15.01.1968

FORDVom Preis geplant

Der Größte beauftragte eine Tochter. Sie versagte. Der Zweitgrößte beauftragte zwei Töchter. Sie könnten es schaffen.
Ford in Dagenham bei London und Ford in Köln, Tochter-Unternehmen des zweitgrößten Automobilkonzerns der Welt, haben einen neuen Kleinwagen entwickelt. Er soll mit dem allmächtigen Volkswagen konkurrieren: Der neue Klein-Ford ist der erste VW-Gegner, der bei vergleichbaren Fahrleistungen billiger oder zum gleichen Preis angeboten werden soll wie der Wolfsburger Käfer.
Ford-Sisters Abkömmling, mit 3,98 Metern Länge neun Zentimeter kürzer als der Käfer, soll der Welt in dieser Woche auf dem Brüsseler Automobil-Salon präsentiert werden. Zahlreiche Konkurrenten von Fiat über Renault bis zum britischen Rootes-Konzern -- haben bisher vergebens versucht, das seit 20 Jahren gebaute Wolfsburger Wunderaute zu übertreffen. Alle gerieten in den gleichen Teufelskreis von Qualität und Kosten: Boten sie gleichwertige Fahrleistungen und Materialgüte, so konnten sie nicht zum VW-Preis liefern. Umgekehrt erwiesen sich billigere Gegner jedesmal auch als weniger tüchtige Autos.
Selbst der Opel Kadett von General Motors, dem größten Autohersteller der Welt, verfehlte das anvisierte Ziel. Er wurde zu teuer; ebenso erging es dem 1962 als Anti-VW vorgestellten Frontantrieb-Modell Ford 12 M.
Diesmal jedoch hoffen die Ford-Leute, durch eine erste gemeinsame Entwicklung der Ford-Töchter in Köln und in Dagenham besser im Rennen zu liegen.
Resultat der Gemeinschaftsarbeit ist eine robuste, geräumige, zweitürige Limousine von sportlichem Styling, die zunächst unter dem Namen Escort (SPIEGEL 50/1967) als Nachfolger des britischen Ford-Kleinwagens Anglia im britischen Ford-Werk Dagenham produziert wird.
Für das Auto, dessen Grill im Verein mit den rechteckigen Lampenhöhlen wie ein überdimensionaler Hundeknochen wirkt, lieferten die Kölner die Getriebe, die Dagenhamer die Motoren.
Zwei Triebwerke, beides Vierzylinder-Motoren in Reihe, stehen zur Auswahl: ein 1,1-Liter-Motor (48 PS; 132 km/h) und ein 1,3-Liter-Motor (65 PS; 149 km/h). Die Brennräume sind in die Kolben eingelassen.
Alle technischen Einzelheiten verraten, daß die Produktion vom Preis bestimmt wurde. Der Antrieb -- vom vornliegenden Motor auf die Hinterräder -- ist so streng konventionell wie die starre, an biederen Blattfedern aufgehängte Hinterachse. Mit 744 Kilogramm Gewicht ist der 1,1-Liter-Escort rund 16 Kilogramm leichter als der VW 1200, hat mit 2,40 Metern den gleichen Radstand, jedoch mit nur 8,84 Metern einen viel günstigeren Wendekreis.
Die Preise des Escort waren Ende vergangener Woche noch nicht bekannt. Doch wie auch immer sie ausfallen mögen -- der eigentliche Ford-Großangriff auf den Käfer beginnt erst im Sommer, wenn auch die Kölner die Fertigung des neuen Modells aufnehmen.
Da die Kölner auch mit einem 900-Kubikzentimeter-Motor experimentieren, werden sie unter Umständen aus ihrem belgischen Zweigwerk Genk zusätzlich eine noch preisgünstigere kleinere Version anbieten, mit Sicherheit jedoch für alle belgischen Escort-Brüder einen neuen Namen -- vermutlich Ford 10 M.
Gelassen sehen die VW-Manager von ihrem Wolfsburger Verwaltungshochhaus auf die Konkurrenz herab: Nach vorübergehender Flaute hat sich VW wieder einen Marktanteil von 49 Prozent in der Käfer-Preisklasse gesichert.
Für den Notfall steht VW-Chef Heinrich Nordhoff, der "nach seinen eigenen Worten "noch viele Pfeile im Köcher" hat, außerdem eine letzte Gegenwaffe zu Gebote: Aus seinem Käfer-Preis kann er jederzeit jenes Element ablassen, das nicht einfriert, nicht kocht und Millionen Käfer köstlich kostenlos kühlt -- die Luft.

DER SPIEGEL 3/1968
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