„EINE GROSSE HEUCHELEI“

Unter Deutschlands aufsässigen Studenten haben die Mediziner bislang die Nachhut gestellt. Abseits von den Infektionsquellen des akademischen Revolutionseifers -- den geisteswissenschaftlichen Fakultäten -- verharrten die Jung-Mediziner in konservativer Zurückhaltung. Nun aber hat die studentische Unbotmäßigkeit auch die Mediziner angesteckt. In einem Aufsatz, den er für den SPIEGEL schrieb, übt der Hamburger Medizinalassistent Dr. Ekkehard von Seckendorff, 28, scharfe Kritik an der Ausbildung und den Examens-Praktiken für angehende Arzte. Mediziner von Seckendorff, der in Berlin, Zürich und Hamburg studiert und im Januar 1968 das Staatsexamen mit der Beurteilung „sehr gut“ bestanden hat, schätzt den Wert seines Diploms niedrig ein. Im Staatsexamen werde dem Kandidaten „allenfalls eine Bescheinigung“ ausgestellt, „daß er eine bestimmte Zeitspanne am Studium teilgenommen hat“.

DER SPIEGEL 16/1969

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