25.08.1969

AUTOMOBILE / VW-PORSCHENotfalls zu dritt

Der Größte stößt vor zu den Schnellsten. Nun kann auch der Wolfsburger Riese, wie seit dem vergangenen Jahr schon Konkurrent Opel, einen Sportwagen anbieten -- der kleine Bruder Porsche in Zuffenhausen hat ihm dazu verholfen.
Wolfsburgs erster Sportwagen, der nach Monaten geheimen Testens (SPIEGEL 50/1968 und 19/1969) am 11. September vorgestellt wird, heißt VW-Porsche 914. Er soll mit einer Tagesauflage von rund 120 Exemplaren im Karmann-Karosseriewerk Osnabrück gebaut und in zwei Versionen geliefert werden:
* VW-Porsche 914 mit Vierzylinder-Einspritzmotor von VW (1,7 Liter; 80 PS; 177 km/h; 11 954,70 Mark);
* VW-Porsche 914/6 mit Sechszylindermotor von Porsche (zwei Liter; 110 PS; 200 km/h; 18 992,10 Mark).
Der Wagen hat Klappscheinwerfer, Fünfganggetriebe, Sturzbügel, ein abnehmbares Dach und zwei Kofferräume. Er bietet nach Angaben der Ingenieure ein ungewöhnlich gutes Fahrverhalten, weil der Motor als sogenannter Mittelmotor vor der Hinterachse eingebaut wurde. Dadurch entstand zwangsläufig ein Zweisitzer ohne Notsitze wie beim eigentlichen Porsche-Sportwagen. Das Auto Ist aber so breit, daß mit Hilfe eines zusätzlichen Sitzkissens notfalls auch zu dritt gefahren werden kann.
Ursprünglich sollte der Wagen, den VW bei der Sportwagenfirma Porsche entwickeln ließ, nur als VW-Sportwagen auf den Markt kommen. Den Zuffenhausenern jedoch gefiel ihr Entwurf so gut, daß sie ihn gern auch als Porsche-Version bauen wollten, um ihre teure Porsche-911-Typenreihe durch ein preisgünstigeres Modell nach unten zu ergänzen.
Den Wolfsburgern war von jeher daran gelegen, mehr vom sportlichnoblen Porsche-Image zu profitieren. Sie gründeten mit Porsche eine Vertriebsgesellschaft (Sitz: Stuttgart), die beide Zweisitzer-Versionen und auch die bisherigen Porsche-Typen verkaufen soll. Ferry Porsche mußte aber zugestehen, daß der Typ 914 und alle zukünftigen sportlichen Wagen beider Firmen unter dem fraglos nur für VW vorteilhaften Namen "VW-Porsche" auf den Markt kommen.
Einen anderen Namen, den sich das Auto schon lange vor seinem Erscheinen erwarb, möchten die Vertriebsmanager gern loswerden, weil er den "reinrassigen Sportwagen" abwerte. Der schlimme Name lautet: Volksporsche.

DER SPIEGEL 35/1969
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