25.08.1969

BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLANDVerwaiste Genossin

György Sebestyén: „Thennberg“. Desch; 156 Seiten; 15 Mark.
Ein Überlebender aus dem Konzentrationslager sucht 1945 Thennberg auf, den alten Ferienort seiner Familie. Ins neue Leben will er eine fünfzehnjährige Bettgenossin mitnehmen, die verwaiste Tochter seiner ersten Geliebten. Das Mädchen wird vom eifersüchtigen Stiefvater (und Ex-Liebhaber) erschossen. Der Mord, ein Nachzügler des Kriegs gewissermaßen, bleibt auf Jahre hinaus unverfolgt, obwohl mindestens zwei Personen den Zusammenhang durchschauen.
Der deutschschreibende Ungar Sebestyén, 38, wechselt die Zeiten und die Blickwinkel mit Schwung, er zählt die Spleens und Posen einer reichen Judensippe nach und tastet Kindheitseindrücke ab. Die Sprache, weniger fest als wallend, verdeckt oft die Begebenheiten und Probleme. Doch Wolken können aufreißen, wie gegen Ende der Novelle: "Umgebracht wurden viele ... Reg dich nicht auf, wenn Gott sich nicht aufregt, er hat ja gesagt, du sollst nicht töten, und wenn die Leute töten, was tut er? Nichts tut er. Komm."

DER SPIEGEL 35/1969
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