05.02.1968

Datum: 5. Februar 1968 Betr.: Porst

Wenn schon nicht auf die Studenten -- ist wenigstens Verlass auf die deutschen Millionäre? "Ich habe den Freien Demokraten für ihren Wahlkampf Geld gegeben und der SED Beiträge bezahlt", erklärte Hannsheinz Porst dem SPIEGEL. Die Parallele gerät ins Schwanken: Knapp zwei Dutzend deutsche Zeitungen, einige ausländische dazu und das Fernseh-Magazin "Report" haben sich an die SPIEGEL-Affäre erinnert gefühlt, als die Bundesanwaltschaft den Nürnberger Photo-Händler Hannsheinz Porst wegen des Verdachts landesverräterischer Beziehungen verhaftete, später wieder freiliess und einstweilen immer noch nicht konkretisieren konnte, was ihm eigentlich vorzuwerfen sei. Allerdings, die vermutete Parallele wurde recht verschieden akzentuiert. NEin Abgrund kommt selten allein", ironisierte die Nachrichtenagentur United Press International (Upi) "während Straussens "Bayern-Kurier" sicher ist, "die Bundesanwaltschaft hat aus der SPIEGEL-Affäre so viel gelernt, dass man ihr nicht unterstellen kann, sie beantrage leichtfertig eine spektakuläre Verhaftung".
Als der SPIEGEL-Redakteur Axel Jeschke am vergangenen Montag Hannsheinz Porst in Nürnberg besuchte, lehnte der beschuldigte Millionär zwar ab, sich in irgendeiner Weise zu seinem Verfahren zu äussern, überlegte aber doch den Vorschlag, ob er dem SPIEGEL nicht eine
Erklärung geben solle, was er getan habe. Am Dienstag waren dann schon drei Mann vom SPIEGEL zur Stelle: der Ressortchef Manfred W. Hentschel, Axel Jeschke und, vom Wirtschafts-Ressort, Hellmut Hartmann. Am Donnerstag, nach gemeinsamer Benutzung der Porst-Sauna und gemeinsamer Besichtigung seiner Fasanerie (Porst: EDer Rennstall des kleinen Mannes"), war Hannsheinz Porst ausgefragt (siehe Titelgeschichte Seite 21) und die von Porst verfasste Erklärung fertig, die auf Seite 29 dieses Heftes veröffentlicht wird.
Den Kunden, denen der Millionär Porst seine Werbebriefe ins Haus schickt -- "Wenn Sie diesmal nicht bestellen, dann fresse ich einen Besen" -, ist es sicherlich eine Überraschung zu hören, dass sich der Absender zum
Marxismus bekennt, aber in der Dialektik gibt es unauflösbare Widersprüche. Und ganz gewiss hat Porst recht mit seiner Bemerkung, dass die puren Marxisten nicht nur in der Bundesrepublik, sondern ebenso in der DDR in Schwierigkeiten geraten können.

DER SPIEGEL 6/1968
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