Heinrich Böll über Alexander Solschenizyn: „Im Interesse der Sache“ LEIDEN, ZORN UND RUHE

Alexander Solschenizyn, 51, lebt heute, nach der Unterdrückung seiner Bücher und nach seinem Ausschluß aus dem sowjetischen Schriftstellerverband (SPIEGEL 47/1969), im wesentlichen von einer Invalidenrente und von der Unterstützung durch freunde. wie etwa des russischen Cellisten Rostropowitsch. Er hat einen Schweizer Rechtsanwalt beauftragt, gegen alle unautorisierten Veröffentlichungen seiner Werke im Westen vorzugehen -- ein Skript des unpublizierten Lagerromans „Archipel Gulag“ sau gegen seinen Willen in den Westen gelangt sein -, und arbeitet gegenwärtig an einem Roman über den Ersten Weltkrieg. Der jetzt in der Reihe „Bücher der Neunzehn“ erschienene Erzählungsband „Im Interesse der Sache“ enthält auch eine Neuübersetzung van „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“. -- Heinrich Böll, 52, dessen Bücher in russischer Übersetzung millionenfach verbreitet sind, hält sich derzeit zu einem Besuch in der Sowjet-Union auf.

DER SPIEGEL 14/1970

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