15.01.1968

KRITIK

"Bartók spielt Bartók". Über die Hungerjahre seines Exils in Amerika hat sich der 1945 verstorbene ungarische Komponist mit Klavierspiel hinweggebracht. Dieses historische Dokument der Brot-Arbeit enthält eine vergleichsweise konziliante Einspielung der radikalen Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug mit Bartóks ehemaliger Klavierschülerin und zweiten Frau Ditta Pasztory als Piano-Partnerin. Bei den plattenfüllenden Zugaben spielt Bartók den Ansager. Hauptbeteiligt: der unüberhörbar zum vollen Gebiß entwickelte Zahn der Zeit. (Turnabout TV 4159; 16 Mark.) "Hundert Mann und 1 Perfektionist". Sie gelten als die besten Symphoniker der Welt -- zu Recht. Ob der böhmisch-ungarische US-Bürger George Szell, 70, seinem Cleveland-Orchester einen slawischen Dvorák-Tonz oder die Janacek-"Fanfaren", ob er sie in der "Figaro"-Ouvertüre, im "Meistersinger"-Vorspiel, Bizet, Mendelssohn, Brahms oder Bartók dirigiert: In jedem Fall bietet er eine klare und klangharte Präzisionsarbeit. Für musikalische Ausdruckskunst haben die Cleveland-Leute wenig Sinn, um so mehr für Spannung und Bravour. (CBS 71 053; 21 Mark.) "Bretter, die die Zeit bedeuten". Die Geschichte des deutschen Kabaretts seit 1945 ist von Heinz Greul in Beispiele zerlegt worden: Die zwei Langspielplatten unterrichten nebenher auch über die in zwei Jahrzehnten mehrfach ausgewechselten Empfindlichkeiten einer nicht zu rückständigen Bürgerschicht. Der Herking Trümmerlieder (Worte: Kästner) sind tönendes Mahnmal deutschen Selbstmitleids geworden, während Meyerinck als schießwütiger General auch dank des Zitiergenies von Günter Neumann überlebt zu haben scheint. (Stern Polydor 47 832/33; 38 Mark.)

DER SPIEGEL 3/1968
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