06.11.1963

FORD 12 M: WÄRMEHALLE MIT FRONTANTRIEB

Der SPIEGEL veröffentlicht die Ergebnisse einer Untersuchungsreihe, in der jeweils 3000 Automobilbesitzer über Vorzüge und Mängel der von ihnen gefahrenen deutschen und ausländischen Modelle befragt werden. Die neunte Umfrage gilt dem Ford Taunus 12 M. Die befragten 12-M-Besitzer haben den Wagen im Durchschnitt sieben Monate lang gefahren und mit ihm 4995 Kilometer zurückgelegt*.
Mit ihrem "Big-Look"-Kraftwagen 12 M kamen die Ford-Leute ohne Zweifel unterschwelligen Konsumentenwünschen nach höherem automobilistischem Ansehen weiter entgegen, als irgendeine andere Automobilfabrik in dieser Preisklasse. "Er vermittelt irgendwie das. Gefühl, einen Wagen der oberen Mittelklasse zu fahren", erläuterte ein Käufer. Mehr oder minder deutlich lassen die Kommentare der befragten 12-M-Fahrer zur Frage nach den Kaufgründen diesen Schluß zu.
Präziser formulierte Argumente wie: "Höherer Geltungsnutzen als VW" (so ein Angestellter) veranschaulichen überdies, daß Ford mit seinem Taunus 12 M offenkundig eine günstige Kombination erwerbslustfördernder Eigenschaften gelungen ist, der sich auch (oder gerade) ehemalige VW-Besitzer nicht verschließen können. Und die Steigerung "größer, schneller, geräumiger, schöner, heller, fortschrittlicher, moderner" dürfte sehr häufig durch den Zusatz "als der VW 1200" zu ergänzen sein. Für 79,9 % der Befragten ist er der erste Ford, für nur 14,0 % aber der erste Wagen überhaupt.
Die Geräumigkeit des 12 M liegt denn auch mit 59,2 % an der Spitze aller nüchtern faßbaren Erwerbsgründe. Wie stark sich freilich Gefühl und optischer. Eindruck größerer, Geräumigkeit kaufentscheidend auswirkten, wird durch Vergleiche erkennbar: Der. 12 M ist dem VW 1200 zwar in der Ellenbogenbreite auf den Vordersitzen um rund zehn Zentimeter überlegen, doch fast alle übrigen Innenmaße unterscheiden sich, positiv wie negativ - nur geringfügig.
Erst in zweiter Linie (50,0 %) ließen sich die 12-M-Fahrer von der Form zum Kauf verleiten, doch war ihnen der Kofferraum . (49,6 %) kaum weniger wichtig. Von der Preiswürdigkeit des Wagens - mit dem Slogan "Viel Auto fürs Geld" nicht ungeschickt propagiert
- zeigten sich 40,8 % überzeugt. Noch vor der zu erwartenden Wirtschaftlichkeit (28,0 %) rangiert jedoch mit 29,8 % ein rein technisches Kaufmotiv: der von den Kölner Ford-Technikern zum erstenmal angewendete Frontantrieb**.
Weitere Kaufgründe: die Bequemlichkeit (15,8 %), die Straßenlage (9,6 %), die Größe (9,0 %), die geringen Wartungsansprüche (8,8 %), der gute Ruf der Firma Ford (7,8 %), die Heizung (7,4 %) und die Zufriedenheit mit vorher besessenen Ford-Fahrzeugen (7,2 %).
"Die Firma Ford sollte... nicht so große Reklame mit dem Benzinverbrauch des 12 M machen", kritisierte ein Schwarzwälder Angestellter den Durst seines Autos und vermerkte, sein 12 M (Normverbrauch: 7,5 Liter auf 100 Kilometer) verbrenne "in Wirklichkeit 10,5 bis 11,0 Liter".
Tatsächlich beweisen die ermittelten Prozente der Verbrauchsgruppenauszählung -
7,9 Liter und weniger - 10,7 %
8,0 bis 8,4 Liter - 20,9 %
8,5 bis 8,9 Liter - 23,2 %
9,0 bis 9,4 Liter - 20,7 %
9,5 Liter und mehr - 24,5 %
-, daß der 12 M im Verbrauch auf die individuelle Fahrweise des einzelnen offenbar deutlicher als andere Autos reagiert. Bei einem Gesamtdurchschnitt aller Verbrauchsangaben Von 8,86 Litern auf 100 Kilometer ergab sich zwischen normalem Tankstellenbenzin (85,2 % der Befragten) und Superkraftstoff (11,5 %) nur eine minimale Verbrauchsdifferenz: Die Super-Tanker kamen mit 0,34 Liter weniger aus. Der Rest von 3,3 % (Verbrauch: 8,80 Liter) setzt sich aus Mix-Tankern und aus Ford-Besitzern zusammen, die abwechselnd Normalbenzin und Superkraftstoff fahren.
Im Gegensatz zur Normtreue des Verbrauchs wird die Straßenlage -
ausgezeichnet - 31,0 %
gut - 49,8 %
zufriedenstellend - 13,6 %
ausreichend - 4,4 %
unbefriedigend - 1,2 %
- von den 12-M-Fahrern insgesamt
günstig beurteilt. Daß jedoch Frontantrieb nicht unbedingt mit hervorragender
Straßenlage Identisch sein muß, erhellt aus der von Befragten- geübten Kritik:
- Der Wagenaufbau neige sich stark
in scharf gefahrenen Kurven, und
- die sehr Indirekte Lenkung vermittele
dem Fahrer nicht in wünschenswerter Weise den guten Kontakt mit der Straße.
Gelobt werden demgegenüber zwei andere spezifische Eigenschaften des 12 M:
- seine Straßenfestigkeit bei Schnee
und Eis, und
- seine (vom Frontantrieb herrührende) absolute Unempfindlichkeit gegen Seitenwind.
Wieder tritt zutage, daß besonders die ehemaligen VW-Fahrer solche Vorteile erfreut konstatieren.
Daß forsch und sportlich chauffierende 12-M-Besitzer im Gegensatz zu besonnen fahrenden Familienvätern trotzdem nicht immer und nicht immer ganz zufrieden sind, hängt zu einem entscheidenden
Teil von der Federung ab, die "eine augenfällige Tendenz zur Weichheit" habe:
zu hart - 3,0 %
gerade richtig - 84,0 %
zu weich - 13,0 %
Bei normaler Besetzung und gepflegter Straße gibt es offenbar keine Federungsprobleme. Querrinnen oder Schlaglöcher dagegen brächten die Vorderradfederung "leicht zum knallharten Durchschlagen", speziell bei voller Ausnutzung der Zulademöglichkeit. Überhaupt werde die Federung des 12 M mit kurzen Bodenwellen und schnell aufeinanderfolgenden Unebenheiten der Straße nicht besonders gut fertig. Doch gedenken die 12-M-Fahrer nicht, den an sich angenehmen Fahrkomfort durch härtere Federn aufgehoben zu sehen. Sie wollen vielmehr das "Federungsgefühl wie in einem großen Wagen" mit den Vorteilen einer ausgeglicheneren Federungscharakteristik vereinigt wissen.
Der "Ausgezeichnet"-Prozentwert für die Beschleunigung wird nur noch von dem für die Qualität unterboten:
ausgezeichnet - 4,6 %
gut - 37,6 %
zufriedenstellend - 28,2 %
ausreichend - 20,8 %
unbefriedigend - 8,8 %
Die Mehrheit der Besitzer konstatiert schlicht, daß der 12 M in der Beschleunigung "müde" sei, "lahm" und "faul". Und nur bei rigorosem Ausfahren der Gänge könne man einigermaßen zufriedenstellende Resultate erzielen. Es mangele dem Kölner Automobil "ungemein an Spritzigkeit und Temperament, das beim Überholen doch so bitter notwendig" sei.
Mit der Dauergeschwindigkeit
ausgezeichnet - 23,8 %
gut - 54,8 %
zufriedenstellend - 13,8 %
ausreichend - 6,8 %
unbefriedigend - 0,8 %
- hingegen sind reichlich drei von vier 12-M-Besitzern sehr zufrieden. "Selbst
bei voller Belastung" könne die vom Werk angegebene "Dauergeschwindigkeit von 125 km/h gehalten werden." Nicht ohne Stolz werden Tachoangaben von 135 km/h gemeldet und das Stehvermögen des Motors bei forcierten Langstreckenfahrten hervorgehoben. Dagegen monieren die Besitzer, daß der Wagen bei mittleren Autobahnsteigungen schnell Fahrt verliere; auch werde der Motor bei hohen Geschwindigkeiten recht laut.
Die Wirkung der Fußbremse -
ausgezeichnet - 29,6 %
gut - 44,4 %
zufriedenstellend - 17,6 %
ausreichend - 6,6 %
unbefriedigend - 1,8 %
- gibt kaum Anlaß zu Klagen. Allerdings bemängeln die 12-M-Fahrer neben einer deutlich ausgeprägten Neigung zum Quietschen, daß die Spurtreue beim Bremsen nicht unbedingt gewährleistet scheine.
Über die Erreichbarkeit der Handbremse gutachten die Fahrer wohlwollender, als ein Extrakt ihrer Randbemerkungen erwarten läßt:
ausgezeichnet - 10,2 %
gut - 49,2 %
zufriedenstellend - 21,4 %
ausreichend - 13,6 %
unbefriedigend - 5,6 %
"Noch immer auf die linke Hand! Wann wird das anders?" fragt indigniert ein Pfarrer mit Ford-Erfahrung. Die hartnäckige. Vorliebe der Ford-Leute für Handbremsen, die links von der Lenksäule sitzen, ist das Ziel unmutiger Äußerungen: Angeschnallt gelange man "nur unter Verrenkungen" an den Pistolengriff der unter dem Armaturenbrett versteckten Handbremse, und man müsse sich überhaupt zu weit vorbeugen Mithin: "Unbefriedigend - kommt man sehr schlecht dran; für korpulente Frauen unmöglich" - so ein Hutmachermeister.
An die gute Sicht nach vorn durch die überdimensionale, sphärisch gewölbte Windschutzscheibe des 17 M (83,4 % für ausgezeichnet) kommt der 12 M zwar nicht heran, erzielt aber dennoch hervorragende Prozentwerte:
ausgezeichnet - 50,2 %
gut - 44,2%
zufriedenstellend - 4,4 %
ausreichend - 1,0 %
unbefriedigend - 0,2 %
Zum Vergleich: Die VW-Besitzer beurteilten diesen Punkt sehr viel herber: "Ausgezeichnet" wurde nur mit 15,7 % bedacht, "gut" mit 48,5 %.
Ein noch deutlicheres Bild ergibt sich bei der Beurteilung der Sicht nach hinten. Zwar fallen die Prozente bei der Rück-Sicht stets ein wenig ab, das Prozentniveau bleibt dennoch beachtlich:
ausgezeichnet - 41,4 %
gut - 48,2 %
zufriedenstellend - 7,6 %
ausreichend - 2,0 %
unbefriedigend - 0,8 %
Die Zufriedenheit der 12-M-Besitzer wird besonders deutlich im direkten Vergleich mit dem Hauptkonkurrenten Volkswagen, der durch die Käferform in diesem Punkt (ausgezeichnet = 8,9 %, gut = 49,3 %) gehandikapt ist. Rügen erhielt der 12 M nur wegen des leicht abfallenden Hecks, das die hinteren Wagenecken
nicht mit absoluter Sicherheit ausmachen lasse.
Die Beurteilung der vom Scheibenwischer bestrichenen Fläche - angenehm groß - 61,8 %
ausreichend - 36,8 %
zu klein - 1,4 %
- fällt freundlich aus. Noch bessere
Prozentwerte zur Frage nach der Gängigkeit und Schaltbarkeit des Getriebes belohnen die Ford-Ingenieure für ihre perfekte Lenkradschaltung:
ausgezeichnet - 53,6 %
gut - 34,3 %
zufriedenstellend - 7,5 %
ausreichend - 1,2 %
unbefriedigend - 1,4 %
Wenn der neue 12 M seinen größeren und älteren Markengefährten 17 M auf diesem Gebiet auch nicht ganz erreicht (ausgezeichnet für den 17 M: 67,6 %), so ist er seinem Vorgängertyp (ausgezeichnet: 24,2 %) doch haushoch überlegen. Demgegenüber konnte der für seine exakte Knüppelschaltung bekannte und beliebte VW 1200 immerhin nur 37,3 % für ausgezeichnet und 50,5 % für gut notieren.
Den Wendekreis des 12 M von 11,8 m (Volkswagen: 10,8 m) halten 25,0 % für zu groß, 64,8 % für ausreichend und nur 10,2 % für erfreulich klein. Die Fahrer räumen ein, daß diese Schwierigkeit bei einem Wagen mit Vorderradantrieb nicht leicht zu beheben sei, meinen aber auch, ein Drehkreis von weniger als 10 m müsse erreichbar sein.
Die Lage der Bedienungsschalter -
sehr günstig - 45,6 %
zufriedenstellend - 53,6 %
zu weit entfernt - 0,8 %
- wird dreifach kritisiert. Der Aschenbecher
- obwohl nicht Bedienungselement im Sinne der Frage - liege sehr ungünstig; man müsse gut zielen können, um auch wirklich unter dem Wulst des Armaturenbretts in die Aschenlade zu treffen. Überdies sei das Zünd-Lenkschloß "nur für Linkshänder ideal"; es müsse unbedingt nach rechts verlegt werden. Es könne sogar geschehen, daß die ungeübte linke Hand bei laufendem Motor den Anlasser starte, statt
den Motor abzustellen. Außerdem wären Lichtschalter und Scheibenwischerschalter leicht zu verwechseln.
Seine schlechtesten Zensuren erhält der 12 M auf die Frage nach der qualitativen Verarbeitung:
ausgezeichnet - 4,0 %
gut - 26,6 %
zufriedenstellend - 24,8 %
ausreichend - 19,6 %
unbefriedigend - 25,0 %
Vornehmlich vom Verarbeitungsstandard des Volkswagens verwöhnte neue Ford-Fahrer äußern unverhohlen ihre Unzufriedenheit: Es sei "viel gehudelt" worden, die Verarbeitung wäre "im Detail unsauber", Schweißnähte seien "roh verarbeitet", die Türen verkantet, Schrauben nicht fest angezogen. Speziell
rügen die Fahrer die Lackierung: Ein qualitativ besseres Lackkleid einschließlich Grundierung und Blechentfettung müsse unbedingt angestrebt werden, um den Rostansatz zu vermeiden. Besonders die Schweißnähte zeigten sich anfällig.
Einsichtige Ford-Besitzer versuchen die Mängel relativ zu werten. Ein Bayer erklärt: "Typisch Ford: Wo es nicht drauf ankommt - oberflächlich. Wo es aber notwendig ist, wie zum Beispiel Kurbelwellenlagerung - ausgezeichnet. Aber das habe ich vorher auch schon gewußt." Ein Schwabe befindet: "Wenn man hierbei den Kaufpreis berücksichtigt, ist der Wagen toll." Ein Norddeutscher wiegt mit ortsgebundener Kühle ab: "Das Wesentliche, wie Motor, Bremsen, Radaufhängung, ist sicher gut. Das übrige darf man nicht mit der Vorstellung von deutscher Wertarbeit betrachten."
Auf die allgemeine Ausstattung angesprochen, bemängelt eine Münchnerin, daß jede Tür von außen abgeschlossen werden müsse. "Ein Haltegriff vorn", empfiehlt ein Wunsiedler, "müßte unbedingt serienmäßig eingebaut sein." Ein 12-M-Fahrer aus Rockenhausen vermißt "eine serienmäßige Parkleuchte". Ein Hanauer hält "vorn Einzelsitze (für) erforderlich; die Rückenlehnen müßten anatomischer werden". Ein Herbrechtinger fragt sich: "Warum ist keine Uhr drin?"
Die restlichen Befragten sind nahezu glücklich. Unter ihnen besonders jene, die für 100 Mark Aufpreis eine vom Werk angebotene Sonderausstattung bestellt hatten - nach übereinstimmender Meinung der Befragten "preiswert, reichhaltig und alles Wichtige enthaltend". Prozentuale Beurteilung der Ausstattung:
ausgezeichnet - 9,0 %
gut - 53,4 %
zufriedenstellend - 25,4 %
ausreichend - 10,2 %
unbefriedigend - 2,0 %
Mit der Heizung des 12 M schlägt Ford alle Rekorde - eigene wie fremde. Selbst der große Bruder 17 M mit seiner anerkannt wirksamen Wärmequelle erreichte nur 60,4 % für ausgezeichnet. Die Erklärung für das große Heizungslob des 12 M ist - neben der objektiv unbezweifelbaren Güte der Heizung - wieder einmal in dem Umstand zu suchen, daß ehemalige VW-Fahrer von dieser Heizleistung über alle Maßen begeistert sein müssen:
ausgezeichnet - 92,6 %
gut - 5,8 %
zufriedenstellend - 1,4 %
ausreichend - 0,0 %
unbefriedigend - 0,2 %
Die freudigen Kommentare reichen von der launigen Feststellung: "Für Neger gut am Nordpol" und dem Lob: "Heizung ist das Beste am Wagen" bis zu detaillierten Erfahrungsberichten: "Wirklich beispielhaft. Bei minus 15 Grad kann man ohne weiteres im Hemd fahren." Speziell gepriesen wird auch
das Zweistufengebläse: "Beschlagene Windschutzscheibe wird im Nu frei."
Dagegen kann sich die zugfreie Belüftung des 12 M nicht der gleichen Besitzer-Zuneigung erfreuen:
ausgezeichnet - 23,8 %
gut - 52,0 %
zufriedenstellend - 16,2 %
ausreichend - 3,4 %
unbefriedigend - 4,6 %
Das Absinken der Urteilswerte hat praktisch einen einzigen realen Grund, den ein Journalist im Stakkato-Stil so beschrieben hat: "Sommerlicher Regen, voller Wagen - Scheiben im Handumdrehen beschlagen, Sicht Null. Frischluft auf Windschutzscheibe: ist nicht, wurde vergessen. Also: trotz Regen Fenster auf, trotz Sommer Heizung an, Prüfung auf Tropentauglichkeit ist nichts dagegen." Ein Prokurist erbat sich für die Zukunft: "Im Sommer sollte die Ventilation (gemeint ist das Gebläse) für Fenster auch ohne gleichzeitige Heizung möglich sein."
Den beiden Lüftungsklappen rechts und links im Fußraum attestieren die befragten Fahrer zwar Wirksamkeit, bekritteln jedoch ihre Bedienungstechnik, Öffnen oder Schließen sei "eigentlich (aus Gründen der Fahrsicherheit) nur im Stand möglich".
Die Detailauswertung der Eindrücke von Bequemlichkeit und Fahrkomfort zeigt trotz keineswegs schlechter Prozentquoten, daß noch manches bequemer und komfortabler sein sollte:
ausgezeichnet - 23,4 %
gut - 55,0 %
zufriedenstellend - 16,8 %
ausreichend - 4,0 %
unbefriedigend - 0,8 %
Kritische 12-M-Fahrer vermerken:
- Statt der vorderen Sitzbank sollten Einzelsitze (wie serienmäßig bei der TS-Ausführung) wenigstens als Alternative angeboten werden.
- Die Sitzlehnen sind zu steil. Sie sollten geschwungener geformt, vor allem aber während der Fahrt leichter und weiter als bisher verstellbar sein.
- Die Lenkradposition ist für kleine
oder korpulente Besitzer zu tief.
- Die hintere Sitzbank ist zu schmal, die Sitztiefe zu kurz, die Oberschenkelauflage nicht breit genug. Der empfundene Mangel wird durch einen Zahlenvergleich erhärtet: Im 12 M mißt die Bank 42 Zentimeter in der Tiefe, während sie bei seinen. Hauptkonkurrenten 47 (Opel Kadett) und 46 Zentimeter (VW 1200) aufweist.
Dennoch fühlen sich viele im 12 M komfortabel befördert: "Ausgezeichnet - auch, für längere Fahrt"; "Polster etwas hart, aber auf die Dauer sehr angenehm im Sitzen"; "sehr gut - für einen Wagen dieser Größe und Preisklasse."
Bei der 17-M Befragung entfielen an "Ausgezeichnet"-Antworten auf - die
Frage nach der Größe des Koff erraumes 79,4 %, was als ungemein guter Wert galt. Der kleine 12 M erreicht dagegen sogar exzellente 84,4 %. Daß der praktisch etwa gleich große Kofferraum besser bewertet wird, beruht ohne Zweifel nicht zuletzt auf VW-Vergleichen; Wer vom Käfer-VW überstieg, ist vom voluminösen
Kofferraum des 12 M zwangsläufig begeistert. Resultat:
ausgezeichnet - 84,4 %
gut - 12,6 %
zufriedenstellend - 2,4 %
ausreichend - 0,4 %
unbefriedigend - 0,2 %
Dennoch wird kritisiert: das Reserverad etwa sei - an der Vorderwand des Kofferraums - ungünstig angebracht; der Deckel wäre nur mit dem Schlüssel zu öffnen; volle Zuladung im Kofferraum beeinträchtige die Wirkung der Scheinwerfer und führe außerdem Blendgefahr herbei.
Das Fassungsvermögen des Tanks (38 Liter) steht unbeschadet akzeptabler Prozente -
ausgezeichnet - 19,8 %
gut - 51,4 %
zufriedenstellend - 17,6 %
ausreichend - 7,8 %
unbefriedigend - 3,4 %
- unter dem Motto: "Größer wäre besser".
Fünf bis zehn Liter zusätzlichen Fassungsvermögens dürfte den Ford -Fahrern sehr recht sein. Einem Besitzer mit einem 9,5-Liter-Verbrauch ist der "Aktionsradius zu knapp". Ein anderer findet, daß ein "größerer Tank eine ungenaue Benzinuhr auch ohne Reservekanister
nicht so beunruhigend" mache.
Auffällig viele Kritiker findet das Motorengeräusch:
zu laut - 20,6 %
erträglich - 57,2 %
niemals störend - 22,2 %
Die Kritik fällt auf, weil nicht nur nach landläufiger Meinung ein wassergekühlter Motor bedeutend leiser laufen soll als ein luftgekühlter. Beim 12 M liegt die Geräuschursache nicht an der Art der Kühlung, sondern offenbar an der Art der Zylinderanordnung. Ford praktiziert zwar einen technischen Kniff mit einer sogenannten Ausgleichswelle, um dem vierzylindrigen V-Motor sanfte Töne abzugewinnen. Dennoch neigten Wagen mit niedriger Motornummer zum schütteligen Leerlauf und zum lauten, bisweilen Resonanzdröhnen verursachenden Vollgaslauf. Zwar sind beide Erscheinungen bei neueren Wagen wesentlich gedämpft. Doch selbst der gern als akustisch unkultiviert bezeichnete Volkswagen mit seinem luftgekühlten Boxermotor wurde nur von 5,6 % aller Befragten als zu laut empfunden.
Die Prozente für den Kundendienst -
ausgezeichnet - 15,3 %
gut - 38,0 %
zufriedenstellend - 22,5 %
ausreichend - 10,5 %
unbefriedigend - 13,7 %
- verraten nichts, was nicht auch beim
Kundendienst vieler anderer Fabrikate (Überlastung der Werkstätten, langes Warten auf Annahme, Reparatur und Rechnung, hohe Preise) zu beklagen wäre.
Drei Viertel der befragten 12-M-Fahrer haben wegen einiger Defekte und Reparaturen Ford-Vertretungen bemüht.
19,2 % melden elektrische Pannen: Neben defekten Hupen und auszuwechselnden Batterien, gelösten Kabeln und durchgebrannten Birnen wird immer wieder moniert, daß die Sicherungen im Motorraum Schmutz und Feuchtigkeit ausgesetzt seien. Alle Kontakte neigten ungewöhnlich leicht zu Korrosion.
Üngenügende Abdichtung des Wagens - speziell am Kofferraum - gegen
eindringende Feuchtigkeit bemängeln 13,6 %. Türklinken und Türverriegelungen hätten sich überdies als anfällig erwiesen (9,4 %), Lack und Chrom gaben Anlaß zu Garantieleistungen (9,2 %), störende Geräusche mußten abgestellt (9,0 %), die Bremsen wegen ungleichmäßigen Ziehens und gelegentlichen Pfeifens inspiziert werden (8,0 %).
Bei 6 % erwies sich auf der insgesamt 20 Punkte umfassenden Defektliste der Kombischalter links unter dem Lenkrad (für Blinker, Abblend- und Fernlicht, Lichthupe und akustische Hupe) als anfällig ("Den vielen Funktionen nicht immer gewachsen." Oder: "Einfach abgebrochen"). 5,8 % hatten Ärger mit dem Scheibenwischer und seinem Antrieb, 5,6 % mit der Zündung, 5,0 % mit der Lenkung (Symptome: "Unruhe", "Spiel", "Unüberhörbares Knacken"). Für je 4,8 % wurden Spiel der Vorderachslager und hoher Reifenverschleiß an den Antriebsrädern (infolge falscher Einstellung von Sturz und Spur) Anlaß des Werkstattbesuchs.
Nur 7 % der 12-M-Besitzer schwiegen auf die Frage nach den mangelhaften, ärgerlichen und verbesserungsbedürftigen Punkten ihrer Autos. Primäres Anliegen der Kritiker (24,0 %) ist der Wunsch nach einer Innenverriegelung der Motorhaube, um sie gegen unbefugtes öffnen zu schützen*. Verbesserung der allgemeinen Verarbeitung (20,4 %) und sorgfältigere Lackierung und Grundierung (20,0 %) hält jeder fünfte für unbedingt erforderlich. Für 12,6 % ist die Lenkradposition zu tief, 12,0 % fühlen sich durch rauhes, lautes Motorengeräusch belästigt. Bessere Polstergestaltung der Sitze verlangen 11,4 %, Abhilfe gegen die Seitenneigung der Karosserie in Kurven und
Überarbeitung der Federungscharakteristik halten 10,2 % für notwendig.
Weitere Rügen richten sich gegen den Aschenbecher und seine Anordnung (8,8 %), allgemeine Störgeräusche (8,6 %), das ungünstig plazierte Zünd-Lenkschloß (7,8 %), unzureichende Beschleunigung (7,4 %) und die elektrische Anlage (7,4 %).
Den Ford-Ingenieuren wurden Verbesserungen an der Vorderachse des 12 M - Aufhängung, Achswellen, Gelenke - anempfohlen (7,2 %); außerdem wurde ihnen nahegelegt, die Lenkung direkter zu gestalten (7,0 %). Überdies sollen sie für Frischluftzufuhr auf die Windschutzscheibe Sorge tragen (6,8 %), den Kombihebel wenigstens von der Bedienung der Hupe entlasten (4,6 %) und der Lenkung schließlich etwas mehr Ruhe verleihen (4,0 %).
Unter den ganz besonders lobenswerten Punkten steht die Geräumigkeit - wie unter den Kaufgründen - an erster Stelle (43,0 %). Hatten jedoch die Befragten bei den Kaufgründen der Form den zweiten Rang zuerkannt, so zeigten sie sich nunmehr vom Kofferraum (39,4 %) und der Heizung (29,8 %) stärker angetan als von der Form, die sie erst an vierter Stelle (28,8 %) loben. Dank Spursicherheit und Unempfindlichkeit gegen Seitenwind wird die Straßenlage gepriesen (19,2 %). Die gute Sicht nach allen Seiten (18,0 %) und der Frontantrieb (15,4 %) sind den 12-M -Fahrern willkommener als Bequemlichkeit (14,8 %), ausgezeichnete Lenkradschaltung (11,8 %) und der Vorzug eines ebenen Bodens im Innenraum durch Fehlen des Kardantunnels (8,4 %).
Außerdem finden wirkungsvolle Lüftung (8,2 %), gute Federung (7,4 %), Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit
(6,2 %), geringe Wartungsansprüche
(5,4 %), freundliche Fahreigenschaften
(5,0 %) und die erfreulich sparsame Verwendung von Chromteilen (5,0 %) den Beifall der befragten Fahrer.
83,2 % der l2-M-Eigentümerhaben zusätzliches Zubehör* erworben. Unter den bevorzugten zwölf Artikeln fehlt die sonst übliche Blumenvase - vermutlich nur, weil zunächst keine passende für den 12 M lieferbar war. Doch davon abgesehen schafften die 12-M -Fahrer alles an, was beim Zubehörhandel als gängig gilt: Fußmatten (66,0 %), Verbandskasten (50,2 %), D-Schild (48,0 %), Abschleppseil (39,1 %), Haltegriff (35,9 %), Reservekanister (32,7 5), Warnlampen, Warndreiecke, Warnflaggen (27,1 %), M&S-Winterreifen (25,5 %), Radios und abnehmbare Transistorgeräte (23,2 %), Schonbezüge (19,8 %), Auspuffblende (18,0 %) und Radzierverkleidung (14,8 %). Von Sicherheitsgurten (mit 5,6 % auf Platz 22) halten die 12-M-Fahrer immerhin mehr als die Fahrer des VW 1200 (4,7 %).
Unverkennbare Skepsis spricht aus den Antworten auf die Frage nach einem Wiederkauf: Eine gewisse Enttäuschung der Fahrer gilt kaum der grundsätzlichen Konzeption des Wagens als vielmehr einigen ärgerlichen Eigenheiten des, Autos, wie sie die Befragung aufgezeigt hat. Daher ist auch die kategorische Ablehnung - zum Ausdruck gebracht in der Antwort "nicht wieder kaufen" - nicht bemerkenswert ausgeprägt: Man will ihn eben nur vielleicht wieder kaufen. Diese Überlegung wird durch zahlreiche und bei dieser Frage an sich selten auftauchende Anmerkung präzisiert: "Nur, wenn die Mängel beseitigt sind." Oder: "Wenn die Verarbeitung besser wird." Oder: "Falls aufgetretene Kinderkrankheiten restlos behoben sind."
Von den befragten 12 M-Besitzern würden sich einen Wagen des gleichen Fabrikats
wieder kaufen - 43,6 %
vielleicht wieder kaufen - 47,2 %
nicht wieder kaufen - 9,2 %
* Eine ausführliche Fassung der Umfragauswertung erscheint als Nr. 34 der Reihe "Gefahren und geprüft" im Verlag Delius, Klasing & Co, Bielefeld.
** Die angegebenen Prozentzahlen ergeben eine größere Summe als 100, weil oft mehrere Kaufgrinde angeführt wurden. Das gilt auch für andere Punkte der Befragung.
* Seit September 1963 gefertigte 12 M haben die Innenverriegelung.
* Bei der Auswertung wurde die für 100 Mark ab Werk lieferbare Sonderausstattung (Stoßstangenhörner mit Gummipuffern, Rückfahrscheinwerfer, Dachhimmel aus Kunststoff, Make-up-Spiegel in der rechten Sonnenblende, Aschenbecher hinten, Armlehnen hinten und Zigarrenanzünder) nicht berücksichtigt.
Neuer Ford 12 M in der Kurve Neigung zum Neigen
Höher hinaus
Wehmut über Lack
"12 M ist wärmer" Serienmäßiger
Wecker erwünscht
Alter Ford 12 M
Mehr Nachfrage nach dem Nachfolger
Neuer Ford 12 M (vorn), Konkurrenten Opel Kadett, VW 1200: "Viel Auto fürs Geld"
Kofferraum des neuen Ford 12 M
Übersteiger angelockt

DER SPIEGEL 45/1963
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