05.02.1968

PUEBLO-POSITION

Das amerikanische Erkundungsschiff "Pueblo" befand sich nach chinesischer Seerechts-Auffassung eindeutig in nordkoreanischem Hoheitsgebiet. Die Position des Schiffs lautete nach Angaben der US-Regierung: 1270 54' O und 35° 25' N. Dieser Standort liegt nach amerikanischer Auffassung in internationalen Gewässern, außerhalb der 12-Meilen-Zone, die von kommunistischen Staaten als Hoheitsgebiet beansprucht wird, aber auch von Island, Indonesien, drei nordafrikanischen und drei südamerikanischen Staaten (Chile: 50 Meilen). Die "Pueblo" befand sich 15,3 Seemeilen von der nordkoreanischen Ung-Insel entfernt, von der aus die US-Regierung die 12-Meilen-Distanz rechnete. Offenbar rechnen jedoch die Nordkoreaner anders: Schon in einer vor zehn Jahren von Peking erlassenen Deklaration wird präzisiert, daß die Hoheitsgrenzen auf See nicht dem natürlichen Umriß des Landes folgen, sondern geraden Linien, die hervorstechende Landpunkte miteinander verbinden. Diese "Straight Baselines Method" deren Übereinstimmung mit dem Völkerrecht der Internationale Gerichtshof 1951 bestätigt hat -- wird von Norwegen, Island und Indonesien angewendet; ihre Übernahme durch Rotchina seit dem 4. September 1958 -ausführlich erläutert in der englischsprachigen "Peking Review" -- macht es wahrscheinlich, daß auch Nordkorea dieses Verfahren in Anspruch nimmt. Danach befand sich die "Pueblo" innerhalb der 12-Meilen-Grenze, in nordkoreanischen Hoheitsgewässern, als sie zum Stoppen gezwungen wurde.

DER SPIEGEL 6/1968
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