15.01.1968

PERSONALIENJuan Carlos von Bourbon, Hermann Höcherl, Lucia Bosé, Karl Schiller, Heinrich Lübke, Semjon Zarapkin, Lucio Bosé

Juan Carlos von Bourbon, 30, Generalissimo Francos Favorit für den spanischen Theorie, verließ am Vorabend seines 30. Geburtstags (am vorletzten Freitag) Spanien. Juan Carlos, der nach Gesetz mit 30 Jahren zum König ernannt werden kann, verbrachte den entscheidenden Tag bei seinem Vater, dem Grafen von Barcelona, in dessen Exil im portugiesischen Estoril. Grund: Im Gegensatz zu Franco hält Juan Carlos seinen Vater für den rechtmäßigen Thronprätendenten. Trotzdem erklärte der Prinz nach seinem Geburtstag einer spanischen Zeitung, er werde auch gegen den Willen seines Vaters in Madrid den Thron besteigen, wenn das "für Spanien am besten" sei. Für ein Geburtstags-Bild bestellte Juan Carlos Photographen in sein Madrider Heim und führte ihnen im Garten seine Karate-Künste vor. Der Träger des braunen Karate-Gürtels zerschlug für die Lichtbildner Bretter mit der Handkante.
Hermann Höcherl, 55, Sonntagsjäger, hatte wieder Jagdpech. Der Minister, der im Dezember 1966 bei einer Diplomatenjagd einen Dolmetscher und einen Journalisten angeschossen hatte, schoß kürzlich bei einer Treibjagd zugleich mit dem Rosenheimer Industriellen Franz Hamberger auf einen Hasen -- getroffen wurde ein auf einem Traktor vorbeifahrender Landwirt. Nach der Jagd forderte Teilnehmer Franz-Josef Strauß: "Der Höcherl muß eine Strafe zahlen, nachdem er eine Person verletzt hat, die im Rahmen des Grünen Planes seiner Obhut anvertraut ist." Ex-Amtsgerichtsrat Höcherl verteidigte sich: "Es kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, von welchem Schützen das Bäuerlein getroffen wurde." Trotzdem bezahlte er freiwillig eine Runde Bier.
Lucia Bosé, 35, italienische Filmschauspielerin, will sich nach 13jähriger Ehe von ihrem Mann Luis Miguel Dominguin, 41, dem einst berühmtesten spanischen Stierkämpfer, trennen: Die Schauspielerin war überraschend mit Freunden nach einer in Madrid begonnenen Party frühmorgens auf ihr Landgut bei Toledo zurückgekehrt und hatte dort in ihrem Bett neben ihrem Ehemann eine fremde Frau entdeckt. Wortlos zündete sie das Bettzeug an. Spärlich bekleidet flüchteten der Ex-Torero und seine Freundin ins Freie. Als die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, waren beide verschwunden und waren es Ende letzter Woche noch immer. Trotzdem bat Brandstifterin Bosé aus Angst vor der Rache ihres Mannes um Polizeischutz.
Karl Schiller, 56, Bundeswirtschaftsminister, der unter dem Ruf leidet, sein Verhältnis zu den Beamten seines Hauses sei hanseatisch unterkühlt, entschloß sich im neuen Jahr spontan zu einer Goodwill- Tour durch das Ministerium. Einen Tag nach der Rückkehr aus seinem Winterurlaub in Tunesien schritt er, begleitet von zwei Staatssekretären, dem Ministerialbüro-Direktor und dem Personalrat, nach einem genauen Lageplan am letzten Dienstag dreieinhalb Stunden lang sämtliche Büros des Wirtschaftsministeriums ab und schüttelte Hände. Am längsten (15 Minuten) hielt sich der Minister in der Hausdruckerei auf. Druckereichef Bulski stellte seinen Mitarbeiter, Drucker Emil Wagner, vor: "Das, Herr Minister, ist der Mann, der Ihre Unterschrift für die Weihnachtskarten gemacht hat."
Heinrich Lübke, 73, Bundespräsident, überraschte am vergangenen Freitag während seines Neujahrsempfangs Bundestagspräsident Gerstenmaier mit der Ankündigung: "Jetzt kommt die höchste Stufe der Gäste." Gerstenmaier fragte: "Wer ist hier noch höher als ich?" Lübke: "Sie sind die zweite Stufe, draußen wartet das Kabinett mit dem Bundeskanzler."
Semjon Zarapkin, 61 (2. v. l.), Moskaus Mann in Bonn, fachsimpelte während des Münchner "Madame"-Balls am vergangenen Dienstag im Deutschen Theater mit seinem Tischnachbarn, "Madame"-Verleger und Veranstalter Dr. Hermann Heilmaier, 66 (3.v.l.), über die Darbietungen des Festabends. Als die aus 20 Tanzmädchen bestehende, weiß-blau uniformierte Prinzengarde des Münchner Faschings nach Marschmusik über das Parkett paradierte, raunte "Madame"-Chef Heilmaier dem Russen zu: "Das ist unsere bayrische Geheim-Armee." Darauf Zarapkin: "Die halten den Marschtritt besser als das Militär." Nachdem die Sängerin Virginia Vee angekündigt worden war, begehrte Zarapkin von Heilmaier zu wissen: "Wo kommt die her?" Heilmaier: "Aus Paris." Als die Stimmkünstlerin jedoch die ersten Takte von "When the samts go marchin' in" gesungen hatte, widersprach Zarapkin seinem Informanten: "Ich wette, daß die nicht aus Paris, sondern aus Harlem in New York ist. Ich kenne diesen Dialekt." Der Russe (Heilmaier: "Er spricht das nette, ruhige Amerikanisch, nicht das laute"), von 1948 bis 1954 Sowjet-Delegierter bei der Uno in New York, hatte unrecht: Virginia Vee stammt aus Santa Monica in Kalifornien und lebt heute in Paris.

DER SPIEGEL 3/1968
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