25.08.1969

Hitler: „Dann Finis Germaniae“

"Pourquoi mourir pour Dantzig?" fragte das Pariser Blatt "L'OEuvre" Anfang Mai 1939 die Franzosen, und die meisten Franzosen waren sich einig: Sie wollten nicht für Danzig sterben.
Hitler wollte es auch nicht. "Ich müßte ein Idiot sein", sagte er seinen Generalen, wenn die Deutschen wegen Danzig und Korridor "in einen zweiten Weltkrieg hineinschlittern" würden -- "wie die unfähigen Menschen von 1914". Nicht Danzig, sondern der "Lebensraum in Rußland" war ihm "zwei Millionen" Menschenleben wert.
Aber am 1. September 1939 machte er es dann doch wie die "Unfähigen" von 1914. Er schätzte die Westmächte falsch ein, die sich ihrerseits freilich gar nicht so sicher waren. Einerseits wollten sie, ebenfalls in Erinnerung an 1914, Festigkeit demonstrieren, andererseits wollten sie sich nicht Danzigs wegen einen großen Krieg einhandeln.
So erklärt es sich, daß sie -- um Hitler zu bluffen -- die Polen täuschten, indem sie sich kriegsentschlossener gaben, als sie waren. Als die Franzosen, Mitte Mai 1939, die bestehenden Beistandszusagen für Polen präzisierten, wollten sie die gefährliche Automatik im Bündnis-Mechanismus eigentlich abbauen, Aber der französische Generalstabschef, General Maurice-Gustave Gamelin, stellte den Polen dann doch einen Blanko-Scheck aus, von dem der französische Außenminister nichts wußte.
Anfang Mai 1939 lud Gamelin den polnischen Kriegsminister, General Tadeusz Kasprzycki, zu militärischen Beratungen nach Paris ein, aber Kasprzyckis Ankunft ging ihm, wie er später schrieb, "gegen den Strich". Außenminister Bonnet bekam den Gast, der eine Woche in Paris weilte, nur ein einziges Mal zu Gesicht, bei einem Frühstück in der polnischen Botschaft, und da "bewegte sich das Gespräch im gesellschaftlichen Rahmen". Nur "zufällig" erfuhr der Minister, in welchem Maße der General Frankreich gebunden hatte.
"Gerade besuchte mich außerdienstlich unser Militärattaché in Warschau", erzählte Bonnets Kabinettschef: "Er teilte mir nebenbei mit, daß eine französisch-polnische Militärkonvention unterzeichnet worden sei."
Bonnet war "verblüfft", und der Generalsekretär des französischen Außenministeriums, Alexis Léger, der gerade bei ihm war, "wollte es nicht glauben". Er telephonierte mit Gamelin und bestätigte dann: "Es stimmt ... und es gibt sogar einen Passus, der sich auf Danzig bezieht."
Gerade das aber wollte die französische Regierung eigentlich verhindern. Sie hielt es "nicht für angebracht", dem polnischen Außenminister Beck "völlig freie Hand zu lassen". Sie erwog, Danzig den Deutschen zu geben: "Dann gewinnen wir sechs Monate Zeit."
Der von Gamelin unterschriebene Danzig-Passus lautete: "Im Falle eines deutschen Angriffs auf Polen oder im Falle der Bedrohung seiner Lebensinteressen in Danzig, welche eine bewaffnete Aktion Polens hervorrufen würde, wird die französische Armee automatisch mit ihren verschiedenen Wehrmachtsteilen in Aktion treten."
Gamelin war zwar überzeugt, daß eine französische Offensive erst "nach zwei Jahren möglich" sein würde, versprach aber gleichwohl:
* "Frankreich unternimmt sofort Luftangriffe."
* "Sobald ein Teil der französischen Streitkräfte einsatzbereit ist (etwa am dritten Tage), wird Frankreich schrittweise offensive Aktionen mit begrenztem Ziel einleiten.
* "Sobald Deutschland seine Kriegsanstrengungen hauptsächlich auf Polen konzentriert, wird Frankreich mit dem Gros seiner Streitkräfte (ab 15. Tag*) eine Offensive gegen Deutschland einleiten."
Freilich, einen Teil der Zusage wollte Gamelin sogleich wieder hinwegmogeln. Als Kasprzycki forderte, Frankreich solle eine Offensive gegen Deutschland "mit der Masse" seiner Streitkräfte ("le gros de ses forces") eröffnen, ersetzte der General "hinterlistig", wie Bonnet fand, "le" durch "les": "In der Soldatensprache aber", so der Außenminister, "setzt der Plural den Wert des Singulars herab."
Auf Einspruch der französischen Regierung teilte Gamelin dem polnischen Kriegsminister mit, die Militärkonvention trete erst in Kraft, wenn ein entsprechendes politisches Abkommen geschlossen worden sei. Nach
* Gerechnet vom Tag der Generalmobilmachung, die Frankreich am 1. September 1939 ausrief.
dem Krieg meinte der General gar, das politische Abkommen sei überhaupt nicht zustande gekommen und mithin sei die Konvention "wertlos gewesen.
Tatsächlich aber wurde das politische Abkommen am 4. September unterzeichnet weil auch die Engländer sich inzwischen verpflichtet hatten für Danzig zu kämpfen, wenngleich ebenso widerwillig wie die Franzosen. Der britische Botschafter Henderson klagte: "Was uns die Polen wohl noch alles eintragen werden."
"Le" oder "les" -- die Franzosen griffen Deutschland weder zu den abgesprochenen Terminen noch überhaupt während des Polen-Krieges an -- weder mit "le gros de ses forces" noch mit "les gros de ses forces", obgleich sie auch ohne Militärkonvention zu militärischem Beistand verpflichtet waren: durch das, so Bonnet, "äußerst klare politische und militärische" Abkommen von 1921.
Nach dem Besuch des polnischen Kriegsministers in Paris setzten französische und britische Generale in London ihre gemeinsamen Stabsbesprechungen fort, die sie am 27. März 1939, zwölf Tage nach dem Einmarsch der Hitler-Wehrmacht in die Tschechoslowakei, begonnen hatten. Aber weder die französischen Zusagen für Polen noch die britische Garantie-Erklärung vom 31. März 1939 wurden dabei erörtert.
Einig waren sich Franzosen und Briten über die Gefahr, die ihren Ländern von Deutschland drohe. "Wir würden auf Feinde stollen" urteilten sie, "die vollständiger auf einen Krieg vorbereitet wären" als sie selber, und sie rechneten gar mit einer "größeren Offensive gegen Frankreich oder England oder gegen beide".
"Unsere Strategie würde defensiv sein", beschlossen sie, die "Verteidigung des französischen Territoriums" sei vorrangig. Es werde "ohne Frage keinen übereilten Angriff auf die Siegfried-Linie" (Westwall) geben. Erst wenn Frankreich von den Deutschen angegriffen würde, sollten militärische Ziele in Deutschland wie Truppenansammlungen, Verkehrslinien und Flugplätze bombardiert werden.
"Man könne nichts mehr tun, um Polen beizustehen", stellte der britische Generalstab lapidar fest, und die an den englisch-französischen Stabsbesprechungen beteiligten Offiziere kamen in einer Grundsatzerklärung vom Juni 1939 überein: "Das Schicksal Polens wird von dem endgültigen Ausgang des Krieges abhängen ... und nicht davon, bei Kriegsbeginn den Druck auf Polen zu mildern."
Vor den Polen hielten die Westmächte derlei Einsichten und Entscheidungen auch weiterhin geheim. Mehr noch: Die Briten, die längst beschlossen hatten, nichts zu tun, sicherten den Polen vertraglich noch am 25. August "jeden Beistand" zu, auch für den Fall, daß die Deutschen nur in Danzig einmarschierten, und die Franzosen täuschten nicht nur die Polen, sondern auch sich selber,
Als Ministerpräsident Daladier am 23. August den Nationalen Verteidigungsrat befragte: "Kann Frankreich tatenlos dem Verschwinden Polens zusehen?", waren sich die versammelten Minister und Militärs einig: "Frankreich hat ... keine Wahl. Die einzige Lösung, die ins Auge gefaßt werden muß, ist die Einhaltung unserer Verpflichtungen gegenüber Polen."
Aber wie -- darüber fiel kein einziges Wort. Weder forderte die Regierung das Oberkommando auf, entsprechende Pläne auszuarbeiten, noch machte das Oberkommando von sich aus irgendwelche Vorschläge.
General Gamelin ("Die französische Armee ist bereit") gab sich optimistischer. als er in Wirklichkeit war (und getrost hätte sein können). Er wollte verhindern, "daß die pazifistischen und defaitistischen Kreise in der Regierung erneut nachgeben" würden, Die französische Regierung ("Sollten wir unser Bündnis mit Polen blind durchführen?") wollte die Entscheidung über Krieg und Frieden, die sie selber nicht fällen mochte, den Militärs überlassen: "Es kam allein dem französischen Generalstab zu, das Für und Wider abzuwägen."
Immerhin glaubte Außenminister Bonnet am 23. August, die französische Regierung habe künftig .keinen Grund mehr, an der Kraft der eigenen Armee zu zweifeln". Aber am 1. September zweifelte er dann doch wieder. Als gegen neun Uhr der polnische Paris-Botschafter, Juliusz Lukasiewicz, den Außenminister im Quai d'Orsay an Frankreichs Pflichten erinnerte, entgegnete Bonnet, er könne nichts tun, bevor nicht das Parlament zusammengetreten sei, und das könne erst am nächsten Tag geschehen. In Wirklichkeit dachte Bonnet nicht an Hilfe für die Verbündeten, sondern an Verhandlungen mit den Angreifern, was er wiederum dem Diplomaten verschwieg.
Sobald Lukasiewicz gegangen war liefen bei Bonnet "den ganzen Tag die Telephongespräche mit unseren diplomatischen Vertretungen". Es ging um den Vorschlag des italienischen Regierungschefs Benito Mussolini, der sich, wie ein Jahr zuvor während der Sudeten-Krise, "erbötig" gemacht hatte, "Deutschland, falls Frankreich und England hiermit einverstanden sind, zu einer Konferenz auf den 5. September einzuladen".
Hitler-Freund Mussolini wollte die "Ursache der augenblicklich herrschenden Unruhe" prüfen lassen, und Italiener und Engländer, Franzosen und Deutsche stimmten überein, daß Danzig und der Korridor die Ursache waren.
Bonnet, der "nicht verzweifeln" wollte, klammerte sich "an die gering-
* Im Januar 1919 in Berlin mit Frau Beck, Frau von Ribbentrop und Reichsaußenminister von Ribbentrop.
ste Friedensaussicht". Dem Duce, der unter der Hand schon am 25. August hatte mitteilen lassen, er werde Hitlers Krieg gegen Polen nicht mitmachen, ließ er bestellen, die Franzosen wünschten "eine friedliche Regelung des Konflikts zwischen Deutschland und Polen". Er forderte allerdings, daß auch die Polen, die Danzig und den Korridor abgeben sollten, aber von den Italienern nicht eingeladen worden waren, an der Konferenz teilnähmen.
"Der Gedanke an eine Lösung 'ohne Krieg', nachdem der Krieg bereits begonnen hatte", so die britischen Historiker Martin Gilbert und Richard Gott, bewegte auch die Briten. Charles Spencer vom Foreign Office fragte den schwedischen Industriellen Birger Dahlerus, der zwischen England und Deutschland zu vermitteln suchte: "Können Sie die Feindseligkeiten begrenzen?", und der britische Botschafter in Berlin, Sir Nevile Henderson, sah den Frieden gerettet, wenn sich der polnische Oberkommandierende, Marschall Edward Rydz-Smigly, statt an die Front nach Berlin begebe, um als Soldat die ganze Frage mit Generalfeldmarschall Göring zu besprechen.
Um 13.25 Uhr befand die britische Regierung dann, daß "Verhandlungen völlig indiskutabel" seien, "solange deutsche Truppen in Polen einfallen Der britische Außenminister, Lord Halifax, meinte nun, dem Konferenzplan nachzuhängen, habe "nicht mehr Sinn, als einen Toten mit Weihwasser zu besprengen".
Diese Einsicht markierte das Ende britischer Appeasement-Politik, die London betrieben hatte, seit Hitler in Berlin an die Macht gekommen war: Zugeständnisse sollten den neuen Kanzler befriedigen und das expansive NS-Reich zähmen. Zwar waren die Briten auch jetzt noch bereit, Druck auf die Polen auszuüben, aber sie beharrten auf "unverzüglichem" Rückzug der deutschen Truppen.
Die Franzosen jedoch, denen bis 1933 Versailles stets heilig war und die nach 1933 der britischen Beschwichtigungspolitik nur folgten, weil sie allein nicht marschieren mochten, wurden nun die entschlossensten Appeaser. Als Halifax am späten Nachmittag zu erkennen gab, ihm scheine "zu dieser Stunde" der Konferenzplan "kaum mehr lebensfähig", wies Bonnet seinen Londoner Botschafter, Charles Corbin, an, "zu betonen, daß ich diese Meinung nicht teile".
Am Abend mußte Bonnet die Meinung teilen, zu der Halifax am Nachmittag gekommen war. Der Duce teilte um 21 Uhr mit, wenn er weiterhin für Verhandlungen eintrete, könnte "Herr Hitler" ihn beschuldigen, "er suche ihn um einen Sieg zu bringen", und um 21.30 Uhr lehnte Polens Außenminister Beck den Konferenzplan kategorisch ab: "Wir befinden uns infolge eines unprovozierten Angriffs mitten im Krieg. Es handelt sich nicht mehr um eine Konferenz, sondern um die von den Alliierten gemeinsam durchzuführende Abwehr."
Die Franzosen dachten auch nach dem Scheitern des Konferenzplans nicht an Abwehr. Obgleich sie die Generalmobilmachung ausgerufen hatten, fand die "glanzvolle Entfaltung militärischer Macht wie etwa beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges", so der deutsche Historiker Michael Freund, "nicht statt".
Nach dem Kriege fragten sich auch die Franzosen "oft nach den Gründen der Unbeweglichkeit der französischen Armee", allerdings, so der französische Historiker André Lattreille, "ohne daß aus dieser Diskussion wirklich Klarheit hervorgeht". Immer noch bestehe die Frage, schrieb Lattreille, "ob die Franzosen einer politischen Furcht oder praktischer Unmöglichkeit nachgaben".
In Wirklichkeit besteht diese Frage schon lange nicht mehr -- so rätselhaft noch heute der französische Zickzack-Kurs während der August-Krise und bei Kriegsausbruch anmutet. Seit feststeht, wie überlegen die Franzosen im Westen waren, scheidet "praktische Unmöglichkeit" aus -- es sei denn, darunter sei zu verstehen, daß sich die Franzosen noch schwächer fühlten als die Deutschen tatsächlich waren.
Der französische Geheimdienst schätzte die Zahl der mobilisierten und ausgebildeten deutschen Soldaten auf insgesamt 4,09 Millionen Mann, tatsächlich waren es 2,6 Millionen. Er nahm an, die Deutschen verfügten über 130 bis 150 Divisionen (tatsächlich: 88 2/3) und 3500 bis 4200 Panzer (tatsächlich: 2612).
Für den Westen ermittelten die Agenten, den rund vier Millionen französischen Soldaten stünden 1,49 Millionen deutsche Soldaten gegenüber (tatsächlich: rund 900 000). Die Zahl der deutschen Divisionen am Rhein gaben sie mit 56 bis 94 an (tatsächlich: 34 2/2), und sie wollten 1500 bis 1800 Panzer ausgemacht haben -- tatsächlich gab es an der 600 Kilometer langen deutschen Westfront nicht einmal 50.
Geheimdienst-General Maurice Henry Gauché kam zu dem Schluß, "daß die französische Armee in keinem Punkt sich auch nur der geringsten Überlegenheit rühmen" könne. Aber das falsche Feindbild, für das er verantwortlich war, war nur eine Komponente des, so Franzosen-General Charles Allieret, "intellektuellen Immobilismus" der Franzosen, und keineswegs war es die wichtigste. Wichtiger waren die verheerenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und die falschen Lehren, die Frankreichs Militärs daraus gezogen hatten.
"Der Krieg von 1914 bis 1918", urteilte der französische General Jean Craplet, "wirkte sich so stark auf das Denken und den Kampfwillen aus, daß es sich gar nicht erschöpfend beschreiben läßt."
Das Dogma von der "Offensive um jeden Preis", dem sich die französischen Generale vor dem Ersten Weltkrieg ergeben hatten und dem damals auch der 42jährige Generalstäbler Gamelin anhing, das in den beiden ersten Kriegsjahren aber über eine Million Franzosenleben kostete, ohne zum Erfolg zu führen, schlug nach dem Krieg in ein ebenso starres Defensiv-Denken um, das nun wiederum den 67jährigen Oberkommandierenden Gamelin bestimmte.
Frankreichs Marschall Philippe Pétain, der "Held von Verdun" und Begründer der Theorie vom "Verschleißkrieg", erhob die "Unverletzlichkeit des Territoriums" und die "Verteidigung auf einer Festigungslinie" zu Maximen französischer Strategie." Wir sind völlig unbeweglich", kritisierte der französische Oberst Groussard: "Wir lehnen die ernsthafte Offensive ab, die notwendig gewesen. wäre, um die polnische Front zu entlasten."
Die Maginot-Linie, die französische Pioniere von 1932 bis 1936 zwischen Belfort und Montmédy erbaut hatten, war bald populärer als die moderne Panzerwaffe, deren strategische Bedeutung zuerst französische Offiziere, unter ihnen Oberst Charles de Gaulle, erkannt hatten. Nicht einmal das Wort "Offensive" stand nun noch in französischen Heeres-Dienstvorschriften.
Zwar hatte General Louis Guillaumat schon 1922 gewarnt: "Es ist gefährlich, wenn man die falsche und demoralisierende Vorstellung aufkommen läßt, daß man mit der Festung die Unverletzlichkeit eines Landes sichern kann und daß irgendwelches Material die harte Arbeit, die mit der Einstellung des Willens, der Herzen und der Hirne verbunden ist, ersetzen könne."
Aber bis zum deutschen Blitzsieg über Frankreich im Juni 1940 blieb gültig, was 1935 der französische Kriegsminister, General Louis Maurin. so formulierte: "Wenn man Milliarden für gute und solide Festungen ausgegeben hat, begeht man nicht die Torheit, einfach vorzurücken und sich in irgendein Abenteuer zu stürzen."
Daß jedoch im Herbst 1939 nicht die Offensive, sondern der Sitzkrieg das Abenteuer war, wußten nur wenige führende französische Militärs, unter ihnen Generalstabschef Gamelin: "Wenn wir jetzt zulassen", sagte er am 1. September 1939, "daß Polen vernichtet wird, werden wir uns in einigen Wochen einer noch ernsteren Situation gegenübersehen."
Aber er und die anderen ließen es zu. Sie waren, so Englands Kriegspremier Winston Churchill, "psychologisch blockiert", und Hitler war es, der sie blockiert hatte. Die deutsche psychologische Kriegführung trug bei Kriegsausbruch einen Sieg davon, den Hitler im Schießkrieg nicht hätte erringen können.
Die Frustration hatte sich schon bemerkbar gemacht, als Hitler im Herbst 1938 in München das Sudetenland verlangte und erhielt. Die Franzosen und Engländer glaubten, was die NS-Propaganda systematisch ausstreute: "Rund um die tschechoslowakische Grenze" seien "2000 Flugzeuge bereitgestellt".
Zur selben Zeit, da der deutsche Generalleutnant Erich von Manstein befand, im Kriegsfall hätten "wir weder unsere Westgrenze noch unsere polnische Grenze verteidigen können", beschwor der französische Luftwaffenchef Joseph Vuillemin seinen Premier Daladier: "Wenn es Krieg gibt, haben wir in ein paar Tagen keine Luftwaffe mehr."
In München erkannte Hitler die Symptome der alliierten Paralyse. "Die Männer, die ich ... kennengelernt habe, machen keinen neuen Weltkrieg", urteilte er, und vor hohen Offizieren der Wehrmacht, die, wie Generate 25 Jahre zuvor, einen neuen Zwei-Fronten-Krieg fürchteten, spottete er: "Frankreich gleicht einem Mann, der schwächlich ist und MG, Kanonen pp. trägt."
Nach München nutzte er den Zustand, in dem die Westmächte bis zum Kriegsausbruch verharrten, so geschickt, daß ausländische Staatsmänner und Generale fortan die eigene Stärke stets unterschätzten, die Schlagkraft der Deutschen vor allem der Luftwaffe überschätzten.
"Man strahlte den 'Adler' scharf mit Scheinwerfern an", so Luftwaffen-Generalleutnant Hans Joachim Rieckhoff nach dem Kriege, "und entsetzte sich über seinen riesigen Schatten;
Hitler bluffte: "England kann auf dem Kontinent nicht kämpfen, die täglichen Angriffe der Luftwaffe. zerschneiden sämtliche Lebensadern" und Luftwaffenchef Hermann Göring. der bei Kriegsbeginn nicht einen einzigen Bomber für die Westfront abzweigen konnte, versprach: "Ich werde mit der Luftwaffe die englische Flotte in ihren Höhlen aufstöbern und sie von Punkt zu Punkt um die Insel jagen, bis sie nicht mehr weiß, wo sie hin soll."
Franzosen und Engländer zweifelten nicht an den Prophezeiungen der NS-Größen, ja selbst renommierte Sachverständige schluckten die Droge. Fast wörtlich kehrte deutsche Kraftmeierei in Analysen und Berichten wieder:
Göring-Mitarbeiter Generalmajor Karl Heinrich Bodenschatz: "Nach Westen werden wir lediglich unsere Luftwaffe einsetzen. Vor allem werden wir versuchen, durch einen Blitzangriff gegen England die Entscheidung herbeizuführen."
Atlantik-Überflieger Charles Lindbergh nach einer Inspektion der deutschen Luftwaffen-Industrie: " Frankreich und Großbritannien würden Selbstmord begehen, wenn sie sich auf einen Krieg mit Deutschland einließen." Und: "Großbritannien wäre durch Bombenangriffe sofort außer Gefecht gesetzt,"
Der britische Generalstab traute der deutschen Luftwaffe zu, London vierzehn Tage lang täglich mit tausend Bombern anzugreifen eine Leistung, die Hitlers Luftwaffe während des ganzen Krieges nicht vollbrachte.
Frankreichs Berlin-Botschafter Robert Coulondre bedrängte seine Regierung in Paris: "Kein Land in Europa kann sich sicher fühlen, solange das Reich über eine derartige Luftüberlegenheit verfügt." Amerikanische Geheimdienstler errechneten, Deutschland habe fünfmal mehr Bomber als England.
Es gab keinen ausländischen Experten, so stellte General Rieckhoff fest, der die Kampfkraft der Luftwaffe so "niedrig taxierte, wie sie wirklich war". Und noch heute werde, so Historiker Karl-Heinz Völker vorn Freiburger Militärgeschichtlichen Forschungsamt, "der Aufbau der Luftwaffe ... als Ausgeburt des Furor teutonicus gedeutet".
So schätzte schon 1936 das amerikanische Fachblatt "Aero Digest", die Deutschen könnten im Ernstfall "jährlich 16 000 Flugzeuge produzieren: "Dies sind verblüffende Zahlen" -- es waren Zahlen, die Deutschlands Rüstungsindustrie vor Kriegsausbruch auch nicht annähernd erreichte. Die schweizerische Zeitschrift "Interavia" teilte der Fachwelt mit. Deutschland habe allein vom Oktober 1938 bis März 1939 rund 3500 Flugzeuge gebaut -- fast so viel wie Deutschland bei Kriegsausbruch besaß.
Die französische Fliegerin Madeleine Charnaux enthüllte im Sommer 1939 nach einem Besuch der Heinkel-Flugzeugwerke, "daß alle sechs Stunden" drei Maschinen "fix und fertig den Betrieb verlassen", und der französische Luftfahrtminister, Guy la Chambre, gab an. ebenfalls im Sommer 1939.
* 1936 beim Besuch des Jagdgeschwaders "Richthofen" in Döbcrits bei Berlin.
die deutsche Luftwaffe besitze "4000 Kampfmaschinen der ersten Linie, 5000 der Reserve, 3000 Hilfsflugzeuge".
In Wirklichkeit war die deutsche Luftwaffe, so Flieger-General Rieckhoff, bei Kriegsbeginn "ein Bluff". Und Luftwaffen-Forscher Völker stellte sogar fest: "Die deutsche Luftwaffe kämpfte von Anfang an auf verlorenem Posten."
Zwar war die deutsche Luftwaffe im Herbst 1939 stärker und moderner als jede andere, aber die Luftstreitkräfte der Westmächte insgesamt waren nicht viel schwächer. Deutschland besaß 1176 Kampfflugzeuge (27 mehr als England, Frankreich und Polen zusammen), 408 Zerstörerflugzeuge (250 mehr als die Westmächte), 771 Jagdflugzeuge (150 weniger als die Westmächte) und 366 Sturzkampfflugzeuge**. Und die Luftwaffe war nahezu vollzählig in Polen eingesetzt, so daß England und Frankreich den westlichen Luftraum Deutschlands unangefochten hätten beherrschen können. Nicht einmal da kriegswichtige Ruhrgebiet war hinreichend geschützt.
General Hellmuth Felmy, Befehlshaber der Luftflotte 2, urteilte kurz vor Kriegsbeginn: "Ein Vernichtungskrieg gegen England erscheint mit den bisher zur Verfügung stehenden Mitteln ausgeschlossen", ein "Luftkrieg gegen England" könnte nur "störende Wirkung" haben.
Görings Generalstabschef, General Hans Jeschonneck, rügte den Kollegen: "Mit solchen Beurteilungen macht sich die Luftwaffe unmöglich. Das ist für den Feldmarschall ein Schlag ins Gesicht" Der Feldmarschall selber ließ dem Untergebenen ausrichten, wenn er "die Luftwaffe gegen England unter Zusammenfassung aller Geschwader einsetzt, dann wird sich der Himmel über London verdunkeln".
Tatsächlich standen im Herbst 1939 für Flüge gegen Engeland nicht tausend Bomber zur Verfügung, wie der britische Generalstab befürchtete, sondern nur 18 -- Maschinen des Typs Ju (Junkers) 88, die gerade erst frontfertig geworden waren. Allein sie erzielten die notwendige "Eindringtiefe", das heißt, nur sie waren technisch überhaupt im Stande, die Insel anzugreifen und zu den eigenen Horsten zurückzufliegen. Allerdings: Die Ju 88
** In den für die Westmächte angegebenen Zahlen sind die rund 3600 zum Teil veralteten Reserve-Flugzeuge nicht enthalten.
konnte bei dieser Eindringtiefe nur zwei Bomben mitnehmen -- à 250 Kilogramm.
Diese und andere technische Mängel minderten die Stärke der zahlenmäßig überlegenen Luftstreitkräfte ebenso wie mangelhafte Flieger-Ausbildung. So konnten die 371 Kampfflugzeuge vom Typ Du (Dornier) 17 -- mehr als ein Viertel der deutschen Bomber nur eine einzige 250-Kilogramm-Bombe mitführen.
Auch die restlichen Bomber, Maschinen vom Typ He (Heinkel) 111, waren nach dem Urteil des Luftwaffen-Generalstabs zu schwach bestückt. Sie beförderten vier 250-Kilogramm-Bomben, während erst der gleichzeitige Abwurf acht solcher Bomben die von Experten errechnete Mindestwirkung erzielte. Wäre die He 111 jedoch mit der erforderlichen Sprengstofflast ausgerüstet worden, hätte sie zwei Tonnen Flugbenzin -zusätzlich an Bord nehmen müssen -- was den Bomber kampfuntauglich gemacht hätte.
Zudem war die Do 17 ebenso wie das zweimotorige Zerstörerflugzeug Me (Messerschmitt) 110 ungenügend vor gegnerischen Jägern geschützt: Beide Maschinen hatten im Heck nur ein einziges Maschinengewehr, und das hatte nur einen Schwenkbereich von 15 Grad.
Die 95 Zerstörer Me 110 mußten aber auch, wie Hauptmann Helmut Pohle, technischer Offizier im Luftwaffen-Generalstab, erkannte, aus einem anderen Grund "als Fehlkonstruktion angesehen" werden. Sie hatten nur eine "Eindringtiefe" von 450 Kilometern, die sich bei einem Luftkampf beispielsweise von nur halbstündiger Dauer auf 350 Kilometer reduzierte. Gleichwohl war die Me 110 Deutschlands bestes Zerstörerflugzeug. Bei den übrigen 303 Flugzeugen handelte es sich um einmotorige Jagdmaschinen, die lediglich wie Zerstörerflugzeuge bewaffnet worden waren, "Nur zwei Schlager glückten", stellte Flieger-General Rieckhoff fest: das Jagdflugzeug Me 109 (Bestand bei Kriegsausbruch: 743 Maschinen), die de britischen "Spitfire" bei Kriegsausbruch wenigstens ebenbürtig var, und der Sturzkampfbomber (Stuka) Ju 87 (Bestand bei Kriegsausbruch: 366 Maschinen). Nur: Der Stuka war in Auftrag gegeben worden, weil sich bei Übungsangriffen ergeben hatte, daß im Horizontalflug zuwenig Treffer erzielt wurden.
Eine Elite-Einheit der Luftwaffe schaffte 1938 beispielsweise im Hochangriff aus 4000 Metern nur ein bis zwei Prozent Treffer, im Tiefangriff zwölf bis 25 Prozent. Schlechtere Ergebnisse waren üblich. So gab es im Kampfgeschwader "Hindenburg" bei Übungsangriffen aus Höhen zwischen 1000 und 1500 Metern auf bekannte Ziele und ohne Gegenwehr Fehlwürfe von über 1000 Metern.
Im Sommer 1939 urteilte der Generalstabschef des Luftflottenkommandos 3, Generalmajor Maximilian Ritter von Pohl: "Kämpfen müssen wir jedenfalls mit mäßig ausgebildeten Verbänden."
Die Luftwaffe litt aber auch an Mangelerscheinungen, wie sie ebenso in Heer und Marine registriert wurden: zuwenig Gerät, zuwenig Ersatzteile, zuwenig Munition und ein völlig unzulänglicher Vorrat an kriegswichtigen Rohstoffen,
Das Flugbenzin reichte nur "für ein halbes Jahr", wie "eine einfache Rechnung" ergab -- so Oberstleutnant Karl Gundelach von der Bundes-Luftwaffe. Tatsächlich reichte es nicht einmal so lange. Schätzungen ergaben einen monatlichen Verbrauch von 150 000 Kubikmetern, der Generalquartiermeister forderte sogar 250 000 Kubikmeter an. Vorhanden waren aber insgesamt nur 400 000 Kubikmeter.
Auch der Bombenvorrat war unzulänglich. Als Görings Staatssekretär, Generaloberst Erhard Milch, im Mai 1939 darauf aufmerksam machte, ließ Hitler wissen, er würde "schon rechtzeitig Bescheid sagen, ob und wann wir Bomben brauchten". Und dabei blieb es.
Aber auch Heer und Kriegsmarine waren im Herbst 1939 viel schwächer, als das Ausland taxierte und viele Deutsche, die in Ihren Wohnstuben ständig von Sondermeldungen und Siegesfanfaren berieselt wurden, in Erinnerung an die Blitzsiege über Polen und Frankreich noch heute wahrhaben wollen. Die Marine war gar, so Admiral Karl Dönitz, "ein Torso", und das Heer war, so General Walther Nehring in einer demnächst erscheinenden Studie, "nüchtern betrachtet, am 1. September 1939 nicht kriegsbereit".
Von den insgesamt 88 2/3 Divisionen mit 2,76 Millionen Mann waren nur die 52 aktiven Divisionen "voll einsatzfähig". Die übrigen 36 Divisionen (zwölf Divisionen 2. Welle, 24 Divisionen 3. Welle) galten als "bedingt verwendungsfähig". Sie waren durchweg noch mit Maschinengewehren aus Weltkrieg-I-Beständen ausgerüstet, und keine ihrer Kompanien hatte mehr als sechs Prozent vollausgebildeter Stamm-Mannschaften, die Kompanien 3. Welle überhaupt keine.
1939 verfügte die Wehrmacht (wegen der erst 1935 eingeführten allgemeinen Wehrpflicht, die von den Siegern nach dem Ersten Weltkrieg verboten worden war) nur über drei Jahrgänge ausgebildeter Reservisten, 1914 waren es 25. Die Masse der Eingezogenen war älter als 40 Jahre, und der Bedarf an aktiven Offizieren konnt nur zur Hälfte gedeckt werden.
Über den Zustand der Kriegsmarine schrieb Großadmiral Erich Raeder bei Kriegsbeginn an Hitler: "In diesem Krieg ... kann das wenige, was fertig ist oder noch kriegsbereit wird, nur anständig kämpfend untergehen." Wie Wilhelms Vizeadmiral Adolf von Trotha am Ende des Ersten Weltkriegs dachte Raeder schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs an die Zukunft:
"Die Überwasserstreitkräfte sind so gering an Zahl und Stärke gegenüber der englischen Flotte, daß sie ... nur zeigen können, daß sie mit Anstand zu sterben verstehen und damit die Grundlage für einen späteren Wiederaufbau zu schaffen gewillt sind."
Raeders Resignation war durchaus begründet. Seine Kriegsmarine besaß nur zwei Schlachtschiffe und drei Panzerschiffe, die englische und französische zusammen 22 Schlachtschiffe. Sie verfügte über keinen Flugzeugträger, Briten und Franzosen über sieben. Der Bau des fast fertigen Trägers "Graf Zeppelin" wurde eingestellt, weil die Luftwaffe dafür keine geeigneten Flugzeuge liefern konnte. Den zwei deutschen schweren Kreuzern standen 22 alliierte gegenüber. Bei den leichten Kreuzern war das Verhältnis 6:61, bei Zerstörern und Torpedobooten 34:255.
Ähnliche Misere herrschte bei den Unterwasserstreitkräften. Sie waren "zur Zeit", wie Admiral Dönitz am 28. August 1939 dem Oberbefehlshaber Raeder schriftlich meldete, "nicht in der Lage, die ihnen im Kriege zufallenden Aufgaben zu erfüllen". Möglich sei lediglich, "Nadelstiche im Handelskrieg zu erzielen".
Von den 56 vorhandenen U-Booten waren bei Kriegsbeginn "zufällig" (Dönitz) 46 klar zum Gefecht, aber nur 22 davon "atlantikfähig". Die restlichen kleinen Boote von 250 Tonnen konnten lediglich in der Nordsee eingesetzt werden, was bedeutete, daß "nur jeweils durchschnittlich fünf bis sieben Boote im Atlantik am Feind sein könnten".
Hitler verkündete am 1. September 1939: Seit 1933 "sind mehr als 90 Milliarden für den Aufbau unserer Wehrmacht aufgewendet worden", und das Ausland glaubte es. Tatsächlich waren es rund 40 Milliarden Reichsmark. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels erklärte: "Der Krieg ist bei uns in jeder Pore vorbereitet und durchorganisiert." Doch das war keineswegs geschehen.
Als der Krieg begann, reichte der Munitionsvorrat -- "größter Engpaß", so Generaloberst Alfred Jodl -- nur für "10 bis 15 Kampftage = sechs Wochen".
An dem vom Oberkommando des Heeres (OKH) angeforderten Vier-Monate-Vorrat fehlten bezeichnenderweise, wie Generalmajor Georg Thomas,· Chef des Wehrwirtschafts- und Rüstungsstabes, nachrechnete, an Munition und Granaten für
* Infanteriegewehre 70 Prozent;
* Kampfwagenkanonen 95 Prozent;
* leichte Granatwerfer 88 Prozent;
* schwere Granatwerfer 90 Prozent;
* leichte Infanteriegeschütze 75 Prozent;
* schwere Infanteriegeschütze 65 Prozent;
* schwerste Artillerie 75 Prozent.
Und trotz Vier-Jahres-Plan und "Kanonen-statt-Butter"-Politik betrug die Auslandsabhängigkeit bei Nahrungsmitteln 20 Prozent; bei Fetten immer noch rund 50 Prozent. Der Chef der Generalstabsabteilung "Heeresversorgung", Oberst Eduard Wagner, stellte am 31. August 1939 fest: "Wirtschaftliche Lage außerordentlich schwierig."
Noch schwieriger wär die Lage für kriegswichtige Rohstoffe. "Unter Berücksichtigung der Altmaterialverwendung" (Thomas) mußten importiert werden: 25 Prozent des Zink- und 50 Prozent des Blei-Bedarfs. Für Kupfer, Zinn und Bauxit beliefen sich die Fehlbestände auf 70, 90 und 99 Prozent. Der Vorrat an Mineralölen und Kautschuk reichte für drei Monate beziehungsweise sechs Wochen.
Diese Wehrmacht konnte anfangs nur siegen, weil die Westmächte stillhielten und die Polen im Stich ließen. Aber auch ohne die Westmächte hätte der "18-Tage-Feldzug", der in Wirklichkeit 36 Tage dauerte, leicht länger dauern können -- wenn die polnischen Militärs nicht große Fehler gemacht hätten.
"Bei ausreichender Unterstützung durch die Verbündeten", so General von Vormann, wäre sogar ein polnischer "Vorstoß auf Berlin ... keineswegs außerhalb des Bereichs des Möglichen" gewesen. Ohne jegliche Unterstützung war Polens Krieg gegen Deutschland jedoch, so nach dem Kriege polnische Politiker, "eine frivole Absurdität".
Den Polen widerfuhr, was der französische Generalstabschef, General Gamelin, am ersten Kriegstag voraussagte, als Geheimdienst-General Gauche ihm -- "in der ernstesten und schwermütigsten Unterhaltung meines ganzen Lebens" -seine Sorgen um die französische Armee vortrug.
Der General trat vor eine Landkarte, legte die rechte Hand auf Ostpreußen, die linke auf Schlesien, ahmte dann mit beiden Armen das Zuschnappen einer Zange nach und zeigte mit dem Finger auf Warschau.
IM NÄCHSTEN HEFT
Deutscher Operationsplan gegen Polen -- Westmächte erklären den Krieg -- Der Westwall ist nicht fertig -- Nur ein Drittel der deutschen Truppen ist kampfbereit -- Militärische Aktionen der Franzosen

DER SPIEGEL 35/1969
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