15.01.1968

„ICH WAR SO BLÖD ...“

Der amerikanische Soziologe Chores Moskos jr. begleitete US-Infanteristen beim Einsatz in Vietnam. Über ihr Verhalten im Kampf und ihre Einstellung zum Krieg schrieb er einen Bericht, dem folgender Auszug entnommen ist:
Fragt man einen GI, warum er eigentlich in Vietnam ist, so ist die Antwort meist sehr individuell. Zum Beispiel; "Ich bin hier, weil meine Einheit hierher verlegt wurde", "Ich war so blöd und bin freiwillig Soldat geworden", "Ich war dumm genug, dem Rekrutierungs-Sergeanten zu glauben" oder "Ich war zufällig zur falschen Zeit am falschen Platz".
Und wenn man dann genauer wissen möchte, warum die USA überhaupt in Vietnam seien, dann hört man gewöhnlich, "um den Kommunismus zu stoppen". "Den Kommunismus zu stoppen" ist der einzige ideologische Slogan, den man von den Soldaten überhaupt erwarten kann. Wenn man sich schließlich weiter erkundigt" was denn am Kommunismus so schlecht sei" daß man ihn unter Einsatz des eigenen Lebens aufhalten müsse, ist der Soldat oft ziemlich ratlos. Gewöhnlich wird er seine Abneigung gegen den Kommunismus nach einigem Nachdenken damit begründen, daß er die autoritären Seiten betont. Typische Erklärungen für den Kommunismus sind. "Das ist, wenn man nicht tun kann, was man möchte." Und: "Jemand sagt dir immer" was du tun mußt." Ein Mann drückte es so aus: "Kommunismus ist genau wie die Armee.

DER SPIEGEL 3/1968
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