01.12.1969

GESTORBENFRANCISCO HERRANZ

FRANCISCO HERRANZ, 55. Der Mitbegründer der spanischen Falange und ehemalige Chef der falangistischen Miliz überlebte die Entmachtung seiner Faschisten-Bewegung nicht. Die sozialrevolutionären und antimonarchistischen Falangisten, während des Bürgerkrieges fanatische Verbündete Francos, fühlen sich um den Sieg betrogen: Im Juli dieses Jahres bestimmte Franco den Prinzen Juan Carlos zum künftigen Staatsoberhaupt. Ende Oktober bootete er die Falangisten zugunsten neokapitalistischer Technokraten aus der Regierung aus. Zum Zeichen des Protests gegen den "Verrat an der Falange" erschoß sich Alt-Falangist Herranz am vorletzten Sonntag vor der Santa-Barbara-Kirche in Madrid, in der er zuvor gebeichtet hatte.
FREDERICK ("KING FREDDIE") MUTESA, 45. Als Kabaka (König) des afrikanischen Reiches von Buganda betete sein Großvater noch Krokodile an und ließ christliche Untertanen abschlachten. Er selbst aber wurde im Haus eines Missionsarztes geboren und von Missionaren erzogen. Er studierte in Cambridge und brachte es in der britischen Armee zum Hauptmann. Der schwarze Aristokrat sprach und kleidete sich wie ein Londoner Gentleman: Dennoch bekämpfte er alle Reformen, die seine englischen Kolonialherren in dem 500 Jahre alten Feudalreich am Victoria-See einführen wollten. Die Engländer halfen sich, indem sie Mutesa mit 200 000 Mark Jahres-Rente in die Verbannung schickten. Als dann Buganda eine Provinz des unabhängigen Uganda wurde, wollte sich der Kabaka wieder in seinem Land etablieren. Doch Regierungschef Obote ließ Truppen gegen den König marschieren: King Freddie floh nach England, die Briten jedoch brauchten ihn nicht mehr und ließen ihn diesmal ohne Geld. Im Londoner Vorort Bermondsey war der Monarch als Arbeitssuchender registriert. Mittellos starb er jetzt im Exil.
WILHELM ELFES, 85. Er hall die sozial orientierte CDU des Ahlener Programms gründen; mit der unternehmerfreundlichen CDU Adenauers kam der gelernte Schmied, der im Kapitalismus die "Ursünde der Zeit" sah, übers Kreuz. Mit seinem 1953 als "außerparlamentarische" gegründeten "Bund der Deutschen" focht er gegen die Pariser Nato-Verträge und für einen deutschen Friedensvertrag. Adenauers Republik sperrte dem früheren Oberbürgermeister von Mönchengladbach (1945 bis 1951), der Kontakt und Ausgleich mit dem Osten suchte, den Reisepaß.

DER SPIEGEL 49/1969
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