige Übung bei der Marine in Eckernförde ab.
Seit dem 30. März 1934 bin ich mit Ursula geb. ... verheiratet.
Theo Saevecke
Lebenslauf-Faksimile, Lebenslauf-Verfasser Saevecke (1941)

DER SPIEGEL 24/1963
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