25.08.1969

Dringender Verdacht

Wegen "Verunglimpfung von Verfassungsorganen" erstattete Kanzler Kiesinger Anzeige gegen die "Stuttgarter Projektgruppe Presse und Information in der Apo". Gegen 35 Mitglieder des Herausgeber-Kollektivs, das eine monatliche "Plakat"-Zeitung fertigt, läuft bereits eine richterliche Voruntersuchung. In der Juli-Ausgabe hatten die Jung-Autoren eine Photomontage mit Kiesinger, Franco und Hitler (unteres Bild) gezeigt, um des Kanzlers NS-Vergangenheit und Franco-Bewunderung (Kiesinger nach einem Spanien-Besuch: "Bei Franco hat mich die präzise Analyse und die Klarheit seiner Gedanken beeindruckt") ins Bild zu setzen. Unbehindert hatte die Gruppe bereits im Januar 400 Exemplare eines Hitler-Kiesinger-Plakats (oberes Bild) gedruckt und zum Preis von 50 Pfennig verkauft. Auch das Poster NEin Mann hat seine festen Freunde" hatte zwei Wochen im Schaufenster des Stuttgarter "Club Voltaire" gehangen. Erst am Vorabend des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart beschlagnahmten Kriminalbeamte das Plakat wegen "des dringenden Verdachts ... auf ein Vergehen der Beleidigung". Gegen die Urheber der Montage wird nicht ermittelt: "Pardon" hatte im April-Heft mit dem Plakat für Spanien-Reisen geworben.

DER SPIEGEL 35/1969
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