06.11.1963

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Aus einem Interview, das der britische Journalist Roderick MacFarquhar in einer "Panorama"-Sendung der Londoner BBC mit dem ehemaligen Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß über die SPIEGEL-Affäre führte:
MACFARQUHAR: Wenn (in der Bundesrepublik) etwas schiefgeht, dann könnte der charmante, dynamische, aber etwas unheimliche Ex-Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß an die Macht kommen. Glaubt er (Strauß), daß sein Versuch, das Magazin DER SPIEGEL auszuschalten, klug war?
STRAUSS: Ich glaube, da liegt eine falsche Beurteilung vor, denn als ich die Nachricht bekam, daß der Generalbundesanwalt die Angelegenheit aufgegriffen hat, habe ich den Kanzler sofort angerufen. Es war ein Fall für den Kanzler.
MACFARQUHAR: Glauben Sie, richtig gehandelt zu haben, als Sie die Deutsche Botschaft in Spanien anriefen, ohne den Außenminister davon zu unterrichten?
STRAUSS: Ich glaube, hier gibt es viele Mißverständnisse. Denn ich wurde durch die Anweisung des Kanzlers geleitet, die Lecks in meinem Ministerium aufzuspüren und alles zu tun, um Offiziere und andere Leute davon abzuhalten, gefährliche Indiskretionen zu begehen. Ebenfalls handelte ich in dem Glauben, daß das Außenministerium informiert war.
MACFARQUHAR: Haben Sie das Gefühl, daß der Kanzler Sie fallengelassen hat?
STRAUSS: Kein Kommentar.
MACFARQUHAR: Glauben Sie, daß die SPIEGEL-Affäre Ihre Karriere beendet hat?
STRAUSS (lacht): Ich glaube, darüber habe ich nicht zu befinden.
MACFARQUHAR: Rechnen Sie sich noch eine Chance aus, Bundeskanzler zu werden?
STRAUSS: Um diese Frage habe ich mich noch nie gekümmert ... in meinem ganzen Leben nicht.
MACFARQUHAR: Sie haben niemals einen Gedanken darauf Verschwendet, Kanzler zu werden?
STRAUSS (lacht): Nein.
Das Allensbacher Institut für Demoskopie stellte im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens einer repräsentativen Bevölkerungsgruppe die Frage:
"Wie ist es Ihrer Vermutung nach ganz allgemein: Hat der SPIEGEL Ihrem Gefühl nach durch, diese Affäre Ansehen gewonnen oder Ansehen verloren?"
Antworten:
Ansehen gewonnen - 55 %
Ansehen verloren - 13 %
Weder noch - 17 %
Weiß nicht - 15 %

DER SPIEGEL 45/1963
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