SEHNSUCHT NACH DEM KOLLEKTIV

Daß im Westen „alles überhaupt rosiger ist“, dachte der Kraftfahrer Manfred, bevor er 1966 die DDR verließ. Heute meint er, „hier fast alles kritisieren“ zu müssen. Und wie er empfand ein Schicksalsgefährte: „Die Echtheit und die Zukunft des sozialistischen Lebens in den zwischenmenschlichen Beziehungen: daß die wertvoller sind als in der kapitalistischen Epoche, das hat man eigentlich erst dann erkannt, wenn man im Westen gelebt hat.“ Solcher Bewußtseinswandel bestimmt den Tenor einer Interview-Sammlung, die demnächst unter dem Titel „Ich bin Bürger der DDR und lebe im Westen“ im Münchner Piper-Verlag erscheint -- zu einer Zeit, da die Regenten der unvereinbaren Systeme verhandeln, was zu vereinbaren sei. Ein Nachwort zu dem Buch, das von Barbara Grunert-Bronnen herausgegeben wird, schrieb Uwe Johnson -- der gesamtdeutsches Dilemma in „Mutmaßungen über Jakob“ und „Das dritte Buch über Achim“ behandelte. Aus Nachwort und Interview-Band veröffentlicht der SPIEGEL Auszüge:

DER SPIEGEL 14/1970

Alle Rechte vorbehalten

Vervielfältigung nur mit Genehmigung