09.01.2006

Walther Leisler Kiep

Walther Leisler Kiep , 80, Wirtschaftsmanager und ehemaliger CDU-Schatzmeister, der wiederholt wegen dubioser Parteispenden in Bedrängnis geriet, enthüllt eine geheime Mission, in der wieder einmal ein Geldkoffer die zentrale Rolle spielte. In seinen jetzt erscheinenden Memoiren "Brücken meines Lebens" berichtet Kiep davon, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt im Jahr 1975 die demokratischen Parteien Portugals bei ihrem Kampf gegen kommunistische Revolutionäre finanziell aufrüsten wollte. Der Sozialdemokrat habe Kiep deshalb unter dem Siegel der Verschwiegenheit gebeten, einen Koffer mit zweieinhalb Millionen Mark in bar aus dem Etat des Bundesnachrichtendienstes nach Lissabon zu transportieren und ihn der dortigen Schwesterpartei der CDU zu übergeben. Der weltläufige Bundestagsabgeordnete flog nach Lissabon, checkte nur kurz in seinem Hotel ein und deponierte den Geldkoffer dann sofort im Safe der deutschen Botschaft. Solche Vorsicht war durchaus angebracht: Als er anschließend in das Hotel zurückkehrte, war sein Zimmer aufgebrochen und durchwühlt. Es fand sich noch alles vor - bis auf Kieps Revolver der Marke Smith & Wesson. Am nächsten Tag erledigte Kiep die heikle Mission erfolgreich: Er lieferte den Koffer ab und ließ sich die Übergabe, wie vom Kanzleramt erbeten, ordentlich quittieren.

DER SPIEGEL 2/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Fall Lübcke: Stephan Ernst legt Geständnis ab
  • Sizilien: Großbrand zerstört Dutzende Autos am Strandparkplatz
  • Der Mordfall Lübcke: Spurensuche im braunen Netzwerk
  • Hitze in Deutschland: Hier kommt die virtuelle Abkühlung