05.02.1968

Kritik

Wolfgang Amadeus Mozart: "Le Nozze di Figaro". Frisch stereorisiert, erscheint unter neuem Label die alte "Figaro"-Aufnahme der Glyndebourner Festspiele, die einzige, die sich mit dem Platten-Klassiker des verstorbenen Erich Kleiber messen kann. Feuer und Witz des Dirigenten Vittorio Gui, die Spielfreude des Ensembles -- Sena Jurinac als Gräfin, Graziella Sciutti als Susanna und Franco Colabrese als Graf -- verwandeln das tiefsinnig mißdeutete Rokoko-Prunkstück wieder zurück in die burleske Buffonerie, zu der es gehört. (Regal SREG 1060/63; 40 Mark.) Gabriel Fauré: "Sonate Nr. 2 g-Moll". Auf einem Guarneri-Instrument spielt der französische Cellist Jean Decroos, begleitet von Danièle Dechenne, die zweite Cello-Sonate des in Deutschland wenig bekannten französischen Komponisten. 1921, kurz vor seinem Tod, schrieb Fauré eine klare, strenge Musik, ohne revolutionäre Geste und ohne das Übersoll an Emotion seines Geistesverwandten Brahms. Decroos beherrscht das Werk -- ebenso wie die Cello-Sonate von Debussy auf der Rückseite -- mit einer an Casals geschulten Deklamation. (Iramac 6513; 25 Mark.) Herbie Mann: "The Beat Goes On. Swing-Trompeter Clark Terry, Saul-Saxophonist King Curtis, Free-Jazz-Gitarist Attila Zoller, Streicher und Perkussionisten begleiten den Flötisten Mann, 37, in "Territorien, wo die Eingeborenen immer freundlich sind" ("Playboy"). Mann, einst Bossa-Nova-Großverdiener, mixt aus Popthemen, Jazz-Phrasen" Beat und Rock"n"Roll einen verträglichen "Jazz on the Rocks". Für den eventuellen Kater empfiehlt sich der Mann-Titel "Na Matter What Shape" -- er ist die TV-Werbemelodie von Alka-Seltzer. (Atlantic SD 1483; 19 Mark.)

DER SPIEGEL 6/1968
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