03.03.1965

„SA-KAPELLE SPIELT KIRCHENMUSIK“

Am 23. August 1933 richtete die Gauleitung Berlin an die Reichskanzlei folgen des Schreiben:
Die gewollte Passivität der Geistlichen ist die Ursache, daß heute noch ein sehr großer Teil der katholischen Bevölkerung in der nationalsozialistischen Bewegung den Feind der Katholischen Kirche sieht. Da aber die Mehrzahl der Katholiken nationaler Gesinnung ist, wird eine erlösende Tat von seiten der Kirche alle inneren Hemmungen bei diesen Katholiken beseitigen und sie zu überzeugten Anhängern unserer Bewegung machen.
Von seiten der höheren Geistlichkeit ist eine solche Tat nicht zu erwarten, sie muß daher durch uns herbeigeführt werden. Wir haben uns deshalb mit dem päpstlichen Nuntius Exzellenz Orsenigo in Verbindung gesetzt und in uns gewährten Audienzen folgendes erreicht:
Der päpstliche Nuntius wohnt am Sonntag nach der Ratifizierung des Konkordates im Hedwigsdom einem feierlichen Hochamt bei, singt das Tedeum und erteilt den Segen. Ein nationalsozialistischer, katholischer Geistlicher hält die Festpredigt.
Die katholischen SS-Männer und SA-Männer Berlins nehmen geschlossen an diesem Festgottesdienst teil. Sturmfahnen der SA nehmen zu beiden Seiten des Altares Aufstellung und behalten ihre Plätze auch während des Tedeums und der Ausstellung des Allerheiligsten bei.
Während das Hochamt im Hedwigsdom zelebriert wird, wird auf dem Opernplatz eine deutsche Singmesse abgehalten. Eine SA-Kapelle spielt die Kirchenmusik.
Die Predigt wird durch Lautsprecher aus der Kirche auf den Opernplatz übertragen. Das Tedeum (Großer Gott wir loben Dich) wird von den Teilnehmern auf dem Opernplatz unter Begleitung von SA-Musik gesungen.
Außer den SA- und SS-Männern, sowie der gesamten katholischen Parteigenossenschaft, wird das ganze katholische Berlin auf dem Opernplatz versammelt sein; denn auch das bischöfliche Ordinariat lädt die Gläubigen zu diesem Dankgottesdienst ein.
Diese Kundgebung von gewaltigstem Ausmaße, die die feierliche Anerkennung der nationalsozialistischen Bewegung durch den Stellvertreter des Heiligen Vaters bedeutet, wird den deutschen Katholiken schlagartig zeigen, daß alle früheren Vorwürfe der Zentrumsgeistlichen gegen die nationalsozialistische Partei zu Unrecht gemacht wurden. Millionen Volksgenossen werden, von inneren Hemmungen befreit, an diesem Tage Anhänger unserer Bewegung werden.
Um die ungeheure propagandistische Wirkung noch mehr zu unterstreichen, regen wir an, einen Sonntag später, also am zweiten Sonntag nach Austausch der Urkunden, ähnliche Gottesdienste in allen größeren Kirchen des ganzen Reiches abzuhalten.
Die katholische Geistlichkeit kann diesem Verlangen der Gaupropagandaleitung keinen Widerstand mehr entgegensetzen, nachdem durch den Heiligen Stuhl dieser Präzedenzfall geschaffen ist. Heil Hitler! gez. Sartorius
Leiter der Abteilung R.-V.

DER SPIEGEL 10/1965
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