15.01.1968

KRITIK

Edmonde Charles-Roux: "Palermo vergessen ...". Der in alle Welt verkaufte Roman, der seiner französischen Verfasserin, der Botschafter-Tochter Edmonde Charles-Roux, den Prix Goncourt eingebracht hat, handelt von den Nöten und den Arrangements einstiger Sizilianer in New York. Erinnerungen an die ferne Heimat, on wütenden Stolz, natürliche Würde und edlen Zerfall mischen sich mit Höllenszenen aus dem neuen Land. Der nicht eben fest gebaute, aber forsch dahintreibende und mit Schicksal überreich befrachtete Roman nimmt energisch Partei: gegen Amerika, das Land der Künstlichkeit und der Süchte. (Wunderlich; 384 Seiten; 24 Mark.) Paul Scott: "Corrida in San Feliu". Ein englischer Romanschriftsteller, dessen Frau nicht treu gewesen ist, kommt, mit der Frau, in Spanien um. Er hinterläßt unfertige Arbeiten, an denen abgelesen werden kann, wie der Verfasser -- und wohl nicht nur dieser -- die persönlichen Erfahrungen, indem er sie als Rohstoff nimmt, im Dienst des eigenen Gewissens und der eigenen Wünsche abändert, wie er also, nur scheinbar um der Kunst willen, seine Biographie zurechtbiegt. Eine Werkstatt wird besichtigt. Doch das zu Lehrzwecken herumgereichte Material hat seinen Unterhaltungswert -- auch Scott ist Engländer. (Kiepenheuer & Witsch; 360 Seiten; 18,50 Mark.) Hortense Calisher: "Der Eindringling". Die US-Autorin hat eine Art von Hochstapler aus innerer Not zum Helden des Romans erhaben, einen Mann, der ohne Prahl- oder Gewinnsucht fremde Rollen übernimmt. Er ist damals als kleiner Leute Sohn im Haus von vornehmen, großmütigen und reichen Gönnern auf die Welt gekommen, die ihn doch nie als ihresgleichen zugelassen haben. Der Lesende merkt kaum, wie aufregend und wie, im Grunde, willkürlich die Vorgänge geraten sind. Hortense Calisher kann alles elegant verhüllen: mit klugen Überlegungen, mit Feinheiten der Seelen- und Gesellschaftskunde. (Piper; 656 Seiten; 26,80 Mark.)

DER SPIEGEL 3/1968
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