02.06.1969

BUNDESPRÄSIDENT / GESCHENKEDas Ding

Altersheime und Waisenhäuser rund um Bonn erhielten in den letzten Wochen exotisches Gebrauchsgut gratis frei Haus. Absender der Sandalen, Ledertaschen und Textilien: die Villa Hammerschmidt.
Denn Bundespräsident Heinrich Lübke, der am 30. Juni in Pension geht, räumt auf. Was der unermüdliche Staatsbesucher (14 Reisen in 30 Länder) in zehn Jahren Amtszeit an Gastgeschenken einsammelte und was ihm von Gästen nach Bonn mitgebracht wurde -- "fiskalisch erfaßtes Ehrengut", so Lübkes Pressereferent Erich Raederscheidt -, teilt er unter Assistenz seines persönlichen Referenten Hermann Sehrbrock säuberlich in: das winzige Persönliche und das erkleckliche Amtliche. Dabei schaffte er zugleich Platz für den Geschenk-Segen, der seinen Nachfolger Gustav Heinemann erwartet.
So übergab Lübke zum Beispiel Lanzen, Schilde, Skulpturen und Plastiken aus afrikanischen Staaten der Deutschen Stiftung für Entwicklungsländer zur Ausschmückung in der ehemaligen Borsig-Villa in Berlin-Tegel. Eine wertvolle, viereinhalb Jahrtausende alte Alabaster-Vase aus Ägypten erhielt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.
Ministerialdirektor Albert Einsiedler, bis zum 30. Juni Leiter des Präsidialamtes: "All die Sachen, die in keiner Asservatenkammer zu verwahren sind, weil sie dort vergammeln würden, haben wir gleich zweckentsprechend und sinnvoll fortgegeben."
Tiere wie zum Beispiel ein Löwe, Geparden, Kronenkraniche und Affen, die Lübke bei seiner Staatsreise nach Tschad und Niger im Februar dieses Jahres geschenkt bekommen hatte, wanderten in die zoologischen Gärten von Köln, Berlin, München, Saarbrücken und Wuppertal.
Unter allen Geschenken hatten Heinrich und Wilhelmine Lübke eins besonders liebgewonnen: einen alten französischen Gobelin, den anläßlich des triumphalen Staatsauftritts von Charles de Gaulle 1962 in Westdeutschland Madame de Gaulle der Frau des Gastgebers überreicht hatte. Den Wandteppich, der tanzende Chinesen vor Pagode und Teehaus zeigt und auf 20 000 Mark Wert geschätzt wird, wollen die Lübkes in ihr Eigenheim auf dem Bonner Venusberg mitnehmen -- und zwar auf Lebenszeit als Dauerleibgabe des Staates.
Auf des Präsidenten Wunsch hatte sich der inzwischen als Botschafter an den Vatikan abgewanderte Präsidialamts-Staatssekretär Hans Berger im April vom Präsidenten des Bundesrechnungshofes Volkmar Hopf "ein allgemeines Rechtsgutachten" erbeten. Hopf sollte darüber Auskunft geben, ob Teppich-Verleih und Spenden-Aktion Rechtens seien. Er fand: ja.
Was den Gobelin anging, so könne man schließlich "die Eigenart der auf die Person bezogenen Widmung bei den Geschenken nicht außer acht lassen. Auch als Ex-Präsident habe Lübke Anspruch auf persönliche Ausstattung.
Keine Verwendung fand Lübke bisher für einen Rohdiamanten im Wert von 100 000 Mark, den Generalleutnant Mobutu, Präsident von Kongo-Kinshasa, im März in Bonn abgeladen hatte. Denn: Ausgestellt könne der Diamant nicht werden, da das aufwendige Sicherheitsvorkehrungen erfordere; andererseits, so Lübke, "kränkt es die Kongolesen vielleicht, wenn wir das Ding verkaufen und den Erlös der Stiftung "Hilfe in Not zukommen lassen".
Vorschlag eines Beraters: das Problem auszuklammern und Gustav Heinemann zu überlassen.

DER SPIEGEL 23/1969
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