03.11.1969

BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLANDGefährlichste Lücke

Klaus von Dohnanyi: „Japanische Strategien oder Das deutsche Führungsdefizit“. Piper; 188 Seiten; 12,80 Mark.
"Ein Gespenst", so fand 121 Jahre nach Marx der Bonner Wirtschafts-(jetzt Wissenschafts-)Staatssekretär von Dohnanyi, 41, "geht um in Europa -- die technologische Lücke." Doch zwölf Tage Aufenthalt in Japan belehrten ihn: "Unsere für die Zukunft gefährlichste Lücke ist nicht die technologische, sondern die Führungslücke." Die Bonner Führungskraft dehnte diese nicht gerade neue Feststellung "an wenigen Wochenenden und einigen Feiertagen" zu einem "sehr persönlichen Buch".
Wichtigste Erkenntnis des Ostasien-Trips: Nur wenn die Kanzler-Kompetenzen nach japanischem Vorbild zumindest im Bereich von Finanzplanung und Strategie des technischen Fortschritts gestärkt würden, könnten die "vor uns liegenden schwierigen Jahre" gemeistert werden.
Mit einer Häufung von à-la-mode-Begriffen wie "Technologie", "Management" und "Produktivität" hofft der Japan-Reisende jeden. der "unzufrieden ist mit unseren eigenen Fortschritten und beschwörend "Japan ruft", darüber aufzuklären, "was er damit sagt". Doch selbst Dohnanyi befürchtet: "Den Spezialisten wird der Bericht an keiner Stelle befriedigen." Nicht nur den Spezialisten nicht.

DER SPIEGEL 45/1969
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