09.01.2006

USAGeheimoperation „Merlin“

Die CIA soll dem Gottesstaat Iran Pläne zum Bau wesentlicher Teile einer Atombombe zugespielt haben. Das behauptet der Geheimdienstexperte der "New York Times," James Risen, in seinem Buch "State of War", das in diesen Tagen auch in Deutschland erscheint. In einer der "fahrlässigsten Operationen in der modernen Geschichte der CIA", so Risen, habe der Geheimdienst einen als Agenten angeworbenen russischen Wissenschaftler beauftragt, den Iranern im Februar 2000 in Wien Baupläne für das Zündsystem einer Atomwaffe zu übergeben. Die hochgeheime Bauanleitung habe sich der US-Geheimdienst zuvor aus der russischen Waffenschmiede Arsamas-16 besorgt. Ziel der Operation "Merlin" sei ein "demütigender Rückschlag" für die iranischen Wissenschaftler gewesen, da die Pläne zwar authentisch wirkten, technisch aber nicht zum Erfolg geführt hätten. Allerdings seien die eingebauten Fehler so einfach zu entdecken gewesen, dass die Iraner sie leicht hätten korrigieren können, behauptet Risen. Zudem habe der russische Wissenschaftler entgegen den Anweisungen Teheran in einem Begleitschreiben auf die versteckten Änderungen hingewiesen. Somit hätten die USA selbst dem fundamentalistischen Regime, dessen derzeitiger Präsident Mahmud Ahmadinedschad Israel am liebsten "ausradieren" möchte, "möglicherweise zu Atomwaffen verholfen". Während die "New York Times" die brisante Enthüllung ihres Autors auf Bitte des Weißen Hauses zurückgehalten haben soll, verweist die CIA auf angeblich "schwerwiegende Ungenauigkeiten" in Risens Werk - und lehnt jeden Kommentar zu den Enthüllungen ab.

DER SPIEGEL 2/2006
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