20.02.2006

SRI LANKA„Europa muss mehr tun“

Mahinda Rajapakse, 60, seit November vorigen Jahres Präsident des südasiatischen Inselstaats, über die Friedensgespräche mit der Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die diese Woche nach dreijähriger Unterbrechung in Genf wieder aufgenommen werden
SPIEGEL: Die EU hat die Rückkehr an den Verhandlungstisch gefordert. Welche Unterstützung erhoffen Sie sich aus Brüssel?
Rajapakse: Die EU hat bereits gewisse Schritte unternommen, sie hat sich etwa nach der Ermordung unseres Außenministers im vergangenen August geweigert, Delegationen der Tamil Tigers zu empfangen. Aber sie muss mehr tun; sie sollte so handeln, als ob ihre Länder selbst vom Terrorismus dieser Rebellen bedroht wären.
SPIEGEL: Einen eigenen Tamilenstaat haben Sie ausgeschlossen. Was für eine Lösung schwebt Ihnen denn vor?
Rajapakse: Wir können die Macht teilen, wir reden über Selbstverwaltung oder eine föderalistische Ordnung. Wir können auf dieser Basis ein neues Modell
finden. Aber ein separates Heimatland für die Tamilen kann es nicht geben. Sri Lanka ist Heimat für alle seine Bürger.
SPIEGEL: Eines der größten Hindernisse für einen dauerhaften Frieden mit den Tamil Tigers sehen internationale Beobachter in den ständigen Streitigkeiten unter den srilankischen Parteien in Colombo.
Rajapakse: Das größte Hindernis war die wiederholte Verletzung des Waffenstillstands durch die Tiger. Es stimmt, die Parteien hatten sehr unterschiedliche Meinungen, was die Fortsetzung des Friedensprozesses angeht, aber über die Gespräche in Genf besteht jetzt weitgehender Konsens. Alle Parteien unterstützen mich.
SPIEGEL: Die Rebellen werfen Ihnen vor, mit Geld und Waffen den abtrünnigen tamilischen Rebellenoffizier Karuna zu unterstützen, der die Tamil Tigers auf eigene Faust bekämpft.
Rajapakse: Meine Regierung hat nichts mit diesen Paramilitärs zu tun. Sogar die norwegischen Friedensbeobachter haben festgestellt, dass die sri-lankische Armee keine Verbindung mit ihnen unterhält. Wir sind verpflichtet, solche Gruppen zu entwaffnen und gegen sie vorzugehen. Damit haben wir begonnen.

DER SPIEGEL 8/2006
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