05.05.1969

GESTORBENMARKIAN MICHAILOWITSCH POPOW

MARKIAN MICHAILOWITSCH POPOW, 67, seit 1955 Generalstabs-Chef des sowjetischen Heeres, Deputierter des Obersten Sowjet, am 22. April unter nicht näher bezeichneten "tragischen" Umständen. Der "Held der Sowjet-Union" und vierfache Inhaber des Lenin-Ordens, Rotarmist seit seinem 18. Lebensjahr, wurde 1954 Mitglied des Zentralkomitees der ukrainischen KP.
ANATOLIJ KADOMTSCHEW, 49, Generalleutnant, laut "Tass"-Meldung vom 29. April "in Erfüllung seiner Pflicht", zu unbekanntem Zeitpunkt. Kadomtschew, seit seinem 19. Lebensjahr Angehöriger der Sowjet-Luftwaffe, war Kommandeur der sowjetischen Luftabwehr-Flotte.
TIMOFEJ ANTONOWITSCH NAIDENKOW, 71, Generalmajor der sowjetischen Artillerie, laut Militärzeitung "Roter Stern" vom 23. April nach schwerer Krankheit. Der gebürtige Ukrainer, Träger des Lenin-Ordens und vierfacher Inhaber des Rotbanner-Ordens, trat 1953 in den Ruhestand. Seine Todesanzeige unterzeichnete Sowjet-Parteichef Breschnew.
WALENTLIV ANTONOWITSCH PENKOWSKI, 65, Armee-General und Vize-Verteidigungsminister der UdSSR, Kandidat des Zentralkomitees der KPdSU, am 26. April "nach schwerer Krankheit". Mit 16 Jahren trat er in die Rote Armee ein. 1958 war er Befehlshaber des Wehrkreises Fernost und später von Weißrußland, dessen Partei-ZK er angehörte. Der zweifache Träger des Lenin-Ordens und fünffache Inhaber des Rotbanner-Ordens war Großonkel des Obersten Oleg Penkowski, der 1963 wegen Spionage für den Westen hingerichtet wurde.
DMITRIJ ALEXANDROWITSCH RUSSAXOW, 73, Generalmajor der Technischen Truppen, laut "Roter Stern" vom 26. April "überraschend". Der Inhaber des Lenin-Ordens, Staatspreis-Träger und Deputierte des Moskauer Stadtsowjets arbeitete bis zum letzten Tag in der Kriegswissenschaftlichen Gesellschaft beim "Zentralen Haus der Sowjetarmee".
ANDREJ STEPANOWITSCH STRUJEW, 65, Generalmajor der sowjetischen Artillerie-Reserve, laut "Roter Stern" vom 27. April nach langer Krankheit. Der Träger des Lenin-Ordens und fünffache Inhaber des Rotbanner-Ordens, seit seinem 15. Lebensjahr Rotarmist, gehörte dem zentralen Apparat des Verteidigungsministeriums an.
RENÉ BARRIENTOS ORTUÑO, 49. Öfter als an seinem Schreibtisch im Quemado-Palast von La Paz hatte der bolivianische Präsident und Fliegergeneral am Steuerknüppel seiner Flugzeuge und Helikopter gesessen -- immer unterwegs. auch im letzten Anden-Tal politisch unaufgeklärte Indio-Bauern für sich zu mobilisieren. Mit Hilfe von Bauern-Milizen wollte sich Barrientos, der in den letzten fünf Jahren fast ein Dutzend Attentate überlebt hatte, gegen Umsturzversuche schützen. Der ehemalige Luftwaffenchef selbst war 1964 nach einem Militärputsch gegen Präsident Paz Estenssoro an die Macht gekommen. Zwei Jahre später suchte der athletische General in Wahlen den Schein demokratischer Legitimation, doch er unterdrückte weiterhin jede Opposition: Militärs zerschlugen Aufstände der Zinnminenarbeiter, kerkerten 1967 den französischen Guerilla-Ideologen Régis Debray für 30 Jahre ein, exekutierten im gleichen Jahr den Guerillaführer Che Guevara und ersetzten 1968 alle zivilen Politiker in Barrientos Kabinett. Als der Staatschef am vorletzten Sonntag mit seinem Hubschrauber "Holofernes" abstürzte, war der Weg frei für einen anderen General: den Armeechef Alfredo Ovando Candia. Spätestens nach den Wahlen im Mai nächsten Jahres wird der Barrientos-Rivale als einziger Kandidat die Herrschaft in La Paz übernehmen.
JULIUS KATCHEN, 42. Er war ein Pianist der Rekorde: Als erster spielte der Amerikaner das gesamte Solo-Klavierwerk und die Klavierkonzerte von Johannes Brahms auf Schallplatten, dann umrundete er mit dem jeweils in einem Vier-Abende-Zyklus dargebotenen Sonaten-, Balladen-, Walzer-, Rhapsodien- und Variationen-Programm dreimal die Erde. Von seinen Weltreisen brachte Katchen, der einst als Wunderkind von der amerikanischen Musik-Society verwöhnt worden war, einige tausend Miniatur-Schnitzereien, sogenannte Netsuken, mit, die er in seinem Pariser Dachgarten-Appartement verwahrte und einmal im Monat abstaubte. Als Figurinen-Experte war er ebenso erstklassig wie als Brahms-Interpret.

DER SPIEGEL 19/1969
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 19/1969
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
MARKIAN MICHAILOWITSCH POPOW