01.12.1969

HANDBALL / LÜBKING5000 Tore

Pfund -- Pfund", kreischten die Zuschauer in der Münsterlandhalle. sobald Handballspieler Herbert Lübking, 28, den Ball zielsuchend in den wurfstarken Händen wiegte. Der Pfundkerl enttäuschte nicht. In Münster verhalf er am letzten Sonntag der Bundesequipe zum Sieg über Holland.
Damit sicherte sich das Team die Teilnahme am Weltmeisterschaftsturnier in Frankreich (26. Februar bis 3. März). Für Mannschaftskapitän Lübking war es das 100. Länderspiel -- so viele hatte vorher noch kein deutscher Handballer bestritten. Mit nahezu 530 Toren erzielte er in Länderspielen doppelt soviel Treffer wie der nächstbeste Torjäger.
"Lübkings Oberkörper", verriet Bundestrainer Werner Vick, "schnellt bei jedem Wurf wie eine Feder durch die Luft." Der federnde Werfer erzielte für seinen Verein Grün-Weiß Dankerzen binnen zehn Jahren bereits 4480 Tore.
Vor zehn Jahren lud Vick das westfälische Wurftalent erstmals zu einem Probespiel der Nationalmannschaft ein. Lübking schaffte sogar. was nur wenigen Handballern gelungen ist: Er spielte auf dem Feld gleich stark wie in der Halle. Mit je zwölf Toren in einem Spiel gegen die Schweiz auf dem Feld und gegen Spanien in der Halle stellte er neue Torrekorde auf. Ebenso unerreicht ist seine Torquote in einem Klubspiel: beim 39:18-Bundesligasieg der Dankerser Dorfmannschaft über Eintracht Hildesheim schoß Lübking 20 Tore. Laut "Hamburger Abendblatt" ist er im deutschen Handball "das Gelbe vom Ei".
Tatsächlich gewann die Bundesequipe 1966 dank 24 Lübking-Toren die Feldhandball-Weltmeisterschaft. Für dieses Turnier hatte der Mannschaftskapitän sogar seine Flitterwochen verkürzt. Dankersens Ortspfarrer faßte sich einmal mit der Sonntagspredigt kurz, damit die Gläubigen rechtzeitig zum Handballspiel gehen konnten.
Der bei den Mindener Melitta-Werken -- Firmenchef Horst Bentz ist auch Klubboß in Dankersen -- beschäftigte Großhandelskaufmann Lübking errichtete sich im Heimatort ein Haus "Wenn jemand sagt, er hätte einen Pfennig dafür gestiftet", beseitigt der Amateursportler jeden Verdacht, "soll er mich besuchen -- aber es wird keiner kommen."
Sportlichen Nebenverdienst hat allerdings Frau Ingrid Lübking, die für die Sportschuhfabrik Hummel, in deren Produkten ihr Ehemann spielt, eine Vertretung übernahm. Das führte in der Nationalmannschaft, die ausschließlich Adidas-Schuhe benutzt, zu einem Schuhkrieg. Vick schlichtete. Abwechselnd trägt jetzt das Bundesteam Schuhe von Bummel und Adidas.
Dankersens Dank für den Gewinn des Europapokals 1968 war eine Reise der Lübking-Mannschaft nach Mexiko zu den Olympischen Spielen, bei denen Handballer als Medaillenkämpfer seit 1936 nicht mehr zugelassen sind.
Doch in zwei Jahren winkt Lübking, der bald die Torziffer 5000 erreichen will, auch olympischer Ruhm: in München findet 1972 erstmals ein Hallenhandballturnier um Olympiamedaillen statt. "Bei meinem Lebenswandel", meint Nichtraucher und Alkoholgegner Lübking, "kann Ich dabei sein -- es wäre ein schöner Abschluß."
Danach will der "Mann mit dem goldenen Arm" nur noch Fußball spielen -- in der Betriebself.

DER SPIEGEL 49/1969
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