23.03.1970

GESTORBENJOSEF MARTIN BAUER

JOSEF MARTIN BAUER, 69. Einmal gelang dem Erzähler aus Taufkirchen an der Vils in Oberbayern, der seit 1931 schrieb und dessen Bücher etwa "Die Notthafften" oder "Die barocke Kerze" heißen, der ganz große Erfolg: 1955 mit dem Roman "So weit die Füße tragend". Die abenteuerliche Geschichte von der Flucht eines deutschen Kriegsgefangenen aus Sibirien, einem realen Fall nacherzählt, wurde ein nationaler Bestseller, fürs Fernsehen verfilmt (sechs Folgen), als Hörspiel gesendet (acht Folgen) und in zwölf Sprachen übersetzt; Weitgesamtauflage: über zwei Millionen.
ARTHUR ADAMOV, 61. Wer in den fünfziger Jahren von Beckett und Ionesco sprach, der nannte auch Adamov, den Autor der Stücke "Die Invasion" und "Alle gegen alle". Die absurde Existenz, die Sinnlosigkeit, die "große, stille Bewegung der Seele durch die Nacht" -- das war es, was den Sohn eines kaukasischen Olmagnaten, seit 1924 in Paris wohnhaft, zeitlebens faszinierte. So schrieb er, so lebte er -- zerquält, mit sich selbst zerfallen, ein Kranker, der immer nach Auswegen suchte und meist Irrwege ging. Der Marxismus, dem er sich zuwandte, brachte ihm kein Heil. Sein "neuer Realismus", den er mit den Bühnenstücken "Paolo Paoli", "Frühling 71" und "off Limits" nach Brechtschem Vorbild auf die Bühne brachte, kam nicht an. Sein "Unstern", von dem er sich verfolgt glaubte, blieb ihm treu bis zu jener Stunde, als er nach einer starken Dosis Schlaftabletten abtrat.

DER SPIEGEL 13/1970
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