23.01.2006

MEDIZINJoghurt gegen Aids

Milchsäurebakterien, die sich normalerweise in Joghurt oder Käse finden, könnten künftig gute Dienste als Medikamentenlieferanten leisten. US-Forschern der Brown Medical School in Providence ist es jetzt gelungen, Bakterien der Art Lactococcus lactis gentechnisch so zu verändern, dass sie das gegen HI-Viren wirksame Medikament Cyanovirin produzieren. Der Stoff führe zu einer "passiven Immunisierung", indem er Rezeptoren blockiere, mit denen die Aidserreger an Körperzellen andockten, berichten die Forscher. Auf die Vaginalschleimhaut von Frauen aufgebracht, sollen die Gentech-Bakterien effektiver und billiger als herkömmliche Gels Schutz vor Ansteckung bieten. Auch andere Forscher hoffen, statt Pillen bald Bakterien an Patienten verabreichen zu können. Der Molekularbiologe Lothar Steidler von der irischen Cork University etwa hat Mikroben entwickelt, die entzündungshemmende Interleukine bilden und künftig bei chronischen Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhaut helfen sollen. Die Produktion der Gentech-Bakterien könnte dabei eines Tages denkbar einfach sein. Steidler: "Die Medikamente ließen sich überall dort herstellen, wo Milchprodukte produziert werden."

DER SPIEGEL 4/2006
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