10.03.1969

BERUFLICHESGOLDA MEIR

GOLDA MEIR, 70, Israels prominenteste Politikerin, wurde Regierungschef. Als sie noch Außenminister war hatte sie gescherzt: "Ich werde mich aus der Politik zurückziehen, wenn ich Zeit dazu habe." Im Sommer vergangenen Jahres meinte sie, die Zeit sei gekommen. Nach 17 Dienstjahren als Arbeits- und Außenminister trat Golda Meir ab und gab auch das Amt des Generalsekretärs der Vereinigten Arbeiterpartei auf. Doch die Arbeiterpartei holte die "starke, findige, aber trotzdem milde Schutzpatronin" ("Times") in die Politik zurück. Am Freitag vergangener Woche wählte das Zentralkomitee einstimmig Golda Meir zum Ministerpräsidenten und Nachfolger des verstorbenen Premiers Levi Eschkol. Neben Indiens Premier Indira Gandhi ist Golda Meir nun die einzige Frau an der Regierungsspitze eines Staates. Schon in jungen Jahren hatte sie in den Vereinigten Staaten -- ihre Eltern waren 1906 aus der Ukraine ausgewandert -- als Straßenrednerin für die Wiedergeburt des jüdischen Staates in Palästina gekämpft. 1921 wanderte sie nach Palästina ein und half beim Aufbau der Gewerkschaftsorganisation Histadrut. Israels erster Ministerpräsident, David Ben-Gurion. schickte Golda Meir Anfang 1948 -- wenige Monate vor der Staatsgründung Israels -- in die Vereinigten Staaten, wo sie 100 Millionen Mark für Waffenkäufe auftreiben sollte. Golda Meir kam mit 200 Millionen zurück. "Die Geschichte wird einmal feststellen", lobte Ben-Gurion, "daß eine jüdische Frau die Mittel für die ersten Schritte des neuen Staates aufbrachte."
LLOYD BUCHER, 41, Kommandant des von Nordkoreanern aufgebrachten US-Spionageschiffs "Pueblo", kann aus seiner Gefangenschaft Kapital schlagen. Der Skipper und seine Mannschaft, die noch von einem Navy-Ausschuß vernommen werden, haben nach verschiedenen Angeboten von Buchverlagen nun auch Offerten von zwei Film-Firmen und einer Fernsehgesellschaft" die "Pueblo"-Story zu verfilmen. Das Höchstgebot aus Hollywood: eine Million Dollar. Bucher, der bis zum Abschluß de amtlichen Untersuchung nicht mit Journalisten sprechen darf, will seine Entscheidung über die Angebote davon abhängig machen, wie die Marine-Kommission sein Verhalten in Korea beurteilen wird und ob er in der Navy bleiben kann.
CURTIS LEMAY, 62, pensionierter US-Luftwaffengeneral und entlassener Aufsichtsratsvorsitzender der kalifornischen "Networks Electronic Corporation", klagte gegen seinen früheren Arbeitgeber, "Electronic"-Chef Mihai D. Patrichi LeMay, Befürworter eines totalen Bombenkriegs gegen Nordvietnam, war von Patrichi gefeuert worden, weil er sich als zweiter Mann des Rassisten George Wallace um die Vizepräsidentschaft beworben hatte (worauf die "Electronic"-Aktien im Wert um 20 Millionen Mark sanken). Der General, der von Patrichi ein Jahressalär von 200 000 Mark bezogen hatte, nach seiner Entlassung großzügig." Wir erwarteten irgendeine Art van Opfer." Jetzt will er sich sein Opfer honorieren lassen: LeMay fordert von seinem früheren Arbeitgeber 21,2 Millionen Mark Schadenersatz.
SEAN CONNERY, 38, Ex-"James Bond", spielt die Hauptrolle in einem sowjetisch-italienischen Film. Der Entschluß des Schotten, sich endgültig von der Rolle des Geheimagenten zu trennen, war seinerzeit von der Moskauer "Sowjetskaja Kultura" gelobt worden: "Connery verstand, daß keine Gage die Verschwendung von Zeit und Talent kompensieren kann." Sein Talent kann der Darsteller jetzt in der sowjetisch-italienischen Koproduktion "Das rote Zelt" beweisen. Connery stellt in dem Film über eine Nordpol-Expedition den norwegischen Forscher Roald Amundsen dar.

DER SPIEGEL 11/1969
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GOLDA MEIR

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